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gefangen nehmen konnte; aber ich unterließ es, weil ich auf dem Wege zur Vorrathskammer mehrere Thüren passiren mußte, die man zur Beobachtung offen hielt und aus denen man in größter Nähe aus mich geschossen hätte, wenn ich meinen Gefangenen daran vorüber trieb. Au­ßerdem hätte ich mich aus diesem Wege den Kugeln mei­ner eigenen Leute ausgesetzt, da ich ihnen nicht zurufen konnte, ohne mich in die Gefahr zu bringen, augenblick­lich ermordet zu werden. So wartete ich denn gespannt das Weitere ab und lauschte, ob nicht Vorbereitungen zu einem neuen Angriffe wahrzunehmen feien; bis aus den Lärm außerhalb des Hauses und die keuchenden Athem­züge meines Nachbars konnte ich jedoch nichts hören. Plötzlich stieß mich derselbe mit seinem Arme an, näherte seinen Kops meinem Ohre so weit, daß ich seinen war­men Athem fühlte und flüsterte mir zu: „Schwerenoth, ich glaube es ist das Beste, wenn wir uns aus dem Staube machen; wozu nützt der ungleiche Kampf? Wir hätten uns gar nicht darauf einlassen sollen. Wenn es nur nicht schon zu spät zur Flucht ist! Sollen wir es noch versuchen, Du?" Schon bei den ersten Worten kam mir diese Stimme bekannt vor und gleich darauf über­zeugte ich mich, daß es die eines früheren Rechnungs- sührers meiner Compagnie war, welcher, obwohl ein sehr begabter Mensch, sich durch Trunk und Spiel so herun­ter gebracht hatte, daß er die ihm anvertrauten Gelder angriff, und durch mich dieses Vergehens überführt, aus sechs Jahre ins Zuchthaus kam. Meine Ueberraschung, unter solchen Umständen wieder mit ihm zusammenzntres- fen, war daher keineswegs ersreulich, da ich ihn als höchst wilden und rachsüchtigen Temperaments kannte. Um mich ihm jetzt nicht erkennen zu geben, beschränkte ich meine Antwort aus ein Unverständliches Gemurmel. „Ich weiß einen guten Ausweg", suhr er fort, „wenn auch das ganze Haus'umstellt —" in diesem Augenblicke erhob sich aus dem Korridor unter uns ein lebhaftes Gewehrfeuer, zu­gleich hörte man Geschrei und heftig dröhnende Axt! chläge. Der Sträfling neben mir hatte, wie ich, einen Augenblick gelauscht, dann raunte er mir mit erregter Stimme halb­laut zu: „Es ist die höchste Zeit, komm mit mir!" und dabei ergriff er mich unten am Arme, um mich in der Dunkelheit zu führen. Ich fühlte seinen Griff, aber auch zugleich unter seiner Hand den Druck eines Uuisormkuop- ses, den ich an meinem Aermel abzuschneiden vergessen hatte; in demselben Augenblicke stieß schon mein Gegner einen Wutbschrei aus und stach mit seinem Messer nach mir, streifte aber nur, da ich auswich, mit der Faust meine Schulter. Ehe er zu einem zweiten Stoße aus- holen konnte, schoß ich einen Lauf meines Revolvers aus ihn ab, riß mich loS und flüchtete aus das dämmerig von unten erhellte am Ende des Ganges zu, da ich fürch­ten mußte, daß der entstandene Tumult die Uebrigen sei­ner Spießgesellen herbeilocken werde. Verfolgt von mei­nem wüthenden Feinde, hatte ich nur noch eine der Seitenthüren zu passiren;' da öffnete sich dieselbe und eine der den Soldaten entrissenen Fackeln wurde durch

die Spalte vorgehalten, .um zu sehen, was es gäbe. Im Lichte derselben mußte mich mein Verfolger erkannt ha­ben, denn er stieß ganz nahe hinter mir ein infernalisches Gebrüll und die entsetzlichsten Verwünschungen aus — in großen Sprüngen wie ein Tiger, hatte er mich säst er­reicht, — da machte ich mit der Kraft der Verzweiflung einen letzten ungeheuern Satz über die Verrammelung in der Thür hinweg und sprang, die Fallthür hinter mir zu werfend, die nach unten führende Treppe hinab. Ich war gerettet! Man hatte mich bereis für ermordet gehalten.

(Fortsetzung folgt.)

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsamt Hersfeld.

Conrad Erbe von Heimboldshausen hat behufs Aus­wanderung nach Amerika um Entlassung aus den: Unter» thauenverbande nachgesucht.

Hersfeld, am 9. August 1864.

Kurfürstliches Landrathsamt. Auffarth.

Der Dicustknecht Justus Jäger von Wüstseld,

Peter Nicolaus Menz und

Martha Elisabeth Menz von Unterneurode haben, beide erstere um Entlassung aus dein Unterthanen- Verbande behufs Auswanderung nach Amerika, letztere um Ertheilung eines Reisepasses dorthin nachgesucht.

Hersseld, am 9! August 1864.

Kurfürstliches Landrathsamt. Aussarth.

Gefundene Gegenstände:

1) ein Regenschirm, 2) eine Wagenstütze, 3) eine Bin- dekctte und 4) ein Cigarren-Etui. Zugelaufen: ein Hund, dessen Eigenthümer sich bei dem Ortsvorstand in Tann zu melden hat.

Hersfeld, am 9. August 1864.

Kurfürstl. Landrathsamt. Aufsarth.

Landrathsamt Himfeld.

Auf Antrag der Eisenbahnverwaltung wird zur Ver­hütung von Unglückssällen das Betreten der Tunnel- Bau-Stellen unterhalb Burghaun ohne vorher eingeholte Erlaubniß des von Kurfürstlicher Direction für den Bäu der Bebra-Fulda-Hanauer Eisenbahn bestellten Tunnel- aufseherS oder des Bauunternehmers bei einer Straft von 1 bis 3 Thaler Geld oder entsprechendem Gefäng­niß hiermit untersagt.

Hünfeld, am 6. August 1864.

Kurfürstl. Landrathsamt. F. d. L. Heppe k. A.

In Folge des Eisenbahnbaues wird die von Burg­haun aus die Hersfelder Straße führende Haunbrücke