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Hersfeld/ den 14. Mai. 1864*
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Dev Dopftettfel.
Novelle von Friedrich Friedrich.
(Aus dem „Jllustrirten Familien*Journal".)
. (Fortsetzung.)
DaS Verhältniß zwischen Heinrich und Georg war ein äußerlich freundliches; einem aufmerksamen Beobachter konnte es indeß nicht entgehen, daß sie sich wenig zu einander hmgezogen fühlten.
Je länger er aus dem Ackerhose war, um so unentbehrlicher wurde er. Georg, der zur Arbeit nie große Lust gehabt hatte und dessen größtes Vergnügen darin bestand, auf bem- Tanzboden den Herrn zn spielen, hatte durch eine Erkaltung beim Tanze seiner Gesundheit Scha- den zngesngt und kränkelte. Um so weniger bekümmerte er sich um die Arbeit und er hatte es auch nicht nöthig. Sein Vater überließ Alles Heinrich, aus den er sich verlassen konnte und der fast als Herr auf dem Hofe schaltete. . Sein eigenes Juterepe hatte er nicht im Geringsten dabei im Auge und das gewann ihm die Zuneigung des Ackerbauers mehr und mehr.
Auch die Bauern wurden mit der Zeit etwas freund lieber gegen ihn, als sie hörten, mit welcher Zuneigung der Ackerbauer stets von ihm sprach, und sie sahen, wie viel er anf dem Ackerhofe galt. Nur das Eine verdachten ihm Alle, daß, er mit Grete, deren Mutter nicht int besten Rufe stand, täglich verkehrte.
Heinrich kümmerte sich um all das Gerede nicht, dennoch trat ein Fall ein, der seine ganze Wildheit wieder wach rief. Unter den jungen Burschen des Dorfes hacke er viele Feinde. Die meisten ärgerten sich, daß der Ackerbauer' |o viel von ihm hielt und ihn als Herr aus seinem Hofe schalten ließ. Er blieb in ihren Augen immer nur der Dorftcufel.
Arglos schritt er eines Tages durch daS Dorf. Mehre Burschen standen vor einem Hofe und lachten laut und spottend über ihn, als sie ihn kommen sahen. Das Blut schoß ihm in die Wangen, dennoch beherrschte er sich und vorüber gehen. Da rief einer der-Burschen:
7 ¥ l^ou, die Grete ist soeben sammt ihrer Mut- r ?voi Gendarmen abgeholt, weil sie beide ge- . Ä&.’« ’” »k »--''--!-< im M.
Heinrich zuckte zusammen. Einen solchen Hohn durste er sich i^Kt gefallen lassen. Mit einem Satze sprang er hinzu und erfaßte den Burschen an der Brust. „Wer hat gestohlen lind ist ins Zuchthaus geführt?" rief er und schüttelte ihn heftig.
Vergebens suchte sich der Bursch von der kräftigen Hand, welche ihn gefaßt hielt, zu befreien.
„Die Grete und ihre Mutter", erwiederte er ängstlich stammelnd.
„Du lügst!" rief Heinrich in heftigster Aufregung und wollte ihn an die Erde schleudern, als ein älterer Bauer hinzu trat und bestätigte, er selbst habe gesehen daß beide durch die Gendarmen fortgeführt seien.
Heinrichs Arme sanken kraftlos herab, das Blut wich aus seinen Wangen und einen Augenblick stand er, regungslos wie versteinert da, dann raffte er sich gewaltsam zusammen und stürzte, ohne ein Wort zu erwiedern - fort zu dem Hause, in welchem Grete wohnte.
Die ganze frühere Wildheit, welche noch nicht auS seiner Brust geschwunden war, sondern nur darin geschlummert hatte, war mit einem Male wieder wach gerufen. Tolle, ungestüme Gedanken durchschossen seinen Kopf. Mit Gewalt wollte er die Gendarmen zurücktrei- ben, niederschlagen einen Jeden, der an das geliebte Mädchen die Hand zn leger wagen sollte. Es mußte ja erlogen sein, Alles, was er gehört hatte. Zu lange kannte er Grete, um glauben zu können, daß sie einer solchen That fähig sei,
Als er endlich bei dem Hause anlangte, die Thür unverschlossen fand, als er vergebens das Haus durchsuchte, vergebens Gretes Namen laut rief, da begannen seine Sinne zu schwinden und an dem Thürpfosten hielt er sich fest, um nicht umzustnkcu.
Und wenn dennoch Alles wahr wäre? Seine Grete — er vermochte den Gedanken nicht auszudenken. Nein — es konnte nicht sein, es sollte auch nicht sein! Alle Kräfte raffte er zusammen, um mit Gewalt sich gegen diese Möglichkeit anzustemmen — er sah dadurch nur ein, wie schwach er war. Nicht die kleinste That konnte er ungeschehen machen.
Erschöpft warf er sich auf einen Stuhl. Eine Frau trat ein und erzählte ihm, was geschehen war. Unerwar, tet waren die beiden Gendarmen gekommen, halten das