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Hersfesder Anzeiger.

MV. ^* Hersfeld/ den 9. März. L8K4.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und bie Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Controleur bei der Kurfürstlichen Hofkasse, Carl Heinrich Otto zu Kassel, zum ReUtmeister der Meuterei II. zu Ziegenhain und

die Revisoratsgehülfeu Julius Plitt und Konrad Stephan Felix Eduard ©simpel zu Kassel zu Steuer­revisoren bei dem Oberstcuercollegium provisorisch zu ernennen, sowie.

den Hoflakai Johann Balthasar Kurz zu Kassel zum Expeditiousgehülscn aus dem dasigeu Bahnhöfe auf Widerruf und

den Bremser bei der Main - Weser - Bahn Wilhelm Hildebrand zu Kassel zum Kanzlisten bei der Direc- tiou für den Bau der Bebra-Fulda- Hanauer Eisen­bahn austragsweise zu bestellen.

Des ®s astest sei,

Novelle von Friedrich Friedrich.

(Aus dem „Jllustrirten Familien-Journal".)

(Fortsetzung.)

„Ich weiß es!" erwiederte Grete. „Ich habe Dich immer in Schutz genommen, wenn Dir Unrecht geschah, aber das Geld, das Du jetzt verdienst, ist kein ehrlich erworbenes. Du wirst Dich auf diesem Wege noch selbst ins Unglück stürzen."

„Und wenn ich es thue, so wird mich zum wenigsten Niemand bedauern!" rief Heinrich, indem er das Mäd­chen vor ihm bei diesen Worten forschend and tickte. „Ich weiß, daß ich gegen das Gesetz handle", fuhr er ruhiger fort, „aber bis jetzt habe ich auch kein Gesetz, kennen gelernt, das mich gegen das vielfache Unrecht, das mir widerfahren ist, geschützt hatte. Die Grenzsteuerwächter wissen, daß ich zu den Paschern gehöre — sie passen mir auf — haha! Sie können lange nach mir suchen; es macht mir Spaß, sie an der Nase herumzuführen. Mit allen Menschen möchte ich es so machen! Sieh, Grete, ich glaube dann würde es ruhiger und stiller in mir

werden. Noch ist mir außer Dir und Deiner Mutter kein Mensch mit Güte entgegengekommen — ich hasse deshalb alle!"

Grete schwieg. Oft hatte sie darüber nachgedacht A K und konnte ihm nicht Unrecht geben. Er trug nicht al-/^ lcin die Schuld von seinem wilden, heftigen Wesen. / °

„Und nur deshalb hast Du das Geld nicht nehmen'. wollen?" fragte Heinrich noch ein Mal. ' '

„Ja, deshalb nicht", gab das Mädchen zur Antwort. X,. - „Und auch jetzt würdest Du es nicht nehmen?" fragte er weiter.

Sie kämpfte mit der Antwort. Als er indeß seine Frage noch ein Mal wiederholte, erwiederte sie fest:

„So bist Du auch nichts anders als sie Alle!" rief er heftig und schritt aus die Thür zu, um das Zimmer zu verlassen.

Grete richtete sich empor. Mit angstvollem Blicke schaute sie aus ihn, Blässe und Nöthe wechselten auf ih­ren Wangen, in ihrer Brnst stürmte es. Sie rang mit einem Entschlüsse und konnte nicht Herr über denselben werden. Schon sah sie Heinrich die Hand aus das Thür­schloß legen, da rief mit gepreßter Stimme: „Heinrich!"

Er blieb stehen und wandte sich um.

„Was soll ich?" fragte er kurz.

,Deiu jetziges Leben ausgeben", gab sie zur Ant­wort, indem sie an ihn heran trat und bittend das Auge aus ihn richtete. „ES kann zu nichts Gutem führen, Heinrich! Eine Zeit lang magst Du vielleicht dem Ge­setze trotzen, lange kannst Du es nicht. Du wirst un­terliegen," wirst den Grenzwächtern in die Hände fallen, wie eS noch fast Allen ergangen ist, die dasselbe Geschäft betrieben haben. Ich sehe voraus, daß sie Dich ins Ge­fängniß führen, und dann werden Alle, welche Dir feind sind, jubeln "

Ihre Stimme bcbte, noch nie hatte sie so bittend zu ihm gesprochen. Ihre Worte machten ihn stutzen und einen Augenblick schien es, als ob der Eindruck, den sie ausübten, seinen Trotz überwältigen würde.

„Sie mögen es thun", sprach er. „Zuvor will ich ihnen zeigen, daß ich eben so viel bin, wie sie. Es hat mich niedergedrückt, so lange ich arm war und fast wie ein Bettler'einhergehen mußte; jetzt habe ich Geld, nun