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von etwa 10,000 Reitern mit den Puls der Obersten Geismar, Seßlawin und Bihalow und der Majors Fürst Gagarin, Graf Narischkin, Markiai, Lasarew, Rogatschef, Jlowaiski, Eisenwangen und anderer psivmiver Führer, begleitet von den Häuptlingen (Taidschas) mit ihren Horden wilder Bogenschützen. Zu unseren Streifzügen in Escadrons und kleineren Detachements wurden Sot- nias (Abtheilungen von hundert Mann) und noch kleinere Trupps periodisch uns beigegeben, oder schloffen sich, freiwillig sich unterordnend, an uns an, wobei es im­mer feststehend war, daß, bei gleichen Chargen, stets der Preuße commandirte.

Ich stand bei den reitenden freiwilligen Jägern und rangirte als solcher vor dem Uradnik (Uuteiosficier). Noch ein halber Knabe von fünfzehn Jahren, hatte ich zwar eine ziemlich dünne Commandostimme; allein meine Kosaken körten aufmerksam darauf und kamen püuctlich den Befehlen nach. Aeußerst gelehrig, auf Alles ach­tend, vergaßen sie nie, was man ein Mal ihnen zeigte, oder Worte und Reden, die man ein Mal aussprach — so daß sie bald nicht nur das Deutsche verstanden, son­dern auch einzelne deutsche Wörter in ihren Sprachschatz aufnahmen. Auch wir aber acceptirten manches Wort aus dem tonischen Lexikon und redeten nicht mehr von Brod und Schinken, sondern nur von Chleppa nndOkorok.

Sogleich auf der ersten gemeinschaftlichen Feldwa­che in Nordholland wurde meine gute Meinung von ihrer Tauglichkeit zum Vorpostendienste bedeutend erschüttert, um aber schließlich einem desto größer» Vertrauen Raum zu geben. Ich hatte zwischen den Jägervedetten Kosa^ kenposten eingeschoben, und da der Feind nahe vor der Fronst stand, besondere Aufmerksamkeit empfohlen. Als ich bald darauf die Vedetteukette visitirte, fand ich un­sere Jäger nach strengster Vorschrift, obgleich der Wind den Regen ihnen ins Gesicht peitschte — die Front nach dem Feinde gekehrt, aber schon der erste Kosakenposten hatte es sich höchst bequem gemacht.

Der @me lag auf der Erde hinter einem schützen­den Strauche, durch diesen hindurch nach dem Feinde blickend, während sein hinter ihm stehendes Roß, wie ein aufmerksames Wild nach dem Jäger, mit gesenktem Kopfe und gespitzten Ohren, ohne sich zu rühren, unter dem Strauche hindurch spähte. Der Zweite hatte sich in eine Vertiefung, gedeckt durch einen Baumstamm, zu­rückgezogen, stand ruhig an seinen Sattel gelehnt und unterhielt sich mit -seinem Thiere, indem er demselben mit Branntwein gefeuchtete Brodkrumen über das Ge­biß ins Maul schob. Als sie mich kommen sahen, ver­änderten sie ihre Stellung nicht; nur der Zweite machte einige verstohlene Zeichen, daß ich zurückbleiben möchte. Ich konnte mir diese Pantomime nicht erklären, machte aber doch Halt und blickte nach dem Jägerposten, der ganz ruhig blieb.

Nach kurzer Weile rutschte der erste Kosak zurück, kroch langsam auf den Sattel und hielt gebückt mit gc- fenft« Pike hinter dem Busche. Plötzlich fuhr er über

den vor ihm liegenden Hügel, während sein Gefährte wie der Wind sich in den Sattel schwang undihmnach« flog. Ich eilte herbei. Als ich ankam, brachten sie be­reits zwei entwaffnete französsische Infanteristen, von denen der Eine blutete, der Andere von empfangenen Kaut ckuhieben sich noch krümmte.

Während die Kosaken nun die Gefangenen von der Bürde der Tornister befreiten, meldeten sie mir durch Zeichen und einzelne deutsche Brocken: „Franzurki-Pa- troll" sei in dem ihnen nahen Graben herbeigeschlicheu, um die entdeckten „Jägern" vom Pferde zu schießen. Sie waren aber so unvermutet von „Kosaki geslappatscht", daß sie ihr „Flintschisko" nicht hätten abfeuern können.

Die Ablösung kam und nahm dieselbe höchst un- vorschrfftmäßige Stellung ein, die, bei gutem Äuge und Ohr, mir jedoch gar nicht so übel schien. Ich ließ sie gewähren. So und ähnlich sahen wir sie immer auf dem Posten, und nie ist es vorgekommen, daß ein Kosak sich hätte überraschen lassen.

Auf den Rocognitionen erregten ihre feinen Sinne oft unsere Verwunderung. Man sah sie hier und dort zur Seite reiten, vom Pferde springen und das Ohr auf die ErdeZegeu. Dann riefen sie mit wichtiger Ge­lberde ein: «Franzuski Kanun!" Wir folgten ihrem Beispiele; aber erst nach geraumer Zeit vernahmen wir ein leises Schwirren, wie das Rollen schwerer Räder aus hartem Boden. Ost zählten sie auch von einer Höhe, zu der sie Hinansschkichen, die Zahl der Geschütze und unterschieden die anderen Waffengattungen, wenn wir kaum erst dunkle Linien zu erkennen vermochten.

Auf Kreuzwegen sah man sie nicht selten die Ecken nach Zeichen untersuchen und Hicrolglyphen mit der Pike in den Sand schreiben, wenn sie unsererseits Nach- kömwlinge erwarteten. Ihr Ortssinn, ihr Orientirungs- Vermögen war außerordentlich; selbst zur Nachtzeit bei bedeckten! Himmel, wo die Sterne sie nicht leiten konn­ten, verirrten sie sich nicht. Waren sie aus Rückwegen ja einmal im Zweifel, so beriethen sie mit ihren Pfer­den und hierdurch lernten wir erst den auch bei unseren Thieren stärker als beim Menschen ausgeprägten Orts­sinn kennen; denn auch unsere Pferde, wenn wir ihnen die Zügel ließen, brachten uns immer dahin^wicder zu­rück, wo sie zuletzt gefüttert worden waren, oder den Pferdetrupp verlassen hatten. (Forts. f.)

Vermischtes.

Eckelsheim, 20. Juli. Der hiesige Ort-bürger Carl Mann, 55 Jahce alt, konnte seit 1834 weder ge­druckte noch geschriebene Schriften mehr lesen; vom Jahre 1848 an fast ganz erblindet, unterschied er nur noch Tag und Nacht. Während dieser ganzen Zeit verrich­tete er dennoch die sämmtlichen Feldarbeiten in Aeckertt und Weinbergen, die ihm eigenthömlich angehörten, vlo»