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5 e r s f r s h e r Anzeiger.

w^ £♦ Hersfeld/ den 12. Januar. - 1^64*

Der „Hersselder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben be der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal.7^ Sgr.Zbci den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei WiedcrholuugM mit 6 Heller berechnet. - !

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht.:

dem Finanzminister von Dehn-Rotfclser das Kommandenrkreuz zweiter Klasse und dem Vorstand des Justizministeriums, Staatsrath Pfeiffer, das Ritterkreuz dcö Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen;

den mit der Stelle des Regierungs - Directors zu Kassel beauftragten Geheimen Regierungsrath Carl von Benning zum Direetor der Regierung daselbst zu ernennen;

den außerordentlichen Pfarrer Ernst v. Lorentz auS Kassel zum ordentlichen Lehrer am Schullchrcr- Seminar zu Schlächtern provisorisch zu bestellen;

die erledigte zweite Pfarrstelle an der Altstädter Gemeinde zu Kassel dem zweiten evangelischen Pfar­rer Dr. Friedrich Eduard Claus zu Fulda, und

die erledigte Pfarrei Bischhausen, in der Klasse Borken, dem Pfarrer Georg Hermann Carl Kulen- kamp zn Obcrmöllcrich zu übertragen;

den Obergerichtsanwalt Georg Arnold in Kassel zum Staarsanwalt für den Bezirk des Obergerichts in Fulda zu bestellen und

den Kanzlisten Johannes Kraut vomObergericht zu Fulda in gleicher Eigenschaft zum Oberappella- tionSgericht zn versetzen.

Das Dann? wirk.

Rendsburg, 8. Januar 1864.

Ich kehre eben von einem Ausfluge nach Schleswig zurück, wo der König von Dänemark mit dem Kronprin­zen gestern eingetroffen ist. Gegen meine Erwartung machte man mir weder aus der Grenze noch später in der Stadt Schleswig die geringste Schwierigkeit. Da ich nicht im Besitze eines Paffes war, hatte ich, zur Ver­meidung aller Weitläufigkeiten und um möglichst viel zu sehen mich einem Engländer als Diener angeschlossen. Wir nahmen in Rendsburg Extrapost und fuhren auf der gewöhnlichen Landstraße nach der Stadt Schleswig. Einmal jenseits der Grenze, wo man uns weder nach

Pässen noch steuerbaren Gütern fragte, ja nicht einmal anhielt, schien es überflüssig, die unbequeme Maske bei* zu behalten und den ehrlichen Namen Sam Bligh seinem rechtmäßigen Besitzer weiter zn entlehnen. Ich sah nur wenig dänische Soldaten aus der Straße, hin und wie­der sprengte ein Ordonnanz - Dragoner vorbei, und vor den Thüren der Pserdeställe bemerkte man Schmiede, die mit dem Schärfen von Hufen beschäftigt waren. Der Frost hat die Dänen so überrascht, daß die Mehrzahl ihrer Artilleriepserde und die ganze Kavallerie augenblick­lich schlecht beschlagen ist und nur mit Gefahr und Mühe sich rühren kann.' Der Frost ist allerdings^ ein böser Feind für die Dänen. Die Schlei ist schon mit Eis und Schlittschuhläufern bedeckt, und wenn der Krieg mor­gen ausbricht, so ist das ganze Dannewirk umsonst er­baut und befestigt. Die deutschen Truppen überschreiten dann die Schlei, und in der Flanke bedroht, bliebe den Dänen nichts übrig, als ein schleuniger Rückzug, mit Hinterlassung aller schweren Geschütze. Wohl begreift man daher, weshalb die SchleSwiger Bürger vergnügte Gesichter machen und heimliche Gesundheit auf den Kö­nig Frost ausbringen, den Schutzpatron, von welchem sie die Sicherheit und die Freiheit ihrer Stadt am ehesten zu erwarten haben. Es war Abend geworden, als wir in die Stadt einfuhren. Die Straßen waren gedrängt voll von den dänischen Soldaten; man sagte uns, jedes Haus hätte bis zu 20 Mann im Quartier. ES stehen im Ganzen 10,000 Mann in der Stadt. Die Gasthöfe waren natürlich von den Officieren in Beschlag genom­men und schon glaubten wir uns in der nach einer küh­len Fahrt wenig angenehmen Lage, auf Betten verzichten zu müssen, als sich die gefälligen Töchter eines braven WirthS erboten, zu unsern Gunsten auf ihre Kammer zu verzichten. Die dänischen Officiere in der Gaststube sa­hen uns Anfangs scheel an; allein da sie uns englisch reden hörten, wurden sie bald rücksichtsvoller. Von der hochsahrenden Verachtung, mit welcher sie die armen Deutschen in Schleswig behandeln, sah ich einPröbchen. Der Kellner brächte einem dieser Herren, der eben be­zahlt hatte, beim Herausgeben zwei preußische Thaler. Höhnisch schob sie der Däne zurück. „Das Schandgeld nehme ich nicht!" setzte er hinzu. Was hätte ich nicht darum gegeben, wenn ein preußischer Osficicr zugegen