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und zwei Batterien. — Langsam wich Rapier zurück über die Katzbach und dann über die wüthende Neiße, wie ihm befohlen war; er hielt den Feind an den Difi- leen so lange auf, daß er erst gegen halb elf Uhr unter dem Schutze seiner Cavallerie ein paar Batterien auf das Plateau bringen konnte, dessen steilen Rand die Divisionen Gcrard und Charpentier erklimmten. Jetzt schlugen die Kugeln in die Schritt für Lchrilt zurück- weichenden preußischen Bataillons ein und brachten das Landwchibatmllon Kempski (Oberschlesier) in Unord­nung; es löste sich auf und war durch alle Bemühungen der Ojficiere nicht wieder zu formtreu, bis Major von Hiller, Führer der Avantgarde-Infanterie erklärte, Feuer auf die Mannschaft geben zu lassen, wenn nicht die Ord­nung alsbald hergestellt würde.

Das Bataillon schloß jitzt wieder zusammen und hielt von nun an so fest aus, daß selbst eine emschla- gende Granate, welche vierzehn Mann niederwars, seine Ordnung nicht mehr erschütterte. Die Franzosen dran­gen mit Tirailleurs und (Solennen auf der Hochfläche vor; viel konnten sich die gegenseitigen Schützen nicht thun, da die meisten Gewehre im Regen versagten, es wurde dafür aber weidlich geschimpft. „Bougres prus- siens“ und „Französische Coujoue", nebst anderen ange­nehmen Titeln flogen statt der Kugeln durch die feuchte Lust. Bei Christianshöhe wurde die Avantgarde von der gesammten R-servecaüerie unter Jürgaß ausgenommen.

Während dieses Gesichts hatte Blücher gegen Mit­tag, als auch bei Sacken schon Kanonendonner zu hören war, an seine Corpsführer den Befehl zum Vorrücken gegen die Katzbach geschickt; wie bereits erwähnt, sollten alle Colonnen um zwei Uhr marschiren. Sacken empfing den Osficwr, welcher ihm den Befehl brächte, mit der an Suwarows Manier crinnernten Rede: „Antworten Sie dem General nurHnrrah!" Längeren dagegen ver­weigerte geradezu den Gehorsam. Er berief sich auf geheime Jnstrnctionen, sagte dem Osficier, der an ihn geschickt war, Lieutenant von Gerlack, später General­adjutant Friedrich Wilhelms IV. und gestorben wenige Tage nach dessen Begräbnis;: „Ihr General ist ein gu­ter Haudegen, aber das ist auch Alles!" Noch unver­schämter sprach er sich über Gneisenau aus: „Richtige Einsicht sei gerade nicht dessen Vorzug."

Hork rückte natürlich mit seinem CorpS sogleich vor, aber er war in grimmigster Laune, und als ihm der Oberfeldherr sagen ließ, daß er soviel Franzosen auf das Plateau lassen möge, als er glaube schlagen zu können, schnaubte er den Osficier an: „Reiten Sie hin und zählen Sie selbst, iq kann bei dem Regen meine eigenen Finger nicht mehr zählen!"

Gneisenau kam zu den Vortruppen und überzeugte sich, daß eine bedeutende feindliche Macht im Anmarsch sei; Blücher selbst ritt vor und war hocherfreut. Er wollte den Feind nur noch mehr sich entwickeln lasten und ihn dann mit einem kräftigen Angriffe hinab in die Katzbach und wüthende Neiße werfen.

Das Dorische und Sackensche Corps entwickelten sich dazu; zahlreiche Batterien, gegen hundert Geschütze, wurden nach und nach fast in einer Linie, zum concen- trischen Feuer mit einem eingehenden Winkel, aufgefah­ren. Während die Truppen sich ordneten, ritt der alte Feldherr, von dem Prinzen Wilhelm, Gneisenau und seinem ganzen Gefolge begleitet, an der Front herunter und sprach überall in seiner derben volkstümlichen Weise zu den Soldaten — er warte nur, bis genug Franzosen herüber wären, sie sollcen sich bei dem Regen nicht mit Schießen aushalten, sondern ihnen gleich mit dem Bayon- net auf den Leib gehen.

Endlich, es war gegen drei Uhr, donnerte rechts eine schwere russische Batterie. Sacken hatte sie noch vor erhaltenem Bcsehle aus dem Tanbcnbcrgc zwischen Christianshöhe und Eichholz placirf, woselbst auch eine preußische sechsbändige Batterie unter Lieutenant Reander ausgestellt war. Der Femd war eben im Ausmarsche begriffen, daher der Moment zur Eröffnung des Feuers günstig. Ein Generalstabsossicier, welcher bei Reander hielt, bemerkte weise, daß seine Kugeln, weil leichtern Kalibers, nicht so weit trügen, als die russischen. „Bat­terie— Halt! Zum Avanciern — protzt aus!" comman- bitte Reander, ging rasch mit seinen acht Geschützen bis auf dreihundert Schritt an die feindlichen Colonnen Mb beschoß sie in dieser mörderischen Nähe mit Kartätschen.

Der Feldherr, als er das Feuer von rechts hörte, rief mit weithiuschallender Stimme: „Nun Kinder! Jetzt habe ich genug herüber! Nun vorwärts!" Ein donnerndes Hurrah! und Alles setzte sich zum Angriff in Bewegung, während die Batterien ihr Feuer auf die sich mehr und mehr entwickelnden feindlichen Masten richteten. Zuerst kam die achte Brigade (Hünerbein)an den Feind. Sie gerieth in das Kartätscheuseuer einer Batterie und erblickte drei BattaillouS neben derselben. Von diesen zogen sich zwei mehr zurück, auch die Bat­terie fuhr ab, als Othezraven mit dem Bayonnet gerade drauf losging; aber das dritte Battaillon bildete Carre und fällte die Gewehre.

Die Preußen waren in Linie und gingen bis auf zwei Schtitt heran. Ein Mitkämpfer schrervt darüber: „Das Carre stand wie eingemauert. Euren Augenblick stauben unsere Leute so den Franzosen gegenüber. Von beiden Seiten sah man so einander an. Dann riefen die Officiere: „Draus! Draus !" Lieutenant Meja war der Erste, der sich draufstürzte, und nun nahm der Sol­dat daS Gewehr verkehrt und schlug mit der Kolbe in die Franzosen hinein. Schnell wurde das Carre, da wir in Linie standen, von allen Seiten umzingelt und so mit dem Bayonnet und bem Gewehre angegriffen. Jetzt war an keinen Pardon mehr zu denken; die französische Bra- vour mußte dem Muthe und der überlegenen persönli­chen Stärke unserer Brandenburger weichen, und nach zwanzig Minuten war das das ganze Carre da zu^Bo­den geschlagen, in eine Pyramide verwandelt. . Etwa hundertundfünfzig Lebendige und leicht Blessirte fanden