Nr. 35t Hersfeld/ den 2. Mai. 1963;
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Oberzahlnwistcr, Rechnungsrath Theodor Cornelius Arnold zu Kassel auf sein allerunterthäniz- stes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen und
den Bahnmeister Hugo Thamer zu Fronhausen zum Bahnmeister für die Bahnstrecke Trcysa-Neustadt auf Widerruf zu ernennen.
Ein deutscher Reformator i» Dänemark.
Von Hermann Kleinsteuber.
(Fortsetzung.)
»Ich wollte Ihre Majestäten um die Erlaubniß bitten, meine Stelle niederlegen, einen Hof und ein Land verlassen zu dürfe», wo ich mich von meinen Feinden umgeben sehe", sprach Struensee mit bebender Stimme.
Die Königi» war sichtlich überrascht.
„Was sagt mein Genial zu diesem seltsamen Entschlüsse?" fragte sie, sich zum Könige wendend. Aber dieser greisenhafte, oder, wenn man will — kindische Jüngling trieb bereits auf der entgegengesetzte» Seite des Zimmers seine albernen Possen mit dem Hunde.
Er balgte sich wie ein Kind mit dem Jagdhunde. Mathildeus Blick kehrte sich mit einem tief schmerzlichen Ausdrucke von diesem widerwärtigen Bilde zurück.
„Der König erklärt sich mit Dem einverstanden, was Jhro Majestät beschließe» werden", sagte Strueu- see in leisem, niedergeschlagenem Tone — er verstand den schmerzlichen Blick der Königin.
»Unmöglich, Struensee!" erwiderte sie nach einer Pause. Ein so unmännlicher Entschluß kann nicht aus Jhreni Herzen kommen. Wen fürchten Sie, wenn wir Sie beschützen? Wer darf Sie kränken, so lange Ma- thuve Christians Bemalin ist? Sie sind uns unentbehr- ltch geworden. Will nun der Steuermann das Schiff im Sturme verlassen?"
„O,. uwiue Königin", rief Struensee tief ergriffen, „zweifeln Lie nicht au meiner Dankbarkeit, an meiner Ergebenheit bis zum letzten Hauche der Seele. Nicht die Gefahren, welche mich umgeben, fürchte ich; aber
mein längeres Bleiben würde den Hof in eine immer mißlichere Lage bringen; ich würde meine Königin mit in das eigene Verderben hincinreißen. Wenn sie mich zu bleiben nöthigte — wer sollte Sie beschützen vor der zunehmenden Gewalt unserer gemeinschaftlichen Feinde! Von Ihrem Genial", fügte Struensee leiser hinzu, „können Sie keine Unterstützung hoffen, wenn unsere zahl- reichs» Feinde sich verschwören und Mittel und Wege finde», in Brandts oder Bergers Abwesenheit den König mit Bitte» und Drohungen zu bestürmen."
„Wer sollte mich aber beschütze», wenn Sie uns- verlassen?" rief die Königin voll lebhafter Angst. „Wem könnte ich. mich »»vertrauen! Wer sollte mir helfen, meinen schwachen Einfluß auf den König zu behaupten? Ich -würde allein und verlassen an diesem Hofe stehen, ein Spielball für die Ränke aller Derjenigen, die wir einst zum Heile des Landes entfernten. Bleiben Sie also!" fügte die Fürstin hinzu, und eine feuchte Wolke bedeckte den Glanz ihres blauen Auges.
Noch zauderte Struensee.
„Es wäre nicht mehr Muth, es wäre Tollheit, wenn ich länger das Ruder in Händen behielte."
Da zuckte die schöne Königin heftig zusammen und im nächsten Augenblicke stürzte sie vor dem Minister auf die Knie, die Hände flehend emporstreckend.
„Bleiben Sie, oder Sie werden mich zu einem Schritte zwingen, welcher mein Verderben entscheidet!" flüsterte sie in höchster Erregung.
Struensee erschrak vor dieser Situation; er kannte den Muth dieser verehrten Frau; er fürchtete, sie möchte eine Drohung, wahrmachen, die er nur halb zu verstehen wagte, darum hob er die Kniende rasch empor und küßte mit Innigkeit ihre Hand.
„Gut", sprach er entschlossen, «ich werde auf meinem Posten ausharren, möge kommen, was das wolle!"
„Schwören Sie mirs, Struensee!"
„Ich schwöre es Jhro Majestät!"
Damit war das verhängnisvolle Schicksal Beider entschieden.
Der König, der endlich näher herbeikam, schien sich über den Entschluß. Struensees zu freuen. Noch mehr aber entzückten ihn die Kunststücke seines Hundes. Er eilte mit ihm in den Park hinab, wo seine Pagen, ein