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nigin, die er sich durch seine Ausschweifungen entfremdet hatte. Dies war das beste Mittel, dem Wüstling edlere Gefühle einzuflößen. Durch diesen Dienst verbandest Du Dir zugleich die Königin. Durch ihr Wohlwollen wurde Deine Stellung bei Hofe befestigt, und nun gingst Du an das große Werk, Dänemark zu reformireu, es aus dem Elende zu erretten, worein es Despotismus und Verschwendung gestürzt hatten. Du wolltest die Vorurtheile in Feffeln legen, Menschlichkeit und Gerech­tigkeit walten lassen. Um dies Ziel zu erreichen, muß­ten alle wichtigen Staatsämter mit Deinen Anhängern besetzt und die bisherigen Inhaber derselben entfernt werden. Diese alle sind nun nebst den verabschiedeten Günstlingen Deine erbittertsten Feinde."

„Was können sie mir anhaben, wenn das Volk auf meiner Seite steht?" versetzte der Minister.

„Wo ist aber das Volk, auf dessen Beistand Du zählst? Indem Du die deutsche Sprache in Deinen Edicten und im Verwaltungs- und Gerichtswesen ein- führtest, hast Du das Nationalgefühl der Dänen belei­digt, die ohnedies auf das deutsche Element stets eifer­süchtig wäre«. Die Geistlichkeit verschreit Dich als Atheisten, denn Du hast sie in ihrer Orthodoxie verletzt. Der ganze Adel haßt Dich tödtlich, denn Du nahmst ihm die einträglichen Sinecnrcn und Ehrenstellen, Du gabst die Verordnung, daß jeder Gläubiger seinen Schuld­ner in Verhaft nehmen könne, wie hoch auch sein Stand sein möge. Dadurch hast Du dem verschuldeten Adel den Aufenthalt in der Residenz verleidet. Du hast ihn mittelbar gezwungen, seine mäßigen Einkünfte auf dem platten Lande zu verzehren. Sie hegen nun den Grimm der Verbannten gegen Dich. Nachdem Du nun gar den neuen Titel eines geheimen Cabinetsministers angenom­men hast mit der unerhörten Vollmacht, daß alle von Dir unterzeichneten und mit dem Cabinetssiegel versehe­nen Verordnungen dieselbe Gültigkeit haben sollen, als wenn der König selbst sie unterschrieben hätte, nachdem Du auch dieses gethan, sieht das ganze Volk in Dir ei­nen Usurpator, welcher nur darnach strebt, sich der Krone zu bemächtigen. Wo ist also das Volk, auf welches Du zählst? — Denke an den Kanzler von Uhlfeld und von Erifsenfeld! Beide opferte der Hof bet' Rache ihrer Feinde. Das ist das Loos, welches auch -Dir droht, und man wird Dir, wenn irgend möglich, den Proceß machen. Sei daher wenigstens darauf bedacht, Deine Papiere in Ordnung zu halten."

„Sie sind es",. versetzte Struensee kalt und etwas zerstreut; „von dieser Seite habe ich nichts zu befürch­ten, wenn man anders gerecht sein will."

. „Wenn es nicht Furcht vor Deinen Feinden ist, so bedrückt Dich etwas Anderes", bemerkte Brandt mit einem forschenden Blicke in des Freundes Auge. Dein Herz ist unheilbar krank, Du hegst eine hoffnungslose Leidenschaft, Du liebst — die Königin!"

«,-Mein Gottl" rief Struensee überrascht und ver­barg das Gesicht mit beiden Händen,

„Also das!" sagte Brandt nach einer nachdenklichen Pause, „das ist es, was jetzt alle Deine Geisteskräfte in Anspruch nimmt und Deinen sonst so klaren staats- männischen Blick verdunkelt. Ich fürchte, diese Leiden­schaft wird- Dein Verhäugniß. Aber dies ist nur ein Grund mehr, Deinen raschen Gang etwas zu mäßigen. Man muß erst Mittel gegen die Aufregung der Gemü­ther ausfindig machen und auf jede weitere Neuerung verzichten, bis man die in allen Classen der Gesellschaft sich zeigende Unzufriedenheit hat austoben lassen. Du kannst nicht auf der Gunst des Königs fußen, denn er ist immer^bereit, Dem nachzugeben, welcher zu ihm ge­langt. So eifrig wir ihn auch, bewachen, ich und unser ergebener Freund, der Leibarzt Berger: wer bürgt uns dafür, daß unsere Feinde nicht dennoch ihn gelegentlich überrumpeln? (Fortsetzung folgt.)

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsamt Hersfeld.

Der unterm 15. April v. I. wider Johann George Kreutzburg aus Herfa erlassene Steckbrief wird als er­ledigt zürückgezogen.

Hersfcld, am 22. April 1863. .

Kurfürstliches Landrathsamt. Auffarth.

Gefunden: ein Ring mit Steinchen, welchen der Eigenthümer dahier in Empfang nehmen kann.

Hersseld, am 23. April 1863.

Kurfürst!. Landrathsamt. F. d.Landrath v. Dernbach.

Nach einer Mittheilung der Großherzoglich Sächsi­schen Bezirks-Direction zu Dermbach ist am 19. l. M. ein toller Hund, nachdem er zunächst in Kaltennordheim, wo sein Herr wohnt, mehrere Hunde gebissen, von da fortgelaufen und hat seine Richtung fast von Ort zu Ort über Zella, Dermbach, Oechsen, Wölferbütt, Völ- kershausen nach Sünna zu genommen, und an verschie­denen Orten Hunde gebissen. — Derselbe ist klein, hang- haarig und schwarz, Bastard von Spitz und Pudel. Da er möglicher Weise in das diesseitige Gebiet gelangt sein könnte, so werden die betreffenden Ortsvorstände angewiesen, auf denselben achten zu lassen und zu treffen­den Falles genau nach dem diesseitigen Ausschreiben vom 23. März 1858 zu verfahren.

Hersseld, am 24. April 1863.

Kurfürstliches Landrathsamr.

Für den Landrath v. Dernbach.

Die Wittwe des Taglöhners Johannes Gebühr Anna Martha geb. Ruch von Heringen hat um Erthei- lung eines Reisepasses nach Amerika für sich und ihre Tochter Catharina Elisabeth Gebühr sowie um Entlas­sung ihres Sohnes Johann Adam Gebühr aus dem kur-