Einzelbild herunterladen
 

9^4 33» HerSfeld, den 25, April. 1963*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königli-che Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Obergerichtsrath Dr. Otto Bähr zu Kaste! zum Mitgliede der Direction des Staatsschatzes zu ernennen;

den Obercontroleur Carl Rudolph Weschke zu Fulda als Steuererheber zu dem Steueramte in Schmalkalden zu versetzen;

den außerordentlichen Professor an der Universität Bonn Dr. Leopold Schmidt zum ordentlichen Pro­fessor der Philologie und Director des philologischen Seminars an der Landesuniversität Marburg, und den praktischen Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer Dr. Heinr. Knatz zu Kassel provisorisch zum Physi- katsassistenten und Amtswundarzt für das Amt Netra mit dem Wohnorte daselbst zu bestellen;

den Amts-Assessor Konstantin S ch u ch ardt in Fulda zum ordentlichen Criminalgerichts-Assessor bei dem dasigen Criminalgericht zu bestellen, und

zu der vom Erblandpostmeister, dem Herrn Für­sten von Thurn und Taxis, in Vorschlag gebrachten Versetzung des Postmeisters Carl Lebrecht Bode zu Einteln in gleicher Eigenschaft nach Marburg die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu ertheilen.

Ein deutsche«? Reformator in Dänemark. *)

Von Hermann Kleidender.

I.

Graf Struensee, königlich dänischer Cabinetsminister Christians VII., ging mit ernstem Sinnen in seinem Ca- binet auf und nieder. Wie schön war der junge Mann I Blond, sehr gut gewachsen, von regelmäßiger Gesichts­bildung, außer daß die Nase ein wenig zu lang schien, von großer gefälliger Gestalt ohne weibisches Wesen, mit Augen voller Lebhaftigkeit, von einer angenehmen und freien Haltung. Vor kaum zwei Jahren noch ein­facher Arzt bürgerlicher Abkunft inAltona, hatte er nun den Gipfel irdischer Größe erstiegen.

*) Aus dem „Jllustrirtcn FamllieN'Journal«.

Zu ihm ins Zimmer trat ein kräftiger junger Mann mit dunklem Antlitz. Es war Graf Brandt, ehemals bürgerlicher Kammerjunker, sein vertrautester Freund, der jetzt das Amt eines Oberkammerherrn bekleidete. Nach den gewöhnlichen Begrüßungsformeln hob er an:

„Die Unruhe, in welcher wir beständig leben müssen, läßt mich wünschen, daß dieß Alles bald zu Ende sei."

„Was verstehst Du unter dem Letzter»?" fragte Struensee besorgt.

„Nun, unsere Feinde meine ich. Entweder mußt Du sie alle, auch die höchstgestellten, stürzen und un­schädlich machen, oder. . ."

„Es kann Defn Ernst nicht sein, mir solche gewalt- thätige Maßregeln anznrathen", unterbrach ihn Struensee.

„Gut! dann zeige Dich auch nicht so unbeugsam gegen sie; gieb den Umständen nach."

„Nein," entgegnete der Minister mit großer Leb­haftigkeit, „nein, ich werde nichts aufgeben, was mir dem Wohle des Staates zu dienen scheint."

„Du kennst den Boden schlecht, auf dem wir steheen", erwiederte Brandt mit Nachdruck und Wärme. Ich bitte Dich, mich anzuhören. Ich werde Dir Unsere Lage schildern, ohne im Mindesten zu übertreiben. Als Leib­arzt des Königs und als Begleiter auf seinen Reisen nach Paris und London hattest Du oft Gelegenheit, Dich mit Deinem Monarchen vertraulich zu unterhalten. Du be­nutztest diese Gelegenheit, ihm mit Aufrichtigkeit und ohne Zurückhaltung Alles zu sagen, was Dir ersprießlich für ihn. Du. ließest Dich nicht davon durch die Furcht abhalten, seine Gunst zu verlieren, obwohl Du sahst, wie kalt er Diejenigen behandelte, die ihn von seinem thatenlosen, thörichten und ausschweifenden Lebenswandel zurückbringen wollten. Durch diesen Freimut!) gewannst Du endlich einigen Einfluß aus den charakterlosen Jüng­ling. Du vermochtest ihn dazu, Diejenigen aus seinem Rathe und aus seiner Umgebung zu entfernen, die ihn immer tiefer in das Netz niedriger Sinnenlust zu ver­stricken suchten, um ihre eigene Macht zu vergrößern."

„Daß ich den König nicht früher retten konnte!" sagte Struensee.. „Es war leider zu spät. Die Kräfte seiner Seele und seines Körpers sind für immer zerstört."

„Du thatest was Du konntest", fuhr Brandt fort; „Du versöhntest ihn mit der jungen vyrtrefflichen Kö-