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Auch sie waren überzeugt, daß er nicht mehr am Leben sei. Sie vermutheten, daß er entweder in eine Schlucht hinabgestürzt sei, oder daß ihn der Tod in irgend einem Versteck zwischen den Felsen, wohin er sich geflüchtet, ereilt habe.
Mit starrem Blicke börte Grete sie an, oder beantwortete ihre Fragen. Sie hatte so viel geweint, daß ihr Auge keine Thräne mehr hatte. Das preßte ihr das Herz noch mehr zusammen. Nur den.einen Gedanken hatte sie zuletzt noch, seinen Leichnam aufzusuchen, damit er in der Erde bestattet werde.
Ganze Tage kletterte sie zu dem Zwecke zwischen den Bergen und Felsen umher. Mehr als einmal kam sie in der Nähe der Bergförsterei vorüber, sie sah das Haus liegen, ohne zu ahnen, daß Der, an dem ihr Herz so fest und treu hing, unter dessen Dache weilte. All ihr Rufen blieb vergeblich.
Ihre Wangen waren bleich geworden und eingefallen, die ganze Frische ihrer jugendlichen Gestalt war ge- schwunden, selbst ihr Auge hatte einen starren, kalten Ausdruck erhalten, denn Stunden lang konnte sie regungslos dasitzen und vor sich aus die Erde blicken.
Währenddem lag Heinrich hoch oben in der Bergförsterei Tage lang ohne Besinnung. Der Arzt aus der Stadt hatte die Kugel zwar glücklich aus der Wunde herausgeholt, aber wenig Zuversicht gehabt, daß er das Leben des Verwundeten erhalten könne. Dessen kräftiger Körper schien zwar viel ertragen zu können, er ließ aber auch das Fieber doppelt heftig auftreten.
9iur der Förster gab die Hoffnung nicht so schnell aus. Er hatte zu viele Erfahrungen gemacht bei Menschen und Thieren, daß man das Leben nicht aufgeben dürfe, so lauge noch ein schwacher Pulsschlag im Körper bemerkbar sei. Unverdrossen saß er während der ersten Tage und Nächte an Heinrichs Lager, um ihn streng nach des Arztes Vorschriften zu behandeln.
Er fühlte Mitleid mit ihm, weil er wußte, daß er ganz allein in der Welt dastand, und Mancher sich freuen würde, wenn er nie wieder sein Haus verließe. Er selbst war in seiner Jugend wild und ungestüm gewesen, weil er Niemand gehabt, an den er sich hatte amchließen können. Er wußte, was die Verhältnisse aus dem Menschen zu machen vermögen. Wen das Leben schon so früh mit rauher Hand angreift, der unterliegt entweder oder stemmt mit allen Kräften sich dagegen an. Er setzt Rauheit gegen Rauheit, Kampf gegen Kampf. Was vielleicht nur Wenige an ihm verschuldet haben sucht er an Allen zu rächen, denn die ganze in ihm wohnende Kraft ist nur nach der einen Seite hin ausgebildet und herauögesor- dert, und mit Gewalt sucht er zu ertrotzen, was ihm aus friedlichem, ruhigem Wege noch weniger entgangen sein würde. —
Der Ackerbauer sprach mehre Male in der Berg- försterei vor, um nach Heinrich zu fragen, allein noch immer war dessen Leben nicht gesichert. Seiner eigenen Sicherheit wegen hatte er streng verschwiegen, was er
für den Verwundeten gethan, selbst dem eigenen Sohne hatte er nichts darüber gesagt. Wurde Heinrich wieder hergestellt, so war er fest entschlossen, für ihn zu sorgen, denn die Rettung seines Sohnes hatte er ihm nicht vergessen.
Immer noch war es unentschieden, ob Heinrichs Leben gerettet würde. Der Arzt, welcher fast täglich kam, hatte wenig Vertrauen, nur der Förster ließ sich in seiner festen Hoffnung nicht beirren.
Der Tag der Krisis für Heinrich kam. Der Förster saß an dem Bette. Der Arzt, welcher an diesem Tage nicht kommen konnte, hatte ihn mit Jnstrnctionen versehen. Noch einmal trat das Fieber mit größter Stärke auf, erst nach Mitternacht ließ es nach, und der Kranke verfiel in einen ruhigen Schlaf. Er war gerettet, und jetzt überließ sich der Förster selbst der Rübe.
(Fortsetzung folgt.)
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Amtliche Bekanntmachungen.
Landrathsamt Hersfeld.
Der Schneider Johannes Führer von Hersa hat um Ertheilung eines Reisepasses nach Amerika nachgesucht.
Hersseld, am 21. April 1864.
Kursürstl. Landrathsamt. AuffartH.
Der Maurer Jacob Schleifer aus Gittersdorf, 26 Jahre alt, welcher unterm 16. d. M. von hier in seine Heimath gewiesen geworden, ist daselbst bis jetzt nicht eingetroffen und treibt sich wahrscheinlich bettelnd umher, weshalb alle betreffenden Behörden ersucht werden, den .2C. Schleifer im Betretungsfalle zu verhaften und durch die Gendarmerie-Verbindung anher abliefern zu lassen.
Hersseld, am 22. April 1864.
Kursürstl. Landrathsamt. Ausfarth.
Der mittelst Zwaugspasses des Landrathsamts Zie« genhain vom 11. d Mts. in seine Heimath gewiesene Drechslergeselle Andreas Sauerwein aus Wipperöhain ist bis jetzt daselbst noch nicht eingetroffen und treibt sich wahrscheinlich vagircnd umher, weshalb alle Polizeibehörden ersucht werden, denselben im Betretungsfalle verhaften und anher abliefern zu lassen.
Hersseld, am 21. April t 864.
Kursürstl. Landrathsamt. Aufsarth.
Signalement des rc Sauerwein.
Alter 32 Jahre, Größe 5' 3", Haare blond, Stirn flach, Augenbrauen blond, Augen grau, Nase gebogen, Mund klein, Zähne gut, Bart blond, Kinn länglich, Gesicht länglich, Farbe gesund, Statur schlank Bes. Kennz 0.
Landrathsamt Hünfcld.
Der Bergarbeiter Joseph Carl Jüngst aus Großen-