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Mr, 46. Hersfeld, den 10. Juni. LV6S.

Der «Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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M e V M i s ch L K S.

Der zur Abhaltung des großen Turnfestes in Leipzig bestimmte Platz, südlich von der Siadt, in der Nähe des bayerischen Bahnhofs, hält 1| Mich Qua- dratschuy. Die. nach dem Plan unseres genialen Archi­tekten Lipsius zu errichtende Festhalle wird 70,000 Thlr. bcrzustellcn kosten, doch wird der Festausschuß nach Rückgabe der zu derselben gebrauchten Materialien nur noch 28,000 Thlr. zu erlegen haben. Sie wird ein längliches Viereck von 60 Ellen Breite und 324 Ellen Länge bilden, und ihrer Längsrichtung aus einem Mit­telschiff und zwei Seitenschiffen bestehen. Die Vorder- fayade wird durch einen großen Mittelbau mit zwei 55 Ellen hohen Thürmen ausgezeichnet, au den Seiten der Halle werden sich zwei 50 Ellen hohe Thürme erheben. Der innere Raum der Halle wird Sitzplätze für 6000 Menschen gewähren. Die Anlage des Büffets, Küchen rc. ist entsprechend kolossal; 250 Jteüifer werden serviern, 2005 Dutzend Teller, 2000 Schüffe'n, 6000 Paar Messer und Gabeln, etwa 10,000 Biergläser rc. vorrä­tig gehalten werden. Der Festturnplatz bietet in der Mitte einen 252,000 Qnadratschnh enthaltenden Raum zur Ausübung von Maffen-Freiübungen (durch ungefähr 10,000 Blaun) dar. Im ganzen werden 600 Turnge- räthe ausgestellt, und zwar 200 Recke, 200 Barren, 200 Sprunggeräthe, darunter 80 Pferde, 40 Böcke, 40 Freispringel und 40 Sturmspringel. Die Kosten für Beschaffung und Aufstellung dieser Geräthe sind auf 3142 Thlr. veranschlagt. Auf der Westseite des Fest- werden sich zwei Zuschauer-Tribünen erheben, je Ellen lang und 37 Ellen breit, die zusammen 10,030 Personen Raum gewähren.

,~ Die jungen Dänen, in deren Händen die Rechts- Pslegx in Lchleswig und Holstein ruht, geben bekannt- r h^en Gelegenheit zur Bewunderung ihrer hohen Gemalttat. Einen neuen und höchst interessanten Beleg dafür liefert nachstehendes Erkenntniß, das vor kurzer Zeit von dem Gerichts'chreiber Holm zu Leck ge­gen einen jungen Hofbesitzer aus der Marsch in Abwe- Ifuheit des Hardesvogts abgesprochen wurde. Es zeigt eine geniale Fortbildung des Begriffs der Injurie und rrgnet sich wohl zur Veröffentlichung. Der Wortlaut

ist:Es ist darauf in Erwägung, daß G. Schü . aus Langstoft am gestWgen Maiktabend in ein^ sigen Tanzlocal geäußert, er tanze nur schlesws^'lc ische Tänze und später wider die Gensdarmerle geäu^-.. »r seiein ächter Schleswig-Holsteiner"; in Erwägung, daß er sich cinestheils eines öffentlichen Aergernisses schuldig gemacht, andererseits auch die Gensdarmerie durch die wider selbige gebrauchte Aeußerung, er, T., seiein echter Schleswig-Holsteiner"beleidigt habe (!) für Recht erkannt daß G. Sch. T. aus L. wegen in Trunkenheit veranlaß­ten Aergernisses (!) und Beleidigung der Gensdarmerie (!) schuldig, binnen drei Wochen an die königliche Tonder Amistube eine königliche Brüche von 5 Thlr. zu entrich­ten, auch schuldig sei, die Detentionskosten zu erstatten."

(Kühne Fluchtversuche.) Am letzten ^Donnerstag ist ein von Krakau zur Juternirung nach Olmütz mit dem Bahnzug abgeöaugener Insurgent bei Wola Filipowska, während der Zug im vollen Gange war, aus dem Waggon gesprungen. Ein Soldat der Eskorte erfaßte denselben beim Schoß der Czamara, und hielt den Flüchtling so lange, als das Zeug des Rockes hielt. Dieses riß, und der kühne Springer stürzte nie­der und scheint unverletzt davon gekommen zu sein. Aehulich ist Folgendes. Ein der Defraudation beein- zichtigter Beamter der ffarl Ludwigsbahn, Namens R., sprang bei Bierzanow aus dem Waggon, der ihn escor- tirende Gensd'arm setzte aber in voller Armatur ihm nach, erfaßte ihn und bat ihn ganz höflich in den mitt« lerwcile zum Stehen gebrachten Zug wieder Platz zu nehmen.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrachsamt Hersfeld-

Die Bekanntmachung des Vorstandes des hahier bestehenden Vorschuß-Vereins wird hierdurch zur Kennt­niß der Ortsvorstände des hiesigen Kreises mit der Aufforderung gebracht, ihre Gemeindeglieder über die