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seinen vier Geschwistern sehr sorgfältig erzogen. Professor Stephensen, zur Zeit in Basel, war sein Erzieher, ein Mann, dessen Namen in den Herrogthümern einen guten Klang hat. Die ersten Eindrücke des Prinzen Friedrich machen die Vaterlandsliebe, die den Herzog beseelt, nur um so erklärlicher. Es waren das Meer mit seinen prächtigen blauen Buchten und Sunden, die buchenbewachsenen Hügel und die Felder des fruchtbaren Snndewitt. Früh wirkten die Verhältnisse des Landes, die aufsteigende Bewegung in den deutschen Ländern der dänischen Monarchie auf die Seele des aufblühenden Knaben. Der Herzog von Augustenburg war in der schleSwigschen Ständeversammlung einer der eifrigsten Vertreter der Landesrechte, und längst von den Herrschern Dänemarks angefeindet. Seit dem Jahre 1842 nahm der Herzog seine Söhne, damals von 13 und 11 Jahren, jedesmal mit nach Schleswig, so oft dort die Ständeversammlung zusammentrat. So gewann der junge Fürst aus eigener Anschauung die Ueberzeugung, daß aus der Verbindung der deutschen Herzogthümer mit Dänemark nimmer Heil entstehen könne, und die Erbrechte seines Hauses das einzige Mittel seien, die Herzogthümer aus diesen Banden zu befreien. Das Jahr 1848 fand den Erbprinzen im elterlichen Hause, im Begriff, mit seinem Bruder Christian die Universität Bonn zu beziehen. Da traf am 24. März die Nachricht ein von der Proklamirung der provisorischen Regierung zu Kiel und von der Stellung, welche der Oheim des jungen Fürsten, der Prinz von Noer, zu der Erhebung des Landes eingenommen hatte. Der Herzog war abwesend, um in Berlin die Hülse des Königs für die bedrohte Lage des Landes in Anspruch zu nehmen. Die Kunde (überbracht durch einen HandlungSreisenden) überraschte und ängstigte die Herzogin und die Familie um so mehr, als man von den Ereignissen der letzten Tage nur sehr oberflächliche Kenntnisse hatte. Es war von der Gewaltthätigkeit der dänischen Herrscher daS Schlimmste zu besorgen. Der neue dänische Kriegsminister, Kapitän Tscherning, ein fanatischer Däne, hatte schon Jahre vorher offen erklärt: das erste, was er thun würde, wenn er einmal die Macht dazu erhalte, werde sein: den Herzog und seine Familie in Alsen aufzuheben. So hatte Friedrich VI. im Jahre 1811 in der That den Herzog aus der Insel eingeschlossen und an der Abreise verhindert, alS König und Reichstag in Schweden letzteren zum Kronprinzen von Schweden erwählt hatten. Die Gefahr war jetzt, 1848, nicht gering. Jeden Augenblick erwartete man die dänischen Segel am Horizont und dänische Kriegsboote an der Küste zu sehen; auch die Landbevölkerung des nördlichen Schleswigs, seit Jahren in dänischem Interesse aufgeregt, erweckte Sorge, daß sie unter Führung von Dänischgesinnten die Abreise der Familie verhindert werde. Im Grauen des nächsten Morgens trat die Herzogin an das Lager ihrer beiden Söhne und weckte sie zur schnellen Abreise. Ihr Gemahl, der auf der Rückkehr von Berlin die Nachricht von der Einsetzung der provisorischen Re
gierung erhielt, hatte nämlich von Rendsburg aus an. die Herzogin die Weisung gesandt, sogleich mit der ganzen Familie Alsen zu verlassen. Beim Morgenlicht verließen die Prinzen und Stephensen das Schloß, fuhren auf offenem Boot über Holnis nach Rendsburg ’ und konnten der angstvollen Mutter alsbald durch einen Eilboten ihre glückliche Ankunft meiden. Die beiden Prinzen, jetzt 19 und 17 Jahre alt, traten sogleich in die schleswig-hol- steinische Armee. Herzog Friedrich machte den Feldzug von 1848 im Slabe seines Oheims mit, den Feldzug von 1849 im Generalstab des Generals v. Bonin, Kommandeurs der schleswig-holsteinischen Armee. Wie er in Jahre 1848 allen Gefechten und der Schlacht bei Schleswig beigewohut hatte, so auch im Jahre 1849 den Treffen im Sundewitt, bei Gutso, Friedericia rc. Der Tag der Schlacht bei Fridericia war sein zwanzigster Geburtstag, und mit dem ersten Glückwunsch eines Kameraden kam ihm zugleich die Botschaft zu, daß der Feind zur Schlacht heraurücke Bald brächte ihm eine Dänenkugel rauheren Glückwunsch, seiner Säbelscheide dankte er, daß sie ihm nicht daS Bein zerschmetterte. Nur während der ersten Affaire bei Koldiug war er von der Armee abwesend; er war damals von der Statthalterschaft zum Neichsver- ; Weser gesandt worden, um die bei Eckernsörde gewonnene Flagge des Linienschiffs „Christian V11L" zu überreichen. Auch am Feldzug des Jahres 1850 nahm der Prinz Theil i und wohnie im Generalstab Willisens der Schlacht bei Jdstedt und dem späteren Angriff aus die dänische Stcl« j lung bei Missunde bei. Als die Oesterreicher und Preußen । in's Land rückten, nahm er seinen Abschied und ging mit : seinem Bruder nach Bonn, um zu studiren. Nach zwei- Ihrigem Aufenthalt daselbst trat er in die preußische Armee. Im Jahre 1856 vermählte er sich, nachdem er seinen Abschied genommen und das Rittergut Dolzig in der Niederlausitz gekauft hatte, mit der Prinzessin Adelaide von Hohenlohe-Langenburg. Er ist jetzt Vater eines i Sohnes und einer Tochter. Aus seinem Gute lebte er ' in stiller Zurückgezogenheit, die politischen Verhältnisse mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgend und seine Zeit erwartend. Und jetzt durch den Tod des Königs von Dänemark und den Verzicht seines VaterS, durch Erbrecht und Recht seines Volkes Herrscher von Schleswig-Holstein, hat er eine öffentliche politische Thätigkeit mit der Besonnenheit und dem festen Entschluß, welche ein Grund- zug seines Wesenö sind, begonnen. 34 Jahre alt, in der Blüthe der Kraft, eine stattliche Gestalt, ein ernster Geist, vorzüglich geeignet für Staatsgeschäfte, kurz und fest bei den Sachen, kaltblütig, ehrlich, gewissenhaft, die ■ Augen unverrückt aus einen Punkt gerichtet, ist er, soweit menschliches Urtheil reicht, genau der Mann, wie die Lage der Dinge ihn erheischt, und unsere Nation für diese nationale Sache wünschen muß.