Einzelbild herunterladen
 

194 -

zu erhalten. Kropff wird von der leipziger Jugend als Lützower erkannt, mit Jubelrufen begrüßt und unter lautem Hurrah und Bivat an die Wohnung Arrighis gebracht. Dieser empfängt den Abgesandten und erklärt,/ nach dem Befehle des Kaisers gehöre die Lützowsche Schaar nicht unter die feindlichen Krieger; sie wären Vagabunden und Räuber, ständen außer dem Gesetz und könnten nicht auf das Recht ehrenhafter Soldaten An­spruch machen. Auf seinen Befehl treten vier Gendar­men hinzu, beinächtigen sich des Frelcorps-Officiers, ent­waffnen ihn und führen ihn als Gefangenen hinweg.

Während dessen hat Major von Lützow bemerkt, daß neue und zwar sehr bedeutende Reitermasscu — es waren gegen 5000 Mann — heranziehen. Es wird be­denklich, befiehlt seinen Leuten aufzusitzen und reitet selbst den Nahenden entgegegen. Auf die Frage nach dem Füh­rer weist man ihn an den würtembergischen General Normann. Dieser beruft sich nach einigem Hin- und Herreden auf den französischen General Fournier, unter dessen Befehl er gestellt sei. Lützow eilt sogleich zu die­sem, und da ihn die ganze Haltung der Gegner besorgt macht, so erkundigt er sich bei Fournier, warum man trotz des Waffenstillstandes eine so feindlich drohende Stellung einnehme. Fournier aber schwingt den Säbel und ruft mit kreischender Stimme: «Waffenstillstand für Alle, ausgenommen für Euch!"

Nach diesen Worten dringen ohne Weiteres seine Franzosen heran; die Würtemlnrger, welche ruhig den Lützowern zur Seite gezogen waren, theilen sich unb die durch dieselben bisher markirten Kanonen feuern mit Kartätschen auf die keines feindlichen Angriffs gewärtige Schaar. Gleichzeitig dringt auch Normann mit seinen Reitern unter Droh- und Schimpfreden aus das Lützow­sche Corps ein und fordert, daß sie sich ergeben. Die wohl zehnfache Uebermacht der Franzosen läßt die An­gegriffenen nicht an ein Gefecht denken.

Lützows Pferd stürzt, er selbst wird verwundet, aber durch den Muth eines seiner Jäger, Gebhard, ge­rettet. Im Einzelkampfe treiben sich die Krieger auf dem Felde umher; kleine Trupps bilden sich, hauen zum Theil ihre Kam^aden heraus. Einzelnen gelingt die Fluchfi Auch Major Lützow gehört zu den Geret­teten und findet sich am 25. Juni am rechten Elbufer mit dem tapfern Oberjäger Bcczwarzowsky zusammen, der ihm ein Häuflein seiner entkommenen Ulanen nach vielen überstandenen Mühen und Gefahren glücklich wie­der zuführt.

Auf dem Schlachtfelde von Kitzen aber lagen ge­gen 300 der besten Krieger todt, die Blüte der deutschen Jugend, der Stolz des Vaterlandes, gefallen nicht in ehrlicher Schlacht, sondern in Folge des unseligen Ver­hängnisses, welches in jenen Jahren so oft das entsetz­liche Schauspiel bot, daß Deutsche ihre Waffen gegen ihre Brüder führen mußten. Die Franzosen sollen ge­gen 300 gefangene Liltzotver noch am selbigen Abend nach Leipzig geführt haben, wo der Herzog von Padua

die von ihm für Räuber und Mörder Erklärten in ei­ner Kirche einsperren und streng bewachen ließ. Aber die Bürger von Leipzig liebten die nurthige Schaar, und die Wachsamkeit von Arrighis Truppen vermochte wenig gegen die von treuer Freundschaft, trotz der Gefahr, qus- geführten Rettungsversuche.

Gegen 200 der gefangenen Lützower mögen durch die verschiedensten Listen glücklich aus der Kirche und der Stadt gebracht worden sein. Aerzte und Wund­ärzte leisteten den Verwundeten Hülfe, Unzählige trugen Erfrischungen herbei, um Denen, welche nicht gerettet werden konnten, wenigstens ihr Loos zu erleichtern» Bald aber traf ein kaiserlicher Befehl mi, welcher die noch vorhandenen Gefangenen gleich Sträflingen über Erfurt, Mainz, Metz, durch Frankreich über den Mont Cenis in die Festungen Savohens führen ließ. Erst nach dem Einzüge Blüchers in Paris, im März 1814,. wurden diese Tapfern befreit und konnten in ihr Vater­land zurückkehren.

Theodor Körner, der gefeierte Dichter, war nicht unter den Gefangenen gewesen, welche am 17. Juni von Fourmers Leuten nach Leipzig eingebracht wurden Es- fehlten über ihn aste Nachrichten und seine Leipziger Freunde waren tief bekümmert, denn sie mußten glauben,, daß der 22jäyrige Held die Zahl der Opfer vermehrt habe, welche der unselige Krieg dem Vaterland schon gekostet. Da klopft ein schlichter Bauer an die Thür des Arztes Dr. Adolph Wendler und bringt einen mit Bleistift geschriebenen Zettel. Er ist von Theodor Kör­ner, der schwer verwundet, aber doch noch lebend, kim Hause des Pafor Schlosser zu Groß-Zschocher von treuer Hand gepflegt seinen Aufenthalt dem Freunde meldet. Dr. Wendler und sein Freund Kuuze, beide würdige Männer im Jahre 1862 durch den Tod mit ihrem geliebten Theodor Körner vereinigt, schritten kühn und furchtlos aus Werk zu des Dichterhelden Befreiung» Kaum war aber Körners Gesundheit so weit ^eigestellt, daß man das Wagniß beginnen konnte, so ward er in Verkleidung nach Leipzig, von da nach Wendlers Gute Kahnsdorf und endlich nach Karlsbad in Böhmen glück­lich mitten durch die Feinde gebracht.

Es ist bekannt, daß der tapfere Jüngling sich so­gleich nach seiner Genesung wieder bei der schwarzen Schaar Lützows einfand unb am 26. August bei einem kühnen Angriff auf einen französischen Transport bei Gadebusch unweit Schwerin den Heldentod fand. Seine Leiche ruht bei dem Dorfe Wödbelin, er selbst im Her­zen seines Volkes, das ihn als Held und Dichter ewig, feiern wird.

Gerade 50 Jahre -sind vergangen, seit Fourniers Ueberfall bei Kitzen der deutschen Jugend solch schmerz­liche Wunde schlug. Ein einfaches Denkmal soll künftig den Ort bezeichnen, wo die mutige Schaar Lützows diese traurige Niederlage erleiden mußte. Und auch dieses wie jedes Erinnerungszeichen an die deutschen Freiheitskämpfe mahn? uns daran, daß wir «in 4W