HcLSfcldec Anzeiger.
Nkp. 2.. Hersfeld/ den 7. Januar. 1863>
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zwetuial, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- "schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Generallieutenant von Haynau, Commandeur der Infanterie-Division, in den Ruhestand zu versetzen.
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Mus dem spanisch - französischen «Kriege»
Von Dr. Speck-
Es sind nun fünfzig Jahre, so erzählte mir mein alter Onkel, daß wir Westphalen unter König Jeromes nichtswürdiger Regierung gezwungen waren, den französischen Fahnen zu folgen und die Spanier mit unterdrücken zu helfen. So empfindlich uns anch der'Ge- Waltbefehl erschienen war, gleichsam wie die alten deut- schen Landsknechte in der Fremde für französische Interessen zu fechten, so mußten wir doch, einmal in Spanien angelangt, alle unsere Scrupel fallen lassen, und die Welt weiß, daß die Deutschen im spanisch französischen Kriege nicht die schlechteste Rolle gespielt haben.
Aber welch ein Kampf! — Oft mußten wir in vollständig ausgehungerten Gegenden ausharren und doch jeden Augenblick gegen den Rachedurst der geknechteten Spanier gewappnet sein.
Das westphälische Regiment stand mit unter Mas- senas, des Habgierigen, Oberbefehl. Das Hauptcorps war damals vor Badajoz, das, von den Engländern unterstützt, sich hartnäckig vertheidigte. In unserm Lager war Mangel an Allem eingetreten, denn der Obergeneral, von seinen Ränbereiell in Italien her genugsam bekannt, sorgte weniger für seine Soldaten, als für seine eigne Schatulle. Es waren daher auf allen Seiten der Heerabtheilung Detachements zu Requisitionen ausgesandt
Auch mir wurde das nicht beneidenswerthe Vergnügen zu Theil, mit auszumarschiren. Capitän Vaillant erhielt den Befehl, mit einem Detachement von 120 Mann, halb aus Westphalen, halb aus Franzosen be- steheird, womöglich Lebensmittel und Wein zu beschaffen.
Dem Capitän war der Befehl gar nicht so unbe
quem gekommen; es war doch, einige Abwechselung zu hoffen, und an der Spitze von 120 Mann ließ sich schon so Manches ausführen. Also, frisch vorwärts I — Leider waren aber die Landschaften des uns angewiesenen Districts vollständig ausgesaugt; man fand nur verbrannte Dörfer und verwüstete Fluren und hier und da halbverhungerte Weiber und Kinder, denn die Man» ner standen im Kampfe gegen ihre Unterdrücker. Miß- muthig beschloß der Capitän, dem erhaltenen Befehle entgegen, etwas zu wagen und die ihm als Grenze bezeichnete Gebirgskette zu überschreiten.
Ja, das war eine ganz andere Gegend I — Wir meinten ins gelobte Land gekommen zu sein, und der Capitän war glücklich über seinen klugen Einfall. Hier mußte sich glänzend fourragiren lassen, und der gelungene Erfolg mußte dann auch die Ueberschreitung des erhaltenen Befehls rechtfertigen.
Am Thalabhange prangte ein fettes Kloster — das mußte uns reichlich entschädigen für die gehabten Strapazen. Der Capitän labte sich schon im Voraus an den vollen Weinkrügen. — Bald stand die Schaar vor der Pforte, der Tambour wirbelte und durch das geöffnete Thor zogen jubelnd die hungernden Soldaten. Blau bemerkte im Kloster auf der Stelle, wonach wir verlangten, und bald wurden Körbe mit Lebensmitteln aller Art aus der reichlich gefüllten Klosterküche herbeigeschafft und der Bruder Kellermeister schleppte in höchsteigener Person weiigefüllte Bockshäute in den Hof zu der dort auf ihren Tornistern lagernden Mannschaft.
Mit ausgesuchter Höflichkeit wurden wir aufgenom- meu. Der Prior selbst führte den Capitän in eine reinliche Zelle, die er ihm als Nachtquartier bezeichnete, und dann ins Refectorium, wo seiner ein köstlicher La- betrunk und eine reich besetzte Tafel harrte.
— Waluhaftig, die Pfaffen verstehen zu leben ! dachte der Capitän und strich sich schmunzelnd den langen Knebelbart.
Bet dem heitern, von dem vortrefflichsten Weine belebten Tischgespräch verstand es der kluge Prior, her dem tapfer trinkenden Capitän die Bitte vorzubnngen, die heiligen Mauern des Klosters mit der Einquartirung des Commandos zu verschonen. Die Soldaten könnten ja in dem kaum einen Flintenschuß entfernten Dorfe