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Wenn wiederum ein Jahr auf raschen Schwingen Dahingeflohn und über seiner Gruft Die Glocken mahnend an die Herzen dringen, Wie Geisterstimmen durch die stille Luft:
Da ziemt es wohl, nach sturmbcwegten Tagen Zu sammeln uns in tiefster Einsamkeit, Eh' uns aufs NeN- iniM<mtcm Wellenschläge Umfängt der uferlose Strom der Zeit.
Was weht uns an wie milder Lüfte Fächeln?
Das Leben bot auch manche Lust uns dar: War es ein erstes Du, ein KindeSlächeln, Ein FrühlingSsonnenblick, ein Kranz inS Haar. Sie grüßen uns, die wonnereichen Tage Und jede selge Stunde kehrt zurück:
Mit manchem Kummer, manchem Schicksalsschlage Dorsshnt uns 0 t n aufs Neu «^snhkeS Glück.
Was uns das letzte Jahr an Leid geboten Und was an Freude — nochmals sei's gelebt! Still schweben vor uns auf die theuren Todten, An Deren Sarge unser Herz gebebt.
Gott hat versammelt sie zu seinen Garben, Leicht sei die Erde ihnen — süß die Ruh! Uns aber Heil, küßt Liebe unsre Narben Und deckt mit Rosen unsre Wunden zu!
Da fühlt das Herz sich wunderbar erhoben Und schlägt entgegen kühn der jungen Zeit — Was wird sie bringen? Heut Gewittertoben Und morgen wieder Freude nach dem Leid! Nun gilt es, fest sein Ziel im Auge halten, Die Hände regen frisch und unverzagt Und wohlbedacht ein innres Glück gestalten, Das wie ein Leuchtthurm durch die Brandung ragt.
An diesem Glücke laßt uns wacker bauen, Es ist der Tempel echter Menschlichkeit, Drin Liebe waltet, Friede und Vertrauen, Und für des Feindes Haß — Vergessenheit! Da helfe Einer treulich doch dem Andern, Daß aus dem Herzen nie ein Mißklang tönt, Und ruft der Herr uns ab vom irdschen Wandern, Ein schöner Tod das schöne Leben krönt!