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HerSfeld, den 14, November.

1863>

Der „Her-felder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend-. — Preis desselben bet der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder Leren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller belehnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Kandidaten der Theologie Georg Schember in Melsungen zum Lehrer am Schullehrer-Seminar in Homberg provisorisch zu bestellen, sowie

den Titulatur Polizei-Sekretar Karl Wedekam in bei der Polizei-Direction in Kassel und

den Regierungs-Pedellen Christoph Schenk in Marburg

aus ihr allerunterthänigsteS Nachsuchen zu pensioniren, den Verwalter int Gefangenhause zu Kassel, Hein­rich Fischer, zum Verwalter bei dem Zuchthause in der städtischen Kaserne daselbst zu bestellen.

Der G s z a d o e.

(Fortsetzung).

Die Eiche war jedoch nicht so nahe, wie der Kleine anfänglich geglaubt. Endlich hatte er sie erreicht. Es war auch die allerhöchste Zeit; denn kaum war der Arme bis an den Stamm der Lebenseiche gekommen, da sank er zusammen. Noch einige Mal durchzuckte ein Schüttel­frost die matten Glieder; dann wurde der Körper heiß, ein Sausen in den Ohren stellte sich ein. Die Prairie schien sich im Kreise zu drehen; — der Knabe verlor das Bewußtsein, Bilder der Phantasie umgaukelten seine Sinne. Die Augen waren halb geschlossen und Niemand konnte dem verlassenen Kranken die heißen, trockenen Lippen be­netzen; denn in der Umgegend von füusnnddreißig Mei­len war vielleicht kein menschliches Wesen, als die flüch­tig von bannen eilenden Rothhänte.

Doch da zeigte sich am Saume des Waldes eine dunkle Gestalt. Es war ein Reiter; seine Kleidung sah der eines Indianers ziemlich ähnlich. Jacke und Bein­kleider waren von Hirschleder und mit vielen kleinen Le­derriemen und Troddeln verziert. An den Füßen befan­den sich hirschlederne Mocassins, und ein niedriger, ziemlich formloser und zerlöcherter Filzhut bedeckte das Haupt. Die langen und glänzenden dunkeln Haare, die raben­schwarzen, stechenden und feurigen Augen, die gelbbraune Färbung des Gesichtes ließen den echten Sohn des Sü­dens, den unter texanischer Sonne Geborenen erkennen

und der am Sattelknops hängende Lazo einen Pferde­sänger vermuthen.

Flüchtig und leicht trabte sein texanisches Roß über die Prairie, der in der Mitte stehenden Lebenseiche zu, wo vielleicht schon oft sein Herr geweilt, gegessen oder seine Siesta abgehalten hatte. Aber als das muntere Thier den Baum erreichte, prallte es, wie von einer Klapperschlange erschreckt, zur Seite.

„Obo, Kamerad! Siehst Du etwa Gespenster?" rief der Lazador seinem entsetzten Gefährten zu, streichelte die kurzgeschnittene buschige Mähne und lenkte ihn wieder zurück nach der Eiche.

Hier erblickte der Roßjäger den Knaben.

„Großvater! lieber Großvater! Nur einen Tropfen Wasser gieb mir doch — und — und dann — jage die rothen Männer fort!" lallten die trockenen Lippen des Kranken.

Der Lazador band sein wieder beruhigtes Ros^an den Stamm der Eiche, löste die Kürbisflasche vom Sat­tel, richtete den Kopf des Knaben in die Höhe und hielt die mit Wasser gefüllte Flasche an dessen Mund. Der Knabe trank, — seine Augen aber blieben geschlossen.

Wohl gegen vier Uhr mochte es sein, da schlug der Knabe die Augen aus und erblickte den fremden Mann.

„Nicht währ, Ihr seid kein Indianer?" fragte er ängstlich den Fremdling.

Der Lazador beruhigte ihn und erkundigte sich nach dem Namen seines Vaters.

„Richard Wynant!" antwortete das Kind.

Der Jäger schnellte in die Höhe, seine Augen schös­sen Blitze, heftig ging er auf und ab. Richard Wynant war sein Feind, der einzige unter der Sonne; doch er haßte diesen einzigen mit der wilden Leidenschaft seines südlichen Blutes. „Carajo!" murmelte er zwischen den Zähnen. Aber plötzlich war eS, als fürchte er, daß der Knabe den Fluch gehört; hastig drehte er sich um und blickte starr in die gutmüthigen Augen des unschuldigen KindeS. Jetzt wurden die Gesichtszüge des Fremden ruhig, er sprach dem Knaben Muth zu, gab ihm einen Schluck Brandy, dann die Wasserflasche und etwas Brod.

„Wie kommst Du eigentlich in diese Gegend?" fragte der Pferdefänger.

Der Knabe erzählte jetzt die traurige Geschichte.