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Hers selber Anzeiger.

Mr. K4. Hersfeld/ den 10. August. 1884.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben Sei*' '^, der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hlr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Zwei Idjrßcäsidjß Nächte.

(Aus dem

Von y. V. Fri-crici.

„Jllustrirten Familien-Journal".)

(Fortsetzung.)

' II.

Wir gingen Zimmers, etwa wir uns bereits,

langsam vor; der Thür des brennenden

in der Mitte des Korridors, näherten

, sie war das erste Ziel, welches wir zu erreichen hatten; alle anderen Thüren waren bis jetzt verschlossen gewesen und hinter jeder derselben lauerte ein Hausen grimmiger Feinde; wir wußten es, aber wir muß­ten vorwärts und ihnen unsern Rücken frei geben; denn M Besetzung jeder einzelnen Thür hatte ich zn wenig Mannschaft. Von Zeit zu Zeit fiel ein Schuß von un« —lerer ^^te,. oder LUs demllDnukesi dem wir entgegen» gingen; eine Gasflamme hatte ich schon anzünden lassen können, wir hatten nur noch wenige Schritte bis zu dem ' erwähnten Eingänge — da tönte plötzlich ein gellender Pfiff.durchs Haus, und von allen Seiten stürzten die Sträflinge mit dem furchtbarsten Wuthgeschrei in solcher Masse aus uns ein, daß wir dem Andrange kaum zu wi­derstehen vermochten. Gleich anfangs wurden uns die Fackeln entrissen und nebst der Gasflamme ausgelöscht.

jetzt folgende Kampf im Finstern, nur durch hin und wieder aufblitzende Schüsse kurz erhellt, wurde von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. Meine peute hatten den Vortheil besserer Waffen, aber die Geg- ^en uns an Zahl bei weitem überlegen; wenn dies Uebergewlcht sich auch auf dem engen Raume nicht vollständig geltend machen konnte, so wurde es doch ba- durch nachtheilig, daß immer wieder frische Kräfte nach- wurden. Nach einiger Zeit sah ich ein, daß unsere Anstrengungen und Opfer ohne Erfolg sein wür- 'uchl einmal Freund von Feind zu unterscheiden, f Gebrauch der Waffen ein sehr beschränk- Tyitmbi wir einiges Terrain gewonnen hatten, daher dennoch mit meinen Leuten in der ueuen Angriff in geschlossener Linie mit ü^lalltem Baponnet zu machen. J

~»'ii}ienb ich meine Untergebenen hiervon in Kennt­

niß setzte, wurde ich plötzlich von einem riesigen Kerl an der Schulter gepackt und zu Boden gerissen. Er war, wie sich später herausstellte, mit einer eisernen Garn- spindel versehen und stieß damit nach meinem Kopfe, verfehlte jedoch in der Dunkelheit sein Ziel und verletzte mich nur leicht am Halft; ich schoß nun einen Lauf mei­nes Revolvers nach ihm ab und er stürzte getroffen quer über mich hin; von den, meine Leute eilig verfolgenden Züchtlingen stolperten mehre über nns, und als ich mich endlich aus dem Knäuel losgewnnden, befand ich mich allein auf dem dunklen Gange unter meinen ergrimmten Feinden. Ich war mit einer Mütze gekleidet und hatte schon vorher meine Epaulettes und meine Schärpe abge­legt, um in diesem Einzelnkampse für den Gegner nicht kenntlich zu sein. Jetzt schnitt ich auch noch rasch die blanken Knöpfe meiner Uniform ab, damit sie mich nicht durch den freilich nur schwachen Schimmer von Licht, welcher durch die Gangfenster herein fiel, verrathen soll­ten. Bewaffnet war ich nur mit einem leichten Stoß- degen und einem Revolver. So stellte ich mich mit klopfendem Herzen in die nächste Thür, ohne bis jetzt erkannt zn sein; es war zufällig die zu dem Zimmer, in welchem das Feuer angelegt war. Das von mir gelei­tete Commando schien in meiner Abwesenheit unschlüssig zu sein ; es geschah vorläufig nichts. Diese Minuten der Erwartung waren für mich entsetzlich. Mitten unter dem aufgeregten, wilden Gesindes konnte mir jeder Augenblick den Tod bringen. Dabei hörte ich die Flammen hinter mir dumpf brausen, die Balken und das übrige Holz­werk knackten in der Hitze, die Thür wurde gleichfalls immer heißer. Da hieß es plötzlich: „Die Soldaten kommen wieder!" und in wilder Hast suchte Alles, was sich aus dem Gange befand, Schutz in den Zimmern, ober wo sich sonst eine Zufluchtsstätte darbot. Ich hatte im ersten Augenblicke gehofft, durch diesen Umstand ge­rettet zu werden, da ich mich nun mit möglichster Schnel­ligkeit zu denMcinigen zurückbegeben wollte. Indeß ein Sträfling, welcher einer der Rädelsführer zu sein schien, verhinderte mich daran, indem er bis ganz zuletzt nahe bei mir auf dem Gange stehen blieb und dann neben mir in die Thürnische'trat. Er war mit einem langen Meper bewaffnet, heobachtete jedoch so aufmerksam die Unternehmungen seiner Gegner, daß ich ihn dennoch leicht