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Hcrsfeirer Unze, g c r.

Nr». 44» Hersfeld, den 3, Juni, 063*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

D e i n e Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Oberfinanzrath Carl Hermann Asbrand bei dem Ober -Steuerkollegium auf sein allcruuter- thäuigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen;

dem vvm Erblandpostmcister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Secretär bei dem Ober- postamie in Kassel in Vorschlag gebrachten Post- Assistenten Georg August Wolfs, sowie

dem zum Assistenten bei dem Postamte in Marburg in Vorschlag gebrachten Post-Praktikanten Heinrich Fösser die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen, und

den Kreissecretar Ferdinand Schick zu Kirchhain in gleicher Eigenschaft nach Schlüchtern zu versetzen.

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veröffentlicht ein wiener Blatt folgendermaßen: „Als Kaiser Alexander im vorige» Jahre das Innere Ruß­lands bereiste, kam er in ein kleines Städtchen, woselbst die Juden, als die fast einzigen Bewohner -des Ortes, ihm ihre Aufwartung mit dem üblichen Gepränge und der schuldigen Ehrerbietung machten. Dem Blick des Kaisers entging nicht ein Greis, dessen weißer Bart bis an den Gürtel reichte und dessen Brust ein militärisches Ehrenzeichen schmückte. - Der Kaiser erkundigte sich näher nach diesem Mann und erfuhr, daß er Chasün Oelblatt heiße, daß er viele Jahre reibst gewesen und bei sei­nen Glaubensgenossen im Gerüche dcr Heiligkeit stehe. Derselbe sei ein sogenannter ßbafyib Qo heißen in Po- kn Diejenigen, die bei den dortigen Juden der niede­ren Klassen im Gerüche der Heiligkeit stehen), der jede animalische Kost verschmäht, und seit nahezu 50 Jahren riühre er sich ausschließlich von Brot, Zwiebeln und Branntwein. Der Mann flößte dem Kaiser Interesse ein, und derselbe äußerte den Wunsch, den Chaszid nä­her rennen zu lernen, in Folge derselbe vor den Kaiser geladen wurde. 1'01 den üblichen Segenssprüchen trat der Greis vor den Czaren. Dieser dichtete an ihn die Mage, wie und wo er das ihn ehrende Zeichen an der Brust erworben. Oelblatt erzählte dem Czaren, daß er

unter Suwaroff den Feldzug in Italien mitgemacht, wo er gegen die Franzosen in vielen Schlachten gefochten, und da er in einer derselben seinem Obersten das"A^en gerettet habe, so wurde er mit der Decoration ausge­zeichnet. — Bist Du je verwundet worden? fragte der Czar.— Der böse Feind hat über mich keine Macht — entgegnete der fromme Mann — ich stand unzählige Male im dichtesten Schlachtengewühle, und kein Haar ward mir verletzt. — Ich höre, Du bist ein frommer Mann — erwiderte der Czar, — doch Andere verehren gleichfalls Gott^und doch fallen Sie als Opfer in den Schlachten— Sie besitzen nicht das Wundermittel, das fie vor dem Tode schützt. — Nenne mir dieses Mittel. — Es kann Dir nichts nutzen, entgegnete der Jude; nur die Engel Gottes können Dir es nennen, und diese thun es nur auf'Geheiß Gottes. Der Kaiser lächelte. — Man sagt mir, Du sähest auch in die Zukunft. Werde ich lange regieren, werde ich glücklich sein, werden meine Pläne gelingen? — Du wirst nicht so lauge regieren, wie Dein Vater — antwortete der Ketzer—wirst aber glücklicher sterben, als er starb. Dein Vater war glück­lich im geben, der erste Schlag des Mißgeschicks brach ihm sein Herz. Du wirst im geben viel Mißgeschick ha­ben, doch bei Deinem Ende nicht unglücklich sein. Aber­mals lächelte der Kaiser. — Der Chaszid bemerkte dies und sprach: Du hast den Juden manches Gute gethan, das wird Dir hoch angerechnet werden; doch ehe ein Jahr vergeht, wird Dein Reich einem Flammenmeere gleichen; vergebens wirst Du Dich anstrengen, dasselbe zu löschen. Du wirst den Oelbaum des Friedens- an- pstanzen und wirst den Schatten unter demselben finden. Drei Könige werden Dich bekämpfen, das wird Dir nicht schaden; doch daß Deine eigenen Volker Dich be­kriegen werden, das wird Dir viel Kummer verursachen. Der Kaiser ward ernst und nachdenkend, als er diese Prophezeiung hörte. — sprachst Du die Wahrheit, fragte er den Chaszid, so gieb mir einen Beweis dafür. — Der Mensch soll nicht Gott versuchen, sagte der Chaszid; — doch damit Du wissest, daß ich wahr gesprochen, so erfahre: In einer Stunde wird ein Bote Dich ereilen und Dir eine Mittheilung machen, daß auf einen Dei­ner eifrigsten Diener ein Mordversuch gemacht und daß- dieser glücklich abgewendet wurde. Glaube dem nicht;