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Gerichtsfrohn durch die letzteren Beiden tüchtig durch- prügeln läßt.

Gedrängt von seiner Mutter, wie seiner ehemalgen Braut, dem Wildschützenhandwerk zu entsagen und als ehrlicher Jäger sein Brod außer Landes zu suchen, ver- schwand Stülpner Plötzlich vom Schauplatze seiner bis­herigen Thaten. Er ging nach Böhmen, wo er zufällig mit einem Grafen Wesselenyi aus Ungarn in Berührung kam, der ihn seiner außerordentlichen Fertigkeit im Schie­ßen halber sofort zu seinem Leibjäger ernannte und ihn mit sich auf seine Güter in Ungarn nahm.

Die Freude Stülpners, endlich einen ehrlichen und einträglichen Posten gefunden zu haben, von wo er seine Mutter reichlich unterstützen konnte, währte indeß nicht lange. Weil er dwwGrasen auf allerhand von Beamten und Dienerschaften getriebene Unterschleife aufmerksam machte, steckten diese sich hinter den Schloßkaplan, der ihn als Ketzer vor dem Volke förmlich brandmarkte. Eben war Stülpner im Begriff, diese Stellung zu verlassen, als man eines Tages den Schloßkaplan erschossen im Walde fand. Ein Jägerbursche, der die That selbst ver­übt, bezeichnete Stülpnern als den Mörder. Schon war ihm der Tod am Galgen gewiß, als ihm die Nichte des Schloßvogts zur Flucht aus dem Gefängnisse verhalf.

Nun irrte er wieder umher, eine Stelle suchend, und kam auf dieser Wanderung nach dem damals unter preußi­scher Oberhoheit stehenden Städtchen Baireuth. Kaum hier in ein Wirthshaus getreten, wurde er von anwesen­den preußischen Werbern Überfällen und zum Rekruten gepreßt. Als preußischer Soldat machte er nun unter dem Herzog von Braunschweig den Feldzug von 1792 und 1793 gegen die Franzosen am Rhein mit.

Von den Franzosen gefangen genommen, entwischte er diesen in einer stürmischen Herbstnacht aus einer wohl­bewachten Schanze, wurde aber auf der Flucht von ihm begegnenden ^sächsischen Truppen seines Regiments er­kannt und als Deserteur gefangen genommen. Aus die­ser Gefangenschaft entkam er jedoch bei Gelegenheit eines nächtlichen Uebersalles, den die Franzosen gegen das von den Sachsen besetzte Dorf machten, wobei er noch zweien französischen Officieren, welche von den Pferden gestiegen waren, letztere mitnahm und diese in einem Städtchen am Rhein, wo er am Morgen anlangte, verkaufte. Hierdurch gewann er zugleich die Mittel zu seiner Heimreise und Equipirung als Jäger.

In der Heimat angelangt, hatte er die Freude, seine bejahrte Mutter noch am Leben zu finden, die er seit seiner Flucht aus Ungarn nicht mehr hatte unterstützen können. Er trieb nun das Wildschützenhandwerk im Ver­ein seiner Freunde weiter, übte aber zugleich gegen das viele Gesinde!, welcher damals die Straßen unsicher machte, mit feinen Genossen strenge Straßenpolizei, wo­bei er mehr erreichte, als Behörden und Gendarmerie. Den edlen Waidmännern dagegen spielte er allerhand Possen.

So rettete er einst die marienberger Post, welche,

gerade mit einer bedeutenden Geldsumme beladen, im Walde von fünf Straßenrändern überfallen wurde. Die Räuber nahm er gefangen und lieferte sie im nächsten Dorfe an den Ortsrichter ab, den Postwagen begleitete er aber bis vor Marienburg. Ebenso rettete er durch seine Dazwischenkunft einer zittauer Lainwandfrau das Leben, die zwischen Marienburg und Brand, vom Jahr­markt aus ersterem Orte kommend, wegen ihrer Baar­schaft an 300 Thalern ermordet werden sollte. Schon holte der Eine mit dem Messer zum Stoße aus, als Beide von zwei großen Wolfshunden gepackt wurden und Stülpner mit der Büchse im Anschlag ihnen zurief: „Kerls, das ist Eure letzte Schandthat!" Er lieferte sie ebenfalls im nächsten Dorfe ab.

Vom scharfensteiner Gutsherrn, Major von Einsiedel, und seinem alten Hauptmann von Gundermann wurde endlich Stülpnern nach Verwendung des Corporals Stange, den er einstmals aus Lebensgefahr gerettet hatte. Begnadigung bei Friedrich August dem Gerechten gegen sein Versprechen ausgewirkt, wieder ins Regiment einzu- treten. Er wurde wieder Soldat und heirathete nun die Tochter des scharfensteiner OrtsrichterS, Röse Wolf, welche in seiner Abwesenheit eine treue Pflegerin seiner Mutter gewesen war. Einige Jahre darauf schlug er die Schlacht bei Jena mit und wurde von den Franzosen gefangen.

Nach seiner Heimkehr verlangte Stülpner wegen Ab­lauf seiner neunjährigen. Dienstzeit den Abschied. Da dieser ihm aber versagt wurde, desertirte er von neuem und pachtete in Böhmen bei Sebastiansberg ein Gast­haus, wo sein Geschäft bald in Schwung kam. Auch hier that er in den Kriegsjahren viel für die öffentliche Sicher­heit und war den Strolchen derb aus den Fersen.

Im Jahre 1813 erhielt er Generalpardon und sei­nen Abschied vom Militär. Sein Pacht wurde ihm ge­kündigt, und so siedelte Stülpner nach Sachsen über und wurde nun, an ein Leben voll Gefahren gewöhnt, und da dies seinem kühnen Muthe entsprach, einer der ver­wegensten Pascher, wobei sein alter Freund Dotzauer sein Compagnon wurde. Dies Handwerk trieb er bis 1828 und nach mehren mißlungenen Versuchen, sich einen an­dern Wirkungskreis zu bilden, starb er in hohem Alter endlich so verarmt, daß er seine letzten Lebenstage durch Almosen fristen mußte.

Von seinem alten Feinde, dem Gerichtshalter Lö- senig, der noch einen mißlungenen Versuch, Stülpnern einzufangen machte, als eben der Major von Einsiedel in Lresden war, um seine Begnadigung zu erwirken, weiß man weiter nichts, als daß in dessen Folge der Major seine Absetzung verfügte.

Das ist die Geschichte vom Wildschütz Stülpner, von dem man noch heute im Erzgebirge sich erzählt. Ein Mann von festem Charakter und gutem Herzen, voll Muth und Kraft, wäre er wohl geeignet gewesen, Ane andere Rolle zu spielen. Die Dersolgungssucht und Ka - bale eines Einzelnen fügte es anders. E- P-