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„WaS! Daran hätte ich fast nicht gedacht!" rief er. „Du kannst erster Classe fahren."

„Alles leer hier. Und unterwegs komme ich auch, und wir plaudern zusammen . . ."

Eben wollte ich einsteigen, als ich die hohe, breit­schulterige Gestalt von Simmers erblickte. Er stierte mich an und strich seinen langen Backenbart. Dann rannte er nach dem Zuge, welcher unmittelbar hinter dem unseligen hielt und sprang auf die Maschine

Ich setzte mich in den eleganten Waggon, der Con- ducteur warf die Thür zu und dahin brauste der Zug Lurch den Osten der Manhattanstadt. Kingsbridge, wo der Eastriver des Hudson sich abzweigt, war bald erreicht und donnernd, betäubend, schmetternd und klingend ver­folgte der Train seiyen Weg nach den Höhen, die der Hudson kühn durchbrochen hat. Der Conducteur kam in meinen Wagen.

„Das geht mit dem Teufel zu!" ■ rief er. „Denke Dir, wir haben hinter uns einen Zug — denselben, der erst eine halbe Stunde nach uns abfahren sollte. Sim­mers führt ihn! .Ward jemals eine solche Geschwindig­keit erhört! Der Kerl hat es daraus abgesehen,, uns zu überholen und zu Brei zu fahren."

Unsere Geschwindigkeit war entsetzlich. War dies eine Wette, oder was sonst? Wir hielten gar keine Sta­tion mehr; immer vorwärts und dabei läutete es und heulten die Signale unausgesetzt vorn am Zuge, während wir bei Krümmungen'der Bahn deutlich die uns verfol­gende Locomotive, mit einigen vier bis sechs Wagen hin­ter sich, wie ein mordgieriges Ungeheuer daher sausen sahen.

„Es befindet sich gewiss kein Mensch auf der zweiten Maschine!" rief der Führer. „Der Dampf ist losgesteu­ert und die fremde Maschine läuft, so lange das Feuer brennt, und das wird nicht lange dauern."

„Da! da!" sagte ich; denn ich hatte deutlich einen Menschen aus der Maschine gesehen. „Es ist Simmers."

Der Conducteur sah mich an. Wir brauchten keine Worte, um uns zu verstehen. Der Zug ging dicht neben dem Strome. Ich wäre aus der Thür'gesprungen; aber der Hudson trug eine starre Eisdecke. - Wir mußten aus­halten. — Jetzt war die herrliche Winterlandschast weiß; Schneemassen zeigten sich auf der Bahn.

„Wir sind verloren!" sagte der Conducteur. „Die­ser Höllenzug hinter uns überholt uns ganz gewiß in zehn Minuten. Wir müssen durch den Schnee wühlen und unser Feind findet glatte Bahn!

Der Hudson erweiterte sich. Drüben war Sing- Sing, das schreckliche Gefängniß mitten im Tappan Lake ... Da krachte es; ein furchtbarer Stoß warf uns von den'Sitzen und zerbrach den Waggon wie eine Papp­schachtel. Ich fühlte, daß ich tief in den Schnee ge­schmettert wurde. Lange dauerte es, bis ich mich empor arbeiten konnte ... Da stand unser Zug sest vor einem ungeheuren Schneewalle, während die zweite Locomotive durch den geführten Stoß entgleist, anf daS Eis des Stro­mes gerathen und versunken war. Zwei Wagen standen

neben dem Brückendamme aus dem Eise hervor. Von Sing- Sing herüber kamen rettende Mannschaften über das Eis gelaufen. Die wenigen Passagiere, -meist unver-- letzt, wurden hervorgezogen und zunächst die Telegraphir- batterien unseres Zuges mit den Drähten in Verbindung gebracht, um ferneres Unheil zu verhüten und Hülse her- beizuholen.

Dann ward nach den etwaigen Passagieren des zwei­ten Zuges gesucht. Der Zug war augenscheinlich völlig leer gewesen. Die Leiche meines Nebenbuhlers aber fand sich mit zerschmettertem Kopse lang aus der zerbrochenen Decke unseres letzten Waggons ausgestreckt. In seiner Brieftasche war ein Abschiedsbrief an Anna Colins.

Ich wünsche ein fröhliches HochzcitSfcst! so schloß der Brief. Der gräßliche Sinn dieser Worte erfüllte sich an dem Unglücklichen: denn ich führte acht Tage später Anna zum Altar.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrachsamt Hersfeld.

Diejenigen Ortsvorstände der Landgemeinden des Kreises Hersfeld, welche die 1863r Gemeinde-Rechnungen zurAbhörung noch nichr eingereicht haben, werden hieran mit dem Bemerken erinnert, daß, wenn deren Vorlage nicht spätestens bis zum 15. k. M. bewirkt wird, strafend gegen sie eingeschritten werden soll.

Hersfeld, am 29. Juni 1864.

Kurfürst!. Landrathsamt. Ausfart h.—

Für Christoph Hofmann von Frielingen ist behufs Auswanderung nach Amerika um Entlassung aus dem Kurhessischen Unterthanenverbande nachgesncht worden.

Hersfeld, am 25. Juni 1864.

Kurfürst!. Landrathsamt. Aufsarth.

Jacob Gast von Kohthausen hat behufs Niederlas­sung im Königreich Preußen um Entlassung auS dem Kurhessischen Unterthanenverbande nachgesucht.

Hersfeld, am 28. Juni 1864.

Kurfürstliches Landrathsamt. Au f s a r th.

Der Maschinenbauer George Kirms von hier hat behufs Niederlassung im Königreich Sachsen für sich und seine Familie um Entlassung auS dem Unterthanen -Ver­bände nachgesucht.

Hersfeld, am 28. Juni 1864.

Kurfürst!. Landrathsamt. Auffarth.

Am 27. d. Mts. ist auf dem Wege von hier nach Blankenheim eine aus schwarzem Leder bestehende Brief­tasche nebst den in derselben befindlichen Papieren, nemlich:

1) einen Legitimationsschein als Forst laufergehülfe, _j