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das Thal zu führen. Das allmälige Abfallen des Ge­birges erleichterte daS Hinabreiten bedeutend. Lautlos, langsam und vorsichtig ging es hinunter. Bald hörte man deutlich das Heulen und Winseln der Prairiewölfe im Thale, welche sich um die von den Geiern übrigge­lassenen Eingeweiden der Büffel stritten.

Eine halbe Stunde vor Tagesanbruch erreichte der Zug den Pfad, welcher durch den Wald führte. Jeder der Reiter war zum Kampfe vollständig gerüstet, Jeder hatte die Sattelgurte noch ein Mal geprüft und ange­zogen. Die Klappen der Revolvertaschen waren zurück­geschlagen; die laugen, breiten und spitzen Messer im Gürtel bis an das Handbeil vorgeschoben, die Büchsen- halter etwas gelockert. Man hatte beschlossen, vereint zu kämpfen und die beste und furchtbarste Waffe, den Re. volver, sogleich beim Beginne des Kampfes zu benutzen.

Endlich verkündeten ein Heller Streif am Horizont und die glühend rothen Tinten im Osten den Anbruch des Tages. Die Rosse der Texaner hatten den Pfad zuerst betreten. An der Spitze befand sich Jim Ben, dicht bei ihm Charles Moore, der Bärenjäger, dann DaviS der Equatter, und JameS Johnston. . An diese erprobten Kämpen schlössen sich die übrigen Weißen, dann folgten die Tonguewas, an ihrer Spitze die Häuptlinge.

Nahe am AuSgange des Pfades erblickte man schon die Prairie; der Wald war in wenigen Minuten zu Ende. Ben hob seinen gewaltigen Revolver in die Höhe und sein blitzendes Auge überblickte die muthige Schaar. Alle hatten den Führer verstanden, Jeder die mit sechs Spitzkugeln geladene Waffe aus der Tasche gezogen. Die Tonguewas hielten in bet Linken den Bogen und acht bis zehn Pfeile. Schon hörte man deutlich ein Sum­men ffmd Murmeln, ein zeitweiliges, vereinzeltes Rufen und das Bellen eines Hundes im Lager der ComancheS. Da plötzlich erschienen am Ausgange des Pfades, ganz dicht vor Jim Ben, die kupferfarbenen Gesichter von fünf oder sechs berittenen Indianern, die im Begriffe waren, abermals auf die Büffeljagd zu reiten.

Nur eineu Augenblick starrten die Wilden die Weißen an, dann stachelten sie ihre Pferde und flohen schreiend nach dem Lager. Aber in demselben Angenblick, mit der­selben Schnelligkeit und unter einem allgemeinen Hurrah der Weißen und dem betäubenden Kriegsgeschrei der Tonguewas, sprengten die Rächer nach und erreichten fast gleichzeitig mit den Flüchtlingen das Dorf. Noch war das Kriegsgeschrei der Tonguewas nicht verhallt, da krachten die ersten Schüsse. Die meisten Comanches hatten zu dieser Zeit noch auf ihren Büsselfellen geruht, sprangen erschrocken in die Höhe und stürzten meist ohne Waffen aus den Hütten, um durch schnelle Flucht sich zu retten.

Eine grenzenlose Verwirrung entstand im Lager. Männer, Weiber und Kinder liefen durcheinander; Nie­mand dachte an Vertheidigung, sondern nur an schleu­nigste Flucht. Das Angstgeschrei der Fliehenden, das fortwährende Hurrah der Texaner, das Donnern und

Krachen der Revolverschüsse, das Stöhnen und iJammern der Sterbenden, Hülferufen und Schreien der grauen und Kinder tönte wild durcheinander. Die waffenlosen oder nur mit Skalpmessern oder Tomahaks bewaffneten Comanches-Krieger eilten fast alle nach einem Platze, auf welchem eine große Anzahl Pferde eingezäunt war.

Mit einem: „Hurrah für Texas!" drangen die Wei­ßen aus den Feind ein. Da endlich hatten die vorder­sten der Comanches die Pferde erreicht, warfen sich ans dieselben und suchten das Weite. Noch lange dauerte das Schießen, noch viele Büchsenkugeln flogen durch die Lust. Eine große Menge Comanches lag im Blute und doch waren nur wenige Minuten seit dem Beginne des Kampfes verflossen und noch viele Kugeln steckten in den Drehcylindern der Revolver.

Während der Kampf auf Seiten der Weißen been­det war, wüthete derselbe auf Seiten der Tonguewas am entgegengesetzten Ende des Dorfes noch fort. Die Rothhäute hatten gleich anfangs die Weißen verlassen, waren zurückgeblieben und erschlugen die aus den Wig­wams stürzenden Indianer. Um dem Blutbade ein Ende zu machen, bildeten die Texaner einen großen Kreis und schloffen die wüthenden Nothhäute ein. Die Häuptlinge machten Vorstellungen, und Einer sagte: „Der Große Geist hat uns die Feinde überliefert, und wir wollen da­her alle ihre Skalpe!"

Ben antwortete: „Der Große Geist der Bleichge­sichter hat uns in das Lager der Comanchrs gesendet, um Rache zu nehmen, weil sie Weiber und Kinder der Weißen gemordet haben, aber er will nicht, daß wir Wei­ber und Kinder morden! Der Große Geist hat nur auch keine Skalpe verheißen, sondern befohlen, die Schä­delhäute aller erschlagenen Männer unseren rothen Brü­dern vom Stamme der Tonguewas zu überlassen, auf daß sie zum Andenken an den glorreichen Sieg ihre Skalpstangen mit vielen Trophäen schmücken können!"

(Fortsetzung folgt.)

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsamt Hersfeld.

In Folge höherer Verfügung wird hierdurch veröf­fentlicht, daß die Kaiserlich-Oesterreichische Regierung zur Modificirung der bisherigen Beschränkung der Gül­tigkeit von auf unbestimmte Zeit ausgestellten Kurhefsi- schen Reiselegitimationen die Anordnung getroffen hat, daß die solchen Legitimationen in Oesterreich zugestan­dene dreijährige Gültigkeitsdauer nach deren Ablauf wieder auflebe, wenn denselben eine Verlängerungsclausel oder ein Visum von einer Kaiserlichen Gesandtschaft iw Auslande oder für die in Oesterreich befindlichen Kur- hessischen Staatsangehörigen von einer mit Handhabung der Fremdenpolizei betrauten Kaiserlichen Behörde des Inlands beigesetzt wird.

Hersfeld, am 25. November 1863.

Kurfürstliches Landrathsamt. Ansfarth.