Einzelbild herunterladen
 

250 -

er dennoch wenig Deckung für die dahinter Kämpfenden, und schon nach wenigen Minuten befand er sich in unse­ren Händen. Damit war ein wichtiger Schritt geschehen, denn nun stand uns der Zugang zu allen Stockwerken offen. Nachdem die geretteten Osficiantcn in Sicherheit gebracht waren, beschloß ich, die mir übertragene weitere Eroberung des Hauses ohne Zögern zu beginnen, denn mittlerweile hatten die Züchtlinge das noch nicht ver­brannte Stroh und einen großen Vorrath Heede aus al­len Spinnstuben in ein Zimmer des ersten Geschosses getragen und wieder unter mehren Webstühlen angezün­det. Die Spritzen konnten hier ihre Schuldigkeit nicht thun, weil die auf den außen ans Haus gelehnten Lei­tern Stehenden nicht gegen die Schüsse, welche aus dem Hintergründe des Zimmers auf sie abgefeuert wurden, zu schützen waren.

Ich drang zunächst auf dem Gange des höchsten Stockwerks wor, da ich vermuthete, daß man dort keinen Angriff erwartete und ich daher nicht auf Widerstand stoßen würde. Meine Vermuthung bestätigte sich; mit zwei Fackelträgern und einigen Bewaffneten an meiner Seite, gefolgt von einer starken Abtheilung Soldaten, nahm ich von dem ganz, verlassenen Stockwerke Besitz. Da der Verschluß des Hauptgasrohres sich in der Woh­nung des Oberaussehers befand, so ließ ich alle mir er­reichbaren Flammen wieder anzünden.

Nun aber kam die Schwierigkeit der Aufgabe. Der Angriff auf das untere Stockwerk wurde von der in dem- selben befindlichen Vorrathskammer aus für schwerer ge­halten, als von der bereits eroberten obern Treppe. Wir stiegen daher auf der letzter» mit der größten Vorsicht zur zweiten Etage hinab; ich hatte dabei Sorge getragen, daß wir uns ganz im Dunkeln befanden; wir krochen be­hutsam dicht am Geländer hinunter, da sich in der Mitte der Treppenthür ein Fenster von dickem Glase befand, welches man eingeschlagen und nun mehre Flintenläufe hindurch gesteckt hatte. Obwohl ich gezwungen war, von oben in diese Oeffnung hineinfeuern zu lassen, um die drohenden Mündungen daraus zu entfernen, blieben die­selben auf uns gerichtet; es kam daher daraus an, unter jene Gewehre zu gelangen und dann mit einer Axt die Thür einzuschlagen. Bei der Annäherung wurde jedoch trotz aller Vorsicht Einer meiner Leute erschossen, und ich selbst am linken Arme leicht verwundet. Dazu kam daß voraussichtlich mit nur ungenügenden Kräften an der Erbrechung der Thür gearbeitet werden konnte; ich gab daher den Versuch, von hier aus vorzudringe», aus und beschloß, auch dies Stockwerk wie das obere von der Borrathskammer aus zu erobern. Ich zog mich daher zurück, ließ übrigens die Treppe oben besetzen.

Die Thür, welche das erwähnte Vorrathszimmer mit dem übrigen Hause verband, öffnete sich zum Unglück nach dem langen Gange, und da sie von der feindlichen Seite außer mittels schwerer Riegel, durch mehre davor geschobene Webstühle verschlossen war, so setzte sie uns einen außerordentlichen Widerstand entgegen. Es wurde

daher mit einer Axt ein Viereck aus dem Rahmen der Thür herausgehauen und die dahinter postirten Sträf­linge durch einige blinde Schüsse vertrieben.

Wir hörten jetzt deutlich das Saufen der Flammen und beeilten uns, die gewonnenen Erfolge zn vervoll­ständigen. Die außen vorgeschobenen Thürriegel wurden weggezoge», die Webstühle, so weit es möglich war, ab­gerückt und die Thür dann so weit geöffnet, daß sie aus den Angeln gehoben werden konnte, was mit Hülse eini­ger Zimmerleute bald gelang. Dabei schlugen einige Flintenkugeln in unser Gemach, ohne jedoch erheblichen Schaden anzurichten. Noch immer konnten wir unsere Gegner nicht sehen, da die zu dem brennenden Zimmer führende Thür verschlossen gehalten wurde, und daher das Haus vor uns im tiefsten Dunkel lag. Zwar kam auch uns die Finsterniß anfänglich zu Stätten, aber wir mußten doch schließlich den Schauplatz des Kampfes er­leuchten; es war nicht zu vermeiden, wenn wir eine rasche Entscheidung herbeiführen wollten I

So unheimlich die Situation war, es durste nicht gezaudert werden; ich suchte daher meine Leute zu er- muthigen und sprang dann mit einigen der Entschlossen­sten durch die Thür; jenseit warfen wir unS sofort znr Erde, und das rettete uns daS Leben, denn in demselben Augenblicke fuhren mehre Kugeln über uns in die Kalk­wand. Nachdem ich einige Schüsse aufs Gerathewohl aus dem Gange entlang feuern ließ, zogen sich sämmt­liche Züchtlinge in ihre Zimmer zurück, so daß ich wagen durfte, die Fackelträger und mehr Mannschaft Nachkom­men zu lassen.

(Fortsetzung folgt.)

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsamt Hersfeld.

Gesunden: ein Stück Leinentuch und eine Mütze. Die Eigenthümer können sich bei dem OrtSvorstand zu Sieglos melden.

Hersfeld, am 3. August 1864.

Kurfürstliches Landrathsamt. Aufsarth.

Die unter dem Rindvieh des Andreas Jacob zu Unterbaun ausgebrochene Lungenseuche ist erloschen und sind die diescrhalb getroffenen Sicherungsmaßregeln zu­rückgezogen worden, was hierdurch bekannt gemacht wird. Hersseld, am 5. August 18^4.

Kurfürst!. Landrathsamt. Aufsarth.

Landrathsamt Hünfeld.

Auf Antrag der betreffenden Grundeigenthümer und mit Zustimmung deS Bezirksrathes werden folgende Fuß­wege in der Gemarkung von Steinbach als abkömmlich find schädlich abgestellt: