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persselder Anzeiger.

Mx. SO. Hersfeld, den 29. Juli. 1^63*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postaustalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Die Schlacht an Her«Katzbach.

Von K. G. von Dcrneck.

(AuS dem „Jllustrirten Familieu-Jöurnal".)

(Fortsetzung und Schluß.)

Da griffen das brandenburgische Ulanenregiement und zwei Schwadronen Lithauer, rechts von einem rus­sischen Husarenregiement begleitet, den Feind von vorn und an der Seite an. In einigen Büchern wird erzählt, daß der alte Blücher selbst den Säbel gezogen und an der. Spitze der Ulanen attaquirt habe; Verfasser Dieses hat in demselben bald nach dem Frieden sehr lange ge­dient und die meisten Officiere gekannt, welche jene Attaque mitgemacht haben, sie wußten aber nichts von dem Alten. Wahrscheinlich hatte er sich aber an die Spitze gestellt und den Gesammtaugriff der (Kavallerie geführt.

Die Attaque der Brandenburger war allerdings zu­erst geglückt und die Nihauer hatten die bald darauf folgende, zwischen die Bataillons der Avantgarde einge- druugene Reiterei den Thalgrund der wüthenden Neiße hinuntergeworfen; aber die überlegene Macht des Fein­des hatte sie gezwungen, sich wieder hinter der Infanterie zu sammeln. Da gingen die drei Landwehrcavallerie- Regimenter der Reserve mit den mecklenburgischen Husa­ren zum Angriff vor, und auch das Ulaneuregiment schloß sich wieder an, zwanzig Schwadronen.

Zugleich ließ Sacken seine Reiterei unter Wassilt- schikoff rechts am Ei'chholze vorbei gegen den linken Flü^ gel des Feindes Vorgehen. Der Angriff der Preußen, an wiederholten Attaquen mit höchstem Ungestüm erneu­ert, wurde durch Wassiltschikoffs Flankenangriff entschie­den: 8000 Pferde hatten sich in diesem großen Reiter- grfechte getummelt. Die französische Cavallerie war geworfen und jagte auf ihr Fußvolk zurück. Schon früher hatte Blücher Befehl zum allgemeinen Vorrücken der beiden Corps gegeben. .

Aork führte persönlich seine Brigaden vor; die ganze preußische und russische Infanterie avancirte. Alles wurde von ihr niedergeworfen, Cävallerie, Infanterie, Geschütze und Wagen in einer aufgelösten Masse fliehend, die stei­len Ränder hinab in die Thäler der wüthende» Neiße Md Katzbach gestürzt.

In diesem Augenblicke erschienen von dem dritten französischen Corps (Zonham) drei leichte Cavallcriere- gimenicr auf der Hochfläche, und Infanterie war im Begriff, den Thalrand zu ersteigen. Jene frischen Schwa­dronen warfen sich sogleich auf die verfolgende Cavallerie der Verbündeten und trieben sie etwas zurück, waren aber zu schwach, um den allgemeinen Strom aufznhalten. Durch Kartätschenfeuer wurden auch die wenigen Ba» taillons empfangen, welche die Höhe erreichten, und von der preußisch-russischen Infanterie bald über den Haufen geworfen. So löste sich auch diese Division vom dritten Corps auf, von der wilden Flucht mit fortgerissen, welche nach den Thälern der Flüsse zurückstürzte.

Aber die Flüsse waren, seitdem man sie heute über­schritten hatte, zu reißenden Strömen geworden; noch am Morgen mit Leichtigkeit zu durchwaten, hatte sie der Regen hoch angeschwellt, so daß sie vor den entsetzten Blicken der Fliehenden mit ihren brausenden, schäumen­den Wogen jede Rettung unmöglich zu machen schienen.

Alles drängte sich zu den Nothbrücken; bereu waren aber nur wenige geschlagen, und sie wurden, wie die Thalwege, bald durch umgestürzte und zerbrochene Fuhr­werke gesperrt; immer dichter wurde das Gedränge der Flüchtigen, welche verzweiflungsvoll am User hier und da einen Durchgang versuchten, denn der Feind, von dem keine Schonung zu erwarten war — das eigne Ge­wissen sagte es ihnen nach ihren Schandthaten! — rückte schon heran, und seine Batterien vom Thalrande schleu­derten mit ihren Kugeln Tod und Verderben in die zu« sammengeballte Menge. Da stürzten sich Viele in die zornigen Bergwasser, deren Fluten sie begruben, Viele wurden gefangen. Der vollständige Sieg war errungen und die Dämmerung brach schon ein.

Nicht so auf dem linsen. Flügel, wo Längeren vom fünften französischen Corps (Lauriston)»hart bedrängt wurde und ihm kein wirksames Artilleriefeuer entgegen­setzen konnte, weil er, wie schon erwähnt, den größten Theil seiner Geschütze in der sichern Erwartung des Rück­zuges fortgeschickt hatte. Als General Lauriston nach 2 Uhr die nachteilige Wendung des KampfeS aus der Hochebene vernahm, glaubte er dem Vordringen des Feindes dort durch eine kräftige Offensive von seiner Seite Einhalt thun zu können.

Marschall Macdonald hielt sich aus diesem Flügel