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Hcrsfeiocr Anzeiger.

Nr. 58. Hersfeld, den 22. Juli. MTL«

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen mid die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Die Schlacht an Hex Katzdach.

Von K. G. von DcrnccK.

(Aus dem „Jllustrirteu Familien-Jourual".)

(Fortsetzung.)

Die Russen waren vortrefflich ausgerüstet. Weniger konnte man das von der preußischen Landwehr sagen; es hat­te an Zeit und Mitteln gefehlt. Das Tuch war so schlecht, daß es beim ersten Regen einschnurrte unb die Litewken oder Kurtkas (den jetzigen Waffenröcken ähnlich).Überall zu kurz und zu eng wurden; die Mützen schützten nicht vor Kopshieben, auch die Bewaffnung-war mangelhaft. Noch mehr die Führung : — es war unmöglich gewesen, die so bedeutend vermehrten Truppen mit einer genügen­den Zahl von brauchbaren Officieren zu versehen; der Krieg mußte sie erst heraubilden und die freiwilligen Jäger, deren Gesammtheit in der Armee etwa auf 10,000 MaM anzuschlagen ist, gaben dazu nach ihrer Bestim­mung eine treffliche Pflauzschule.

Bei Ablauf des Waffenstillstandes hatte die schle- sische Armee 4 feindliche Corps, nämlich das 11, (Mac- donald), 5. (Lauriston), 3. (Reh) und 6. (Marmout) nebst dem 2. Gavalleriecorps (Sebastian!), im Ganzen 130,000 Mann vor sich. Eine Demarcationslinie für beide Parteiei:, und innerhalb derselben ein neutrales Gebiet von 2—3 Meilen Breite mit der Stadt Brcs- lau, waren bezeichnet.

, Der Waffenstillstand lief am Iß. August ab. Four- ragirungen, welche die Franzosen in dem neutralen Ge- ^et unternahmrn, gaben jedoch Blücher die willkommene Gelegenheit, auch dies zu betreten; nur dieKatzbach als vertragsmäßige Grenze wurde nicht überschritten. Am 17. ergriff er dann sofort die Offensive und drängte die Franzosen bis zum 19. hinter ven Bober zurück: Mrk im Centrum, recktS Sacken, links Laugeron. Die Fran­zosen wichen unter furchtbarer Verwüstung des Landes. _ Hnterbeffen war Napoleon mit den Garden von DreSden nach der Lausitz aufgebrochen und nachdem er sich durch Recognitionen über das Gebirge überzeugt hatte, daß er von der böhmischen Armee vor der Hand nichtS zu fürchten habe, kam er in Schlesien an, um zuerst sei­nen gefährlichsten Feind, den alten Blücher, zu schlagen.

Er wollte es nicht einge stehen, daß dieser ihm am ge­fährlichsten war, er nannte ihn geringschätzig einen ver­soffenen Husaren, der nur ein guter Säbler sei, aber er wußte das selbst bester. So erschien er denn am 2t. August in Löwenberg und gab Befehl zum Angriff. Seine Gegenwart feuerte die Truppen wie immer zu erhöhter Thätigkeit an.

Blücher konnte jetzt vor der Uebermacht, unter per­sönlicher Führung des Kaisers, seinem Gewissen genügen und den Trachenberger Operationsplan befolgen- Er beschloß den Rückzug. Es kam dabei am 21. zu elftem heftigen Arrtcregardegefecht, wobei zwei Landwehrbatäkl- lone, welche zum ersten Male ins Feuer kamen, sich sv vortrefflich hielten, daß sie den besten Linieutruppen nichts nachgaben; eines derselben (Kossecki) warf den Feind zwei Mal mit dem Bayonnet zurück. Darin und mit, den Kolben leistete die Landwehr natürlich zuerst am meisten; sie zuni zerstreuten Gefecht aufzulöfen war ge­fährlich: sie hatte das noch nicht gelernt.

Nun drangen bie Franzosen wieder vor und die unglücklichen Ortschaften, die sie betraten, lernten sie kennen. Löwenberg wurde von der Garde unter den Augen des Kaisers verheert, das reife Getreide abgemäht zum Futter und zur Bedachung des Hüttenlagers, Haus- geräth und alles Holzwerk in den Häusern verbrannt, die schönsten Obstpflanzungen uiedergrhauen.

Dos Lauristonsche Corps hauste noch ärger auf den Dörfern. Im Schlosse zu Plagwitz wurde die' kostbare Bibliothek vernichtet, Bilder von Lukas Cranach, Te- niers K. zerhauen, das Porzellan zerschlagen, die Betten zerschlitzt, die Treibhäuser mit den seltensten Gewächsen zerstört, die Bienenstöcke verbrannt und Frauen und Mädchen nicht geschont. — Franzosenwirths hast, Ihr Leser! Und zu Deutschlands Schmach giebt es noch immer Solche, die mit den Franzosen über den Mein r hin liebäugeln und sie ohne viel Schmerz die Faust wie- ' der nach deutschem Länderranbe würden ansstrecken sehen.

Wie LauristonS Truppen trieben eS die Rens unb Marmonts und nur der edle Macdonald hielt bessere Mannszucht. Die Solbenschlacht an der Katzbach und daß Gott der Herr die Bergwaffer schwellen ließ, jene Horden zu verschlingen, war nur ein gerechtes Straf­gericht.