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Nr. 5f

Hers feld, den 18, Juli.

18«3t

Der „Heisfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7.^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Die Schlacht an der «KaAbach.

Von K. G. von Derncck.

(Aus dem „Jllustrirten Familien-Journal".)

Reich an Gedenktagen herrlicher Siege für Deutsch­lands Befreiung vom Joche der Fremdherrschaft ist un­ser Jubeljahr. Die voiksthümlichste Schlacht von allen mag aber wohl die an der Katzbach fein, weil sie der Held des Volks, der alte Blücher, für sich ganz allein gewonnen hat. Bülows Verdienste bei Groß- Beeren, drei Tage vorher, sind zwar auch sehr groß, aber sie Würben lange Zeit verdunkelt unb bang hatte sein Sieg nicht die bedeutenden Folgen für den ganzen Krieg, weil er nicht Oberfeldherr war, wie Blücher, der den seini- gen energisch benutzen konnte.

Drei groß^Heere hatten die Verbündeten nach dem Waffenstillstände gegen Napoleon aufgestellt: in Böhmen die Hauptarmee unter dem Fürsten Schwarzenberg, der zugleich Höchslcommandirender über alle Streitkräfte der Älliirten war, in Schlesien die zweite und in der Mark Brandenburg die dritte. Die letztere hieß die Nord­armee. Wir wollen hier nur von der schlesischen Armee reden, welche nach vielen BedcnkUchkeiten Blücher an- vertraut war. Für die Rolle, die der allgemeine Kriegs- Plan diesem zugetheilt hatte, schien aber der alte Husa­rengeneral, der nach seinen eigenen Webten nur drauf loszugehen verstaub, auch nicht recht zu passen. Der zu ^.rachenberg festgestellte Operationsplan besagte näm­lich, daß Blücher an den Feind rücken, ihn nicht aus oen Augen verlieren, aber eine allgemeine Süll acht ver- melden sollte, wenn er nicht alle Aussichten auf Erfolg habe. Wie konnte man Blücher das zumnihen I Was ’t™t,t pomphafte Redensart in dem. Entwürfe: „Alle alliirten Heere ergreifen die Offensive und das Lager des Fernbes ist ihr Sammelplatz" — wenn doch eines von diesen Heeren nicht zufchlageu durfte?

Barclay de Tolly, der bisherige Oberbefehlshaber der vercmigten russisch preußischen Armee, welcher Blücher am August diese geheime Justruction übergab, suchte bte Zweckmäßigkeit derselben zu beweisen; umsonst, der Alte erklärte, diese Aufgabe übersteige seine Kräfte, Zaudern und Ausweichen habe er nicht gelernt; er müsse

daher das Commando ablehnen. Barclay und sein Ge­neralquartiermeister Diebitsch, beschwichtigten Blücher , mit der Bemerkung, er brauche seine Justruction nicht buchstäblich zu nehmen; eine Armee von 100,000 $?ann könne sich nicht unbedingt defensiv verhalten, deshalb möge er immer, wenn er Gelegenheit fände, den Feind angreifen und schlagen. Blücher nahm das dankbar au, ließ es sich aber schriftlich geben — natürlich mit Vor­behalt höherer Genehmigung. Diese blieb aus, aber Blücher hielt das für eine stillschweigende Zustimmung, und handelte nach dem Zusätze, welchen Barclay unter­schrieben, Diebitsch jedoch wahrscheinlich aufgesetzt hatte. Seine Armee hätte sich am Bobtenberge gesammelt.'

Sie war aus dem 1. preußischen Corps unter Uork, und zwei russischen Corps unter Längeren und Osten-Sacken gebildet. Sämmtliche Befehlshaber waren sehr schwierige Untergebene. Kork, welcher vor dem Kriege Blücher gleichgesianden hatte, dann durch seine That selbständig hervorgetreten war und bis jetzt auch für sich befehligt hatte, glaubte sich zurückgcsctzk, hielt Blücher tür keinen Feldherrn und sah Gueisenau für einen überspannten Kopf an, nach dessen Pfeife tanzen zu müssen ihm höchst widerwärtig war; er schloß sich alsp schroff von Allen ab und nahm gegen Wucher.nur eine streng dienstliche Stellung an. Langeron hatte auch schon früher selbstän­dig commandirt und fand es überhaupt unverzeihlich, daß kein russischer General das Heer befehligte, welche Meinung selbst Männer, wie der Prinz gingen von Württemberg, der doch ein Deutscher war, theilten.

Zum Unglück hatte Langeron Überbein auf irgend eine Weise Kenntniß von Blüchers geheimer Justruction erhalten, nicht aber von den nachträglichen Zugeständ­nissen; er hielt also alle Anstrengungen, welche der Ober- genernl forderte, für unnütz, weil ja doch keine entschei­dende Schlacht geliefert werden dürfe und vereitelte durch seine Eigenmächtigkeit und Thatlosigkeit zuweilen die schönsten Erfolge. Er berief sich dabei noch. auf be­sondere Verhaltungsbtfehle, welche, er bekommen habe, was bei den sich wunderlich kreuzenden Fäden im gro. ' ßen Hauptquartier der Monarchen immerhin möglich sein konnte. Sacken endlich war in der russischen Armee wegru seines Ungehorsams bekannt. Wahrlich, es be­durfte der vollen Energie bi« Charakters, welche Blücher