^ersfesher Anzeiger.
NV. F. Hersfeld/den 23. Januar. 1864*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Hosgarten-Director Wilhelm Hentze zu Kassel zu pcusioniren.
Der Braeosn.
Ein Erlebniß in Louisiana.
(Fortsetzung)
Eines Tages erschien Daly, einer der beiden Aufseher, auf der Veranda, wo Lafitte gerade Gäste empfing, und meldete, daß bei der Banmwollenpresse so eben ein Maulthier, das nicht recht angespannt gewesen sei, das Bein gebrochen habe. Wüthend fragte der Pflanzer nach dem Namen des Schuldigen, und als er hörte, daß eö Schocko sei, befahl er, ihn auf daS grausamste zu geißeln. Dem Unglücklichen wurden beide Daumen mit einem dünnen Strick zusammengebunden, und dieser dann über einen etwa acht Fuß hoch in einen Baum eingeschlagenen Nagel so fest au,gezogen, daß nur die Zehen des Negers den Boden berührten. In dieser qualvollen Stellung erhielt derselbe auf ^n bloßen Rücken mit der schweren Peitsche so lange die unbarmherzigsten Hiebe, bis das Leben fast erloschen schien und der Rasen um seine Füße förmlich mit Blut getränkt war. Dann wurde er losge- hunden und.bewußtlos in die Calebuse (Negergefängniß) ' geschleppt,' wo er acht Tage lang bei Wasser und Brod zubringen sollte, bis feine Wunden wieder geheilt seien. Wäre "doch dieses sein härtestes Loos gewesen! Vielleicht hätte Schocko bei seinem angeboren Stoicismus die ungerechte Strafe verschmerzt, aber eS sollte anders kommen und der unglückliche Neger eine weitere Erfahrung machen, die seine Begriffe von Recht und Unrecht völlig verwirrte und ihm den Rachedurst des Tigers einflößte, dem man seine Jungen geraubt.
Es traf sich nämlich, daß ein Sclavcuhändler aus Georgia in die Gegend kam, um seinen Vorrath von schwarzer Waare zu vervollständigen, da er den Auftrag hatte, eine neuangelegte Baumwollenpflanzung bei Sa- vanuah mit Negern zu versehen. Dieser sprach bei La
fitte vor, weil er schon öfter mit ihm Geschäfte gemacht und der Pflanzer, der durch die Aufhetzereien der Aufseher einen immer größeren Zorn gegen Schocko gefaßt hatte, kam auf den unmenschlichen Gedanke, Dinah, dessen Frau, und die beiden Kinder an den Georgier zu verkaufen. „Was wird der verdammte Nigger für ein Gesicht schneiden," dachte er mit teuflischer Lust, „wenn er, sobald er aus der Calebuse kommt, erfährt, daß sein schwarzes Weib mit den beiden Piccaninnys (kleine Ne- gerkiiider) über alle Berge ist." Der Handel wurde geschlossen, und die unglückliche Frau konnte nicht einmal die Erlaubniß erhalten, ihren Mann noch zum Abschied im Gefängniß zu sehen.
Wer könnte wohl die Gefühle malen, welche Schocko's Brust durchtobten, als er mit kaum vernarbtem Rücken und schwerem Herzen den Kerker verließ unV nun die Entdeckung machen mußte, daß seine Familie ihm für immer entrissen war! Doch der kategorische Befehl des Pflanzers und die drohende Peitsche seines Feindes Daly ließ ihm keine Zeit, seinen Empfindungen durch Klagen und Weinen Luft zu machen. Sofort mußte er wieder an die Banmwollenpresse. Dort suchte er von seinen Mitsclaven zu erfahren, nach welchem Orte Dinah mit den Kindern gebracht sei, da er sich im Geiste bereits mit Plänen zur Flucht beschäftigte, allein jene konnten ihm nichts weiter mittheilen, als daß der Händler weit weit mit ihnen über den großen Fluß —sie meinten den Mississippi — gezogen sei. Seinen Herrn und die Aufseher wagte er aus leicht begreiflichen Gründen nicht zu befragen, und so kehrte er am späten Abend traurig und niedergedrückt zu seiner Hütte zurück, um sich schlaflos auf seinem Lager herumzuwälzon. Plötzlich richtete er sich auf und nachdem er gehorcht hatte, ob im Negerdorfe Alles ruhig sei, schlich er wie ein Schatten durch die Nacht.
Am Fuße einer dicht bewachsenen Anhöhe, welche von der Hügelkette, die die Baratariabai balbmondsörmig umgiebt, in die Ebene nach der Lagune und den Bayon zu ausläuft, lag unter Palmettobäumen versteckt die Hütte der alten Urrica. Die Greisin, aus deren schneeweißem wolligem Haar die blaue Flamme des RicinuSholzes unheimliche Reflexe hervorief, saß auf einem rohen Holzblock und stierte, finstere Flüche, wie sie dieselben vor