^ersfesher Anzeiger.
RV. 1OO> Hersfeld, den.14. December. 1864*
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Ein Triumph der Schönheit.
Geschichtliche Skizze von Wilhelm Andrea.
Selten hat wohl ^in Mann eine so außerordentlich schwierige Stellung eingenommen, als Bonaparte während der Zeit, wo er zum ersten Consul der französischen Republik erhoben worden war, und nur ein Mann von seinem Genie und seinem Glück vermochte all' den vielfachen Gefahren, die diese Stellung sowohl, wie sein Leben bedrohten, glücklich zu entgehen, und sogar noch Vortheile daraus zu ziehen.
Seine größten Feinde waren weniger seine vielfachen Neider im Civil- und Militärstande, als die beiden politischen und immer noch sehr mächtigen Parteien der Radicalen (Jakobiner) und der Anhänger des gestürzten Königthums (Royalisten). Während er auf die ersteren mit großer Verächtlichkeit hinblickte und sie einem verwesenden Leichname, oder einer zerplatzten Bombe verglich, die nicht mehr schaden könne, trat' er gegen die Anhänger des Königthums, die nicht allein in der Vendee gegen die republikanischen Staatslenker die Waffen ergriffen hatten, sondern auch als Emigranten in Deutschland und England ihre Sendboten und Spione bis in die nächste Umgebung des Consuls zu führen wußten, mit der allergrößten Strenge auf.
Beide Parteien bedrohten sein Leben, und der erste Anschlag aus dasselbe ging nicht von diesen letzteren, sondern von der „zerplatzten Bombe", den Jacobinern, aus.
Am Abende des 10. Oktober 1800 fuhr Bonaparte auf drn Wunsch seiner Gattin Joscphine und einiger vertrauten Freunde in die Oper, obgleich er nicht die geringste Lust dazu verspürte und das größte Verlangen hegte, zu Hause zu bleiben.
Er mußte, als die Oper ihren Anfang nehmen sollte, geweckt werden. Er schlief unter einem Traghim- mcl. Der General Lannes brächte ihm den Hut, Bes- sisires überreichte ihm das Schwert, und so wurde er fast in den Wagen hineingedrängt, wo er, nid) immer von Müdigkeit überwältigt, sofort wieder einschlief, jedoch im Traume fortwährend von den Gefahren gepeinigt wurde, die er einige Jahre zuvor. bei dem Versuche über den Tagliameuto in Italien zu setzen, zu bestehen gehabt
hatte. In demselben Augenblicke vernahm man einen wahrhaft entsetzlichen Knall, der sogar mehrere Meilen weit von Paris gehört wurde. Der ganze Wagen und die ganze Straße schienen mit einem Male in Flammen zu stehen.
„Wir sind--in die Luft gesprengt!" rief Bonaparte, sich an Lannes und Bessieres wendend, aus.
Dies geschah in der Straße St. Nicaise.
Die Maschine, die diesen Knall hervorgebracht hatte und bestimmt war, den ersten Consul zu töoten, war sogar anfangs dem Vorbeifahren des Wagens hinderlich gewesen. Sie war nicht eine mit Flintenläufen versehene Höllenmaschine, sondern bestand aus einer auf einem Karren befestigten Pulvertonne, die rings mit Kartät- schenkugeln umgeben war, welche durch die Kraft des entzündeten Pulvers nach allen Richtungen fortgeschleu- dert wurden.
Die Entzündung geschah durch eine brennende Lunte, und es fehlte in der That nicht viel, so war der Zweck der Attentäter, an deren Spitze ein gewisser St. Rogent stand, erreicht. Bonaparte verdankte sein Leben nächst der göttlichen Vorsehung lediglich — der Betrunkenheit seines Kutschers, welcher sehr rasch fuhr, und zwei Minuten früher vor der Maschine vorbei war, ehe der knallende Ausbruch erfolgte.
Die den Wagen begleitenden Diener versuchten in ihrer Bestürzung denselben aufzuhalten, jedoch der Kutscher Hieb auf die Pferde und fuhr noch schneller als zuvor. Als Bonaparte wohlbehalten im Opernhause angelangt war, und die Zuschauer ihm durch Erheben von den Sitzen ihre Ovation dargebracht und durch lebhafte Zurufe ihm ihre Freude wegen seiner Lebensrettung kundgegeben hatten, wußte der Betrunkene immer noch nicht, was vorgesallen war; er meinte, der erste Consul habe eine Artilleriesalve erhalten.
Die Wirkung der Explosion war so furchtbar gewesen, daß drei Häuser nicht unerheblich beschädigt, zwanzig Menschen getödtet und drei und fünfzig schwer oder leicht verwundet wurden.
Unter diesen befand sich St. Rogent selbst.
(Fortsetzung folgt.)