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wurde, die Steinigen ihrem Schicksale zu überlassen, konnte ich doch vorläufig weiter nichts zu ihrer Sicher­heit thun, versprach aber, wenn es möglich und erforder­lich sei, militärischen Beistand zu senden und entfernte, mich dann eilig, denn schon rasselten die Trommeln „Al­larm" durch die Straßen, die schlummernden Bewohner der Stadt vom warmen Lager empor jagend und die Garnison in die Waffen rufend. Ich war einer der Ersten auf dem Allarmplatze und begab mich, da Gefahr im Verzüge war, sogleich nach dem nahegelegenen Hause des Commandanten, theilte demselben mit, was ich wahr­genommen und bat um Jnstructionen. Der etwas be­stürzte alte Herr ging sofort auf meinen Vorschlag ein, zunächst die Umfassungsmauer des Stockhauses mit Sol­daten zu umstellen. Weitere Verfügungen behielt er sich vor. Ich eilte sdrt, raffte die bereits auf dem Sammel­plätze eingetroffenen Mannschaften zusammen, stellte eine Postenkette rings um die Strafanstalt her aus, ließ die mir nachgesandten scharfen Patronen an diese Leute ver- theilen, ubergab dann die Aussicht des Cordons an mehre jüngere Vorgesetzte und meldete mich wieder beim Com­mandanten, welcher mittlerweile auch auf dem Platze er­schienen war, um den von der Anstalt eingetroffenen Be­richten gemäß, seine ferneren Maßregeln zu nehmen. Es waren nach Abzug der bereits verwendeten Leute noch etwa 50 Soldaten zur Verfügung geblieben, eine Stärke, welche dem zu erreichenden Zwecke kaum genügte, da das StockhauS offenbar völlig erobert werden mußte.

Daß dies zu erwarten war, ging aus dem Berichte eines Gefangenwärters hervor, welcher der wütbenden Rotte mit genauer Noth entkommen war. Zur größer» Verständlichkeit des Folgenden mag die Aussage dieses Mannes hier folgen; sie ist aus der spätern gerichtlichen Untersuchung vervollständigt.

„Ich besam in dieser Nacht die Wache auf dem Gange des ersten Stockwerks. Die Treppen, sowohl nach oben, wie nach unten, sind' sämmtlich durch verschließbare starke Thüren abgesperrt, deren Riegel jedoch meistens nicht vor­geschoben gerben, um die freie Communication der Wär­ter unter sich nicht zu hemmen. Von den Gefangenen sind durchschnittlich zwölf auf einem Zimmer und bei diesen befindet sich ein Wärter, für welchen in der Nähe der Thüre ein Raum durch ein eisernes Schutzgitter ab­gesperrt ist, den er jedoch nach Belieben verlassen kann. Alle Gänge und Zimmer sind durch Gasflammen er­leuchtet."

„Gegen Mitternacht glaubte ich mehrmals verdäch­tiges Geräusch im obern Stockwerke zu vernehmen, ein­mal kam es mir sogar vor, als hörte ich einen unter­drückten Schrei, aber wenn ich dann lauschte, war Alles, bis auf den brausenden Sturm draußen, wieder ruhig, so daß ich glaubte, mich getauscht zu haben. Während ich meine Wanderung auf und ab fortfe^e und mich ge­rade neben einer nach oben führenden Trcppenthür be­fand, knackte eine der dahinter befindlichen Stufen, ich legte mein Ohr an die Thür und lauschte — mein Blut

stockte und ich glaube, mir stiegen alle Haare in die Höhe, denn ich hörte hinter der Thüre.flüstern und ein Geräusch, als ob die Bewohner des obern Stockwerks sämmtlich auf Socken die Treppe Herabschlichen. Gleich- .zeitig schoß mir der Gedanke durch den Kopf, daß man auch auf der andern Seite mein Stillstehen gehört haben mußte; fast mechanisch packte ich den schweren Thürriegel und hatte ihn gerade vorgeschoben, als auch schon ein heftiger Stoß begleitet von infernalischem Wuthgeschrei gegen die Thür geführt wurde. Ich eilte so rasch mich meine Füße tragen wollten davon, und suchte durch laute Rufe die übrigen Wächter der Anstalt zu benachrichtigen, Sie lagen längst geknebelt und ihrer Waffen beraubt in den Zimmern; auf mein Geschrei öffneten sich von allen Seiten die Thüren, die Sträflinge stürzten daraus her­vor, banden mich und warfen mich neben der Wand nie­der. Ein Umstand aber rettete mich. Die Gefangenen hatten, in der Hoffnung, leistet zu entkommen, das Hauptrobr der Gasleitung geschlossen und dadurch sämmt­liche Gasflammen im Hause und auf dem Hofe mit ei­nem Schlage ausgc.öscht. In der Dunkelheit war ich im Stande, unbemerkt meine nur flüchtig angelegten Fes­seln zu lösen und mitten durch die nur auf ihre eigene Rettung bedachten Sträflinge hindurch eine Hinterthür zu erreichen, dann über den Hof und von da aus über die Mauer, mittels einer Leiter, die ich nachzoa, in einen benachbarten Garten zu entkommen, wo ich freilich von den Soldaten gefangen genommen, aber gleich darauf wieder entlassen wurde." ' So weit die Erzählung des Wärters.

Der Aufstaud der Gesangerien hatte mittlerweile eine bedenkliche Form angenommen. Wie ewähut, waren die­selben im Besitze der Schießwaffen und Patronen ihrer Aufseher, mit denen sie die fest verbarricadirten Zugänge zum Hause hartnäckig vertheidigten. Ihre Position war vom Dunkel der Nacht bedeckt; wir hatten daher gegen einen unsichtbaren Feind zu kampfeu, dem wir seinen Verlust beibringen konnten,1 während wir ihm nur mit der größten Lebensgefahr nahen dursten. So wurde denn" beschlossen, alle Truppen zur Einschließung der Festung zu verwenden und mit dem Angriffe bis zum Tagesanbruch zu warten. Der Hof der Anstalt ward schließlich von unserer Seite ganz geräumt, um das Le­ben unserer Leute nicht unnütz auf das Spiel zu setzen. Aber es kam anders, als wir dachten.

Es müssen hier diejenigen Ereignisse eingeschaltet werden, welche sich inzwischen innerhab des Hauses zuge-. tragen hatten und mir erst durch die spätere Untersuch­ung bekannt wurden.

(Fortsetzung folgt.)