Einzelbild herunterladen
 
  

298

seltsamen Zweikampfe zwischen einem Franzosen und ei­nem Wilden vom Stamme der Saukis bei. Die Ver- anlassung des Streites war folgende: Herr v. R . . . . hatte einen Spaziergang in der nächsten Nähe jener al­len Grabhügel gemacht, welche sich in der Umgebung der Stadt befinden. In einem Winkel dieser großen, länglichen Vierecke, die entweder Ruinen eines Parthe­nons oder eines Pästums sind, wo die Ureinwohner des Landes ihren Todten die größte Ehrfurcht beweisen, erblickte er ein unförmliches Zelt von geflochtenen Mat­ten und mit Häuten bedeckt. Er ging näher und ge­wahrte ein junges Weib, dessen Züge mit denen der kalten, züchtigen Atala augenscheinlich nichts gemein hatten. Zwischen ihm, dem Manne der Civilisation, und der Tochter der Wildniß entspann sich nunmehr eine durch Zeichen und Geberden fvrtgesührte Unterhaltung. Der Franzose, durch das Ungewöhnliche der ganzen Scene gereizt, wollte sich einige Galanterien gegen die schöne Wilde erlauben; diese aber stieß einen durchdringenden Schrei aus, und in dem nämlichen Augenblick • stand ihr Gatte, ein Mann von gigantischem Körperbau, ihr zur Seite. Wenige Laute genügten, um den Hergang auf- zuklären; unser Franzose sah sich bald darauf geknebelt und der Obhut einiger Indianer übergeben, die sich im Dienste des beleidigten Familienvaters befanden.

In einem noch an demselben Tage abgehaltenen Rathe wurde beschlossen, daß schon beim Anbruch deS nächsten Morgens ein Zweikampf zwischen dem Beleidiger und dem Beleidigten stattfinden sollte. Kreischende, durch wunderliche Blase-Instrumente hervorgebrachte Töne gaben alsbald das Zeichen, daß man sich zu dem be­vorstehenden Kampfe in großer Anzahl auf dem ciuge- hegten Plahe einfinden solle. Es wurden Richter er­nannt, um ihr Gutachten über die beigebrachten Schläge abzugeben, und um die Waffen, oder, wie man auch sonst zu sagen pflegte, die Knittel auszuwählen.

Man machte dem Franzosen das Gefährliche seiner Lage begreiflich, denn es handelte sich in diesem Zwei­kampfe nicht darum, einen Degen zu führen, oder ein Pistol abzuschießen; er hatte nur zu wählen zwischen dem Pfeil, der Keule und dem Tomahawk. Er gab der letztem Waffe, einer Art kleiner Axt, den Vorzug, weil er glaubte, dieses Instrument am leichtesten handhaben zu können.

Die Einwohner von St. Louis waren bestürzt;' man suchte das unabwendbare Unglück zu verhüten, allein die von den Saukis gefaßten Beschlüsse waren unerschüt­terlich. Der Indianer, den Herr v. R. beleidigt hatte, war kein geringerer, als der „große Adler", ein Äbkömm- liug des berühmten Pouthiak, — ein , Name, dem nach Montczuma und den Jucas von den Ureinwohnern des Landes die größte Verherrligung zu Theil wird.

Kaum war der erste Strahl des neuen Tages Her- cingebrvchen, als alle jene alten Grabhügel in der Um­gebung der Stadt mit Wilden wie übersäet waren. Nie­mals hat sich meinen Blicken eine solche Versammlung

dargeboten. Diese kupfrigen Gesichter mit den hervor­springenden Backenknochen, diese lebhaften, leuchtenden Augen, deren Wimpern mit Zinnober und, zum Zeichen größerer Würde, zum Theil mit Blut gefärbt waren; diese dicken, glatten Nasen; der abscheulich große Mund und die kahlen Köpfe, in deren Mitte nur ein Haar­büschel steht; diese Ohren, ausgereckt durch die Last schwe­rer Ringe, und endlich jene Schlängen ähnlichen Hals­bänder, sowie die Fuchsschwänze und wallenden Federn, welche diese Wilden sich zur Zierde angehängt hatten, — alles das gab der Versammlung ein nicht zu beschrei­bendes phantastisches Ansehn. Einige von ihnen, mit einem wollenen Ueberwurs bekleidet, ließen nur Pfeile und Bogen sehen; andere wieder waren nur mit einem weißen oder rothen Gurt bekleidet und trugen ihre schlan­ken, aber trägen Gliedmaßen zur Schau;' sie glichen in ihren Häuten von Ziegen-, Büffel- oder Elcnnsscll den römischen oder, griechischen Ringern und Faustkämpfern.

Die Weiber erwarteten mit fliegenden Haaren, be­scheiden und furchtsam wie Sklaven, in der Stille das Zeichen zum Beginn des Kampfes, und mischten ihre Stimme nur selten in das wilde Geschrei der Männer, das aus den benachbarten Wäldern wiederhallte.

Der Augenblick, da die beiden Kämpfer in die Schranke traten, war feierlich und schrecklich zugleich. Der Franzose stammte aus einem edlen Geschlecht, aus seiner Stirn thronte der ritterliche Geist des Mittelal« alters, und nichts gab Zeugniß dafür, daß der Helden­muth seiner Väter von ihm gewichen sei. Festen Fußes, mit der einfachen Axt bewaffnet, erwartete er den Angriff seines Feindes.

Die Haltung deS Wilden war stolz, sein mit zwei Fuchsschwänzen geschmückter Kopf erhob sich voller Würde, worin sich einige Verachtung für denjenigen mischte, mit dem er sich schlagen sollte. '

Nackt und am ganzen Körper mit Farbe bemalt, glich er mehr einem wilden Thiere, das über seine Beute herstürzen, als einem Helden, der seinen Streit durch daS Recht der Waffen ausgleichen will.

Ein furchtbares Pfeifen gab das Signal zum Be­ginn des Kampfes, eine noch' ängstigendere Stille trat plötzlich ein; — ich zitterte an allen'Gliedern.

Jii demselben Augenblick brach der „große Adler" in ein wildes Lachen aus und bewegte sich in tausend Umschlingungen um seinen Gegner, bald sich erhebend, bald mit allen Verrenkungen einer Hyäne sich bückend, die den günstigen Moment erspähen will. Aber das Auge des Franzosen, leuchtend wie das seines Feindes, bezeichnete diesem einen Mann, der bereit war, jedem Angriff auszuweichen oder mit Energie zu begegnen. Der Wilde begann nun, im Kreise umberzulaufen, um den Feind zu einem gymnastischen Wettstreit anzureizen und ihn so zu ermüden; Herr v. R. aber verblieb ruhig in seinem Vertheibigungszustande. Endlich sank der „große Adler", ermattet von seiner eignen List, mit ei­nem einzigen Sprunge zu den Füßen seines Gegners