295 -
hatte er die Nachricht von dem.Tode seiner Letztgebore- neu erhalten, und es läßt sich nicht bezweifelt daß seine schon zerrütteten Verstaudeskräste diesem neuen Schlage vollständig unterliegen mußten.
New York, 23. Aug. Die Art, wie -jüngst der Conföderirten-General Wheeler vor Dalton zurückgewiesen wurde, gereicht vor Allem unseren tapferen deutschen. Landsleuten znr Ehre. Hier kommandirte der Oberst Seybold das ganze, ausschließlich aus Deutsche bestehende kaum 500 Mann starke zweite Missouri-Regiment. Wheeler,ließ ihn auffordern, sich zu ergeben. Seybold erwiderte aber kurz, er sei da, um sich zu schlagen und seinen Posten bis aus den letzten Mann zu vertheidigen. Seybold hielt sein Wort, er schlug sich zwei Tage lang gegen den ihn fast zehnfach überlegenen Feind und wurde am dritten Tage erst durch den von Chattanooga Herbei- geeilten General Stedmann verfolgt. Hätte er sich, in der beliebten Weise amerikanischer Generale, auf die erste Aufforderung hin ergeben, so wäre SHermann von Chattanooga abgeschnitten gewesen. Die amerikanischen Zeitungen gehen mit auffallender Gleichgültigkeit über die tapfere That des deutschen Obersten weg; ja, sie schweigen diesen Akt treuer Pflichterfüllung geflissentlich todt. Seybold ist ein badijcher Flüchtling.
— (Ein reuiger Verbrecher.) Am Napolcous- tag ging ein anständig, aber einfach gekleideter Fremder durch die Nuc des Chaudronuiers inToulou; eine arme Frau mit bloßen Füßen begegnete ihm. „Gute Frau", redete er sie an, „warum traget Ihr keine Schuhe?" — „Weil ich kein Geld habe, mir welche zu kaufen", lautete die Antwort. Der Fremde zog sogleich seine Fußbekleidung aus und gab sie der über diese Handlungsweise sehr erstaunten Frau; dann ging er in den ersten Schuhmacherladen der Straße find kaufte sich ein neues Paar Schuhe. Dieser Fremde war von einem Aufseher über die Galeeren begleitet und war ohne Zweifel ein philantropischer Reisender, welcher bei einer Durchreise in Toulon den Bagno besuchen wollte. Nein, das war er nicht! Es war ein am 15. August begnadigter Verbrecher, welcher unter Begleitung eines Wächters nach dem Eisenbahnhof ging. Er war zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurtheiit worden, weil er in einem Augenblick blinder Eifersucht seine Frau und seinen Schwiegervater, zwischen welchen er ein verbrecherisches Verhältniß vermuthete, getödtet hatte. Während der 17 Jahre, welche er nun schon in diesem Fegefeuer der menschlichen Gerechtigkeit zugebracht,' hat er sich musterhaft betragen und die Strafe für seine Verirrung ohne Murren und Resignation hingenommen. Unterwürfig gegen seine Vorgesetzten, war er seinen Leidensgefährten gegenüber gut und freundlich und verwandte die Geldmittel, welche ihm zur Verfügung standen, um ihr Schicksal zu erleichtern. Jetzt kehrt er in die Mitte seiner Kinder und Mitbürger zurück, welche sein Vergehen beklagten, ihm aber nie ihre Achtung entzogen haben.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrathsamt Hersfeld.
Nach einer Mittheilung des Landrathsamts zu Ro- tenburg hat sich bei einem daselbst geschlachteten Ochsen, der a«S dem Rindvieh des Oeconomen Gundlach zu Niederaula angekauft war, die Lungenseuche gezeigt, waS hiermit unter dem Bemerken veröffentlicht wird, daß zwar unter dem noch vorhandenen Viehstand des Verkäufers weitere Spuren bis jetzt nicht aufgetreten, jedoch die nöthigen Vorsichtsmaßregeln getroffen sind.
Hersseld, am 14. September 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Heinrich Klee von Düukelrode hat behufs Niederlassung im Königreich Preußen um Entlassung aus dem Kurhessischen Unterthanenverbande nachgesucht.
Hersseld, am 14. September 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Conrad Thamer von Kerspenhausen hat behufs Niederlassung im Königreich Preußen um Entlassung aus dem kurhessischen Unterthanenverbande nachgesucht.
Hersseld, am 12. September 1864.
Kurfürstliches Landrathsamt. Auffarth.
Der hierunter sigualisirte Conrad Gebauer von Eitra hat sich wiederholt ohne Legitimation aus seiner Heimath entfernt und treibt sich wahrscheinlich zwecklos umher, weshalb alle betreffenden Behörden ersucht werden, denselben im BÄretungsfalle zu verhaften und durch die Gendarmerie-Verbinduna anher transportiren zu lassen.
Hersfeld, am 10. September 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth. Signalement.
Alter 6l Jahre, Größe 5 Fuß 3 Zoll, Haare braun, Stirn frei, Augenbraunen braun, Augen grau, Nase Mittel, Mund Mittel, Zähne defect, Kinn rund, Bart rasirt, Gesicht oval, Farbe gesund, Statur untersetzt. Besondere Kennzeichen: Aus dem linken Auge erblindet»
Der unter Nr. 318 am 15. August d. I. der Maria Otto von hier zum Zwecke des Aufenthalts in Co- burg ertheilte Heimathschein ist angeblich in der Nähe von Bebra verloren gegangen, was zur Verhütung etwaigen Mißbrauchs bekannt gemacht wird.
Hersfeld, am 13. September 1864.
Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Freitag den 3 0. September d. I.
Nachmittags 2 Uhr sollen im hiesigen Kreise auf der Staatsstraße, von hier nach Fuldaj zwischen Sieglos und der Kreisgrenze, in den Nummern 280, 281 und 282