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^ersfesher Anzeiger.

Ne. Z3. Hersfeld, den 23. April. 18G4.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hlr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Pedellen bei der Ober-Zoll-Direction Heinrich Kaiser zu Kassel zum Pedellen bei der Ober-Bau- Commisston und dem Lehenhof zu bestellen;

den Pedellen Heinrich Wissenbach von der Di- rection der Hanpt-Staatskasse zur Ober-Zoll- Dirce- tion und dagegen

den Pedellen bei der Ober-Bau-Commission und dem Lehenhofe Kaspar Wilhelm Kürschner zur Direction der Haupt-Staatskasse in gleicher Eigen­schaft zu versetzen.

DeV DoefterrfeL.

Novelle von Friedrich Friedrich.

(Aus dem „Jllustrirten Familien-Journal".)

(Fortsetzung.)

In einem Erkerstübchen wurde für Heinrich ein La­ger bereitet, denn Ruhe schien ihm am meisten Noth zu thun. Dann untersuchte der Förster die Wunde. Er schien sie nicht so leicht zu nehmen.

„Ans Leben wird eS Dir wohl nicht gehen", sprach er zu Heinrich, der die Worte kaum noch verstand, denn allmälig fingen seine Sinne an zu schwinden. Die über­mäßige' Anstrengung, der Blutverlust und die Aufregung hatten seine letzten'Kräfte aufgezehrt. „Aber Ruhe und Geduld mußt Du haben Die Umgebung der Wunde ist schon angeschwollen und entzündet, das darf nicht schlimmer werden, sonst sieht es böS aus. Nur nicht ängstlich. Ich sage die Wahrheit offen heraus, weil Du sie wohl vertragen können wirst, und wer einen solchen Körper hat wie Du, der kann mehr ertragen als ein anderes Heuschenkind."

n Er holte Wasser um die Wunde durch kalte Um­schläge zu kühlen und der Steigerung der Entzündung entgegenzuwirken.

Der Ackerbauer begab sich sofort zur Stadt, um ohne Aufenthalt einen Arzt zu schicken und sogleich das Nöthige mit ihm zu besprechen, denn es durfte Niemand etwas davon erfahren.

Heinrich nahm von dem Allen nichts mehr wahr. Seine Stirn glühte, die Brust holte schwer Athem krampfhaft zuckten die Hände, und die Lippen waren fest, aufeinander gepreßt. Wohl hatte er die Augen geschlos­sen, allein er schlief nicht. Heftiges Wundfieber hatte sich eingestellt und die Besinnung war ihm gefchwnnden.

Mit namenlosex Angst hatte Grete nach Heinrichs schnellem, ungestümen Forteilen die Nacht durchwacht und den nächsten Tag erwartet. Sie sah am Morgen die Grenzwächter und Gendarmen erfolglos heimkehreu, und schon wollte sie leichter und freier ausathmen,. als sie erfuhr, daß einer der Pascher, ihr Führer, durch einen Schnß schwer verwundet sei. Man habe ihn zwar nicht aufgefunden, allein einer der Gendarmen sei noch zurück­geblieben, um ihn auszusuchen.

Sie hatte Mühe, ihren Schreck zu verbergen: Kci- uen Augenblick zweifelte sie, daß Heinrich der Verwun­dete sei. Ob er entkommen, ob die Wunde gefährlich war? Ob er vielleicht noch hülflos in den Bergen in einem Versteck zwischen den Felsen lag oder irgendwo in einer Hütte mit dem Tode rang? Vielleicht war er scholl nicht mehr am Leben.

- Diese Fragen, diese quälenden Gedanken fuhren un­gestüm durch ihren Kopf hin, ohne daß sie im Stande gewesen wäre, sich nur eine einzige Antwort darauf zu geben ?

Am Mittag erschien auch der Gendarm, welcher Hein­rich verwundet hatte, mit dem ihm abgenommenen Waa- renbaüen im Dorfe und erzählte, daß er den Ballen oben zwischen den Felsen gefunden habe, hart an einem Ab­hänge. Entweder habe der Verwundete ihn von sich ge­worfen, um leichter und schneller entfliehen zu können, oder er sei selbst den Felsen hinab in die Schlucht gestürzt.

Grete verging fast vor Angst. Vergebens wartete sie von einem Tage zum andern in der Hoffnung, Nach­richt von Heinrich zu erhalten, vergebens hoffte sie, ihn selbst wiederkehren zu sehen. Sogar einige der Männer, welche in jener Nacht bei ihm gewesen waren, kamen heimlich in ibr HauS, um Nachforschungen über ihn an- zustellen, denn Keiner hatte ihn gesehen, oder etwas wie- der von ihm gehört.