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haben wollte. Entschlossen, es zu verhindern, fing ich das zweite Seil so ein, daß eS durch meinen Ellnbogen laufen mußte. Das dicke Bündel konnte unmöglich zwischen dem Winkel meines Ellbogens und meinem Seile hindurch. Dann glitt ich im Gefühl, daß ich sobald als möglich festes Land erreichen müßte, doppelt rasch hinab.
„Da fühlte ich in meinem eigenen straff angespannten Seile ein leises Zittern und soweit ich auch jetzt schon von dem rothhäntigen Schurken entfernt war, konnte ich doch erkennen, daß er mit meinem Seile beschäftigt war.
„Wie ein Blitzstrahl durchzuckte mich der Gedanke: er will dein eigenes Seil durchschneiden, entweder um dich in die Tiefe zu stürzen oder zum Loslassen des anderen Seiles zu bewegen.
„Das war der einzige Augenblick meines Lebens, wo ich kennen gelernt habe, was Todesangst ist. Ich schlotterte am ganzen Leibe und wäre beinahe gestürzt.
„Ein Rest von Besinnung kehrte schnell zurück. Ich faßte beide Seile zugleich und glitt mit beflügelter Eile hinab, daß meine Handschuhe rauchten und verbrannten, und die Riemen zuletzt in meine Finger einschnitten.
„Da riß das dickere Seil — der Schurke hatte es zerschnitten — und im Augenblick hatte ich das dünnere mit der zweiten Hand gefaßt. Es dehnte sich bedenklich unter meiner Last — aber es hielt — und jetzt war ich aus festem Boden angelaugt — ich taumelte und sank bewußtlos nieder.
„Aber ich muß sehr bald wieder zum Selbstbewußtsein erwacht sein. Denn ich fühlte, daß ich gezogen und gehoben wurde. Ich war auf das Bündel zu liegen gekommen, und der Wilde wollte, mich für todt oder' schwer verletzt haltend, einen Versuch machen, dasselbe unter mir hervorzuziehen. Ich erkannte das im Nu, und Rachelust und Selbsterhaltungstrieb flammten so mächtig in mir auf, daß ich einen rasch erdachten Plan, meinen Feind in eine selbstgelegte Falle zu locken, mit Gedankenschnelle auch schon ausgeführt hatte.
„Eben, als er am stärksten zog, gab ich dem Seile einen plötzlichen und gewaltigen Ruck, der mich selbst zur Erbe warf — und ich hörte hoch oben seinen Verzweiflungsschrei und — wenige Secunden später stürzte der Körper des hübschen Äilden dicht vor mir herab, daß die Lust sauste und der Boden erzitterte. Dann rollte er leblos weiter bergab, bis er zwischen den hier aufge- häusten gröberen Felstrümmern zur Ruhe kam."
DieZuhörerin hatte der Erzählung zuletzt in athem- loser Spannung gelauscht. Ihre Augen traten weit und starr hervor, sie saß wie gelähmt. Mehr als einmal waren ihr Laute der Beklemmung entschlüpft. Jetzt rief sie erleichtert: „Gottlob!"
Der Erzähler hielt hier, selbst von der lebhaften Erinnerung überwältigt, längere Zeit inne. Dann drängte ihn Frau Mayfield, deren Neugier mächtig angeregt worden war, fortzufahren.
„Es erforderte mehr als einen Tag, bis ich wieder
im vollen Besitz meiner Kräfte war. Dann stärkte ich mich wieder durch Speise und Trank und trat die Entdeckungsreise ii?S Thal hinab an.
„So großartig und schrecklich die Felsenwildniß oben, so lieblich war das eigentliche Thal unten. Es öffnete sich nur an wenigen Stellen zur Breite einer Meile zwischen den Felswänden, und die Halden, entstanden durch das Gerölle der herabrollenden Felslrümmer, welche seit vielen Jahrtausenden sich vom Flusse aufwärts gebildet hatten, reichten überall gleich Vorgebirgen in denselben hinein, sein Bett verengend. Wo dies der Fall war, erschien er tief genug, um für Boote fahrbar zu sein. Ich hatte in wenigen Stunden genug gesehen, um mich zu überzeugen, daß ich mich in einem kleinen Paradiese befände, in welchem ich keine Noth zu leiden brauchte.
(Fortsetzung folgt.)
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrachsamt Hersfeld.
Nach einer Mittheilung des Landrathsamts zu Hom- berg ist am 16. d. Mts. Morgens gegen 9 Uhr zu Ra- boldshausen ein der Tollwuth verdächtiger, unbekannter großer Schäferhund grau und langzottig,' erschossen worden , welcher in der Richtung von Salzberg kommend, in dasiger Gemarkung Ta^S zuvor, zwei bei ihren Heer- den befindliche^ Schäferhunde gebissen haben soll, was hierdurch veröffentlicht wird.
Hersfeld, am 24. November 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Nach einer. Mittheilung Kurfürstlichen Landraths- amts zu Homberg ist unter dem Rindvieh des Ackermannes Johannes Fröhlich 3r und des Schmieds Häßler zu Raboldshansen die Lungenseuche ausgebrochen, was hierdurch veröffentlicht wird.
Hersfeld, am 26. November 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Heinrich Götz von Schenklengsfeld hat behufs Niederlassung im Großherzogtbum Hessen um Entlassung aus dem kurhessischen Unterthanenverbande nachgesucht.'
Hersfeld, am 24. November 1864.
Kurfürstliches Landrathsamt. Aufsarth.
Landrathsamt Günsels.
Bernhard Kinsky von Hier hat zum Zwecke der Niederlassung im Königreiche Preußen um Entlassung aus dem kurhessischen Untertbanenverbande nachgesucht.'
Hünfeld, am 23. November 1864.
Kurfürstliches Landrathsamt. Götz.
Die vorläufig abgeschlossene Kreisliste über die zur