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gersfesher Anzeiger.

Rv. 30* Hersfeld/ den 13. April. 1864+

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hlr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Doxsteufer.

Novelle von Friedrich Friedrich.

(Aus dem „Jllnstrirten Familien-Journal".)

(Fortsetzung.)

_ Ein Geräusch wie von dem Anschlägen an einen Felsen war seinem scharfen Ohr aufgefallen. Nur er al­lein hatte es vernommen, und vertraut mit allen Tönen der Nacht, wußte er, daß dasselbe von Menschen kommen mnßte. Er lauschte mit angehaltenem Athem — Alles blieb still. Schon trieben seine Gefährten zum Weiter­geben — befehlend wies er sie zurück, da ertönte hinter ihnen ein leiser Pfiss und kaum eine Secunde später wurde derselbe vor ihnen in derselben Weise beantwortet.

„Wir sind verrathen und verloren!" riefen mehre Männer gleichzeitig und wollten ihre Bürden von sich werfen, nm desto ungehinderter fliehen zu können.

„Ruhig!" herrschte Heinrich ihnen mit gedämpfter Stimme zu. „Ihr seid verloren, wenn Ihr Euch selbst verrathet.' Nicht Einer wirft die Waaren fort. Nichts sollen sie finden, folgt mir!"

Mit größter Eile schritt er weiter. Die Nähe der Gefahr hatte seine Ruhe nicht im geringsten beeinträch­tigt, sie schien im Gegentheil sein Gehör noch verschärft zu haben. Kaum fünfzig Schritt von ihm entfernt ver­nahm er Stimmen. Er durfte auf dem Wege nickt wei­ter eilen. ,

„Still — still!" rief er leise zurück. „Folgt mir!" Er bog von dem Pfade ab und kletterte zwischen den Felsen den Berg noch weiter hinauf. Die Angst verlieh den Männern Kräfte; dicht auf dem Fuße folgten sie ihm. Eine zeitlaug eilten sie ungestört weiter, in wenigen Augenblicken mußten sie einen bequemen Weg erreicht haben; da trat ihnen plötzlich hinter einem Felsen eine Gestalt entgegen und rief ihnen ein lautes „Halt" entgegen

Furchtlos eilte Heinrich ihr entgegen. Es galt die Freiheit, vielleicht das Leben. Ehe er den Mann indeß ttreichte, blitzte ein Gewehr auf, und laut hallte ein Schuß in den Bergen wieder.

«um rankte. Mit aller Kraft hielt er sich an einem Helfen.

„Dort links hinab — eilt — eilt!" rief er seinen Gefährten zu Dann raffte er sich selbst zusammen und stürzte sich auf den Gendarmen, der kaum noch zlvei Schritte von ihm entfernt stand. Mit letzter, Kraft er­faßte er ihn und schleuderte ihn gewaltsam zu Boden. Regungslos, ohne Besinnung blieb der Gendarm liegen. Nun eilte er selbst seinen Gefährten nach, die bereits ei­nen Vorsprung vor ihm gewonnen hatten. Sie wußten, daß er verwundet war, und dennoch blieb Keiner von ihnen zurück, um ihm beizustehen. Nur auf die eigene Rettung waren sie. bedacht.

Ein schmerzvolles, hitteres Lächeln zuckte um seinen Mund. Er würde sein Leben für einen Jeden von ih- ner gelassen haben, und sie Alle ließen ihn feige im Stiche. Nicht Einer blieb stehen, um ihn zn erwarten. Noch sah er ihre Gestalten in dem bereits dämmernden Morgen­lichte an dem Berge emporcilen, er konnte sie noch er- rusen — er that es nicht, lieber blickte er dem Tode ins Auge — er war ja nur der Dorfteufel.

Aus einem Felsbiocke ruhte er aus. Der Gedanke stieg in ihm auf, sich ohne Kampf den Grenzwächtern gefangen zu geben. Dann war ja Alles vorbei, was ihm in der letzten Zeit so viele bittere Stunden bereitet; da erwachte die Lust zum Leben und zur Freiheit aufs Neue in ihm. Er wollte frei bleiben.

Wieder raffte er sich zusammen und schleppte sich mühsam weiter. Die Wunde, welche ihm in der Brust durch die Kugel beigebracht war, hatte er in der Aufreg­ung kaum beachtet, auch jetzt empfand er den Schmerz kaum; aber mehr und mehr fühlte er seine Kräfte durch den Blutverlust schwinden. Er hatte ein Tuch auf die Brust gepreßt, die Wunde blutete trotzdem.

Den Waarenbaaen vermochte er kaum noch zw tra­gen, und doch wollte er ihn nicht im Stiche lassen. Es sollte ihm Niemand nachsagen, daß er denselben feig von sich geworfen habe, um sich zu retten.

Weiter und weiter schleppte er sich zwischen den Fel­sen, einem sichern Versteck eilte er zu, ehe er dasselbe indeß erreichte, sank. er kraftlos und besinnungslos zu­sammen

Der Tag war hereingebrochen. Die Schmuggler waren sämmtlich glücklich entkommen; die Grenzwächter und Gendarmen hatten sie vergebens verfolgt. Zu sicher