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Str. 99* HerSfeld, den 10, December. 189»*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bet der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7f Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlaz hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bet Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

UWWJ. I

Horks That siir Deutschland.

Von K. W. von Derueck.

(AuS dem Jllustrirten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Aufgefangene Marketender vom Massenbachschen Corps (also von Macdonald) sagten aus, daß Alles vorüber und nur noch eine kleine Arrieregarde zurück sei, was auch ganz richtig war. Dieser den Rückzug abzuschneiden, stellte sich Diebitsch auf, stieß aber nun auf die Kleistsche Colonne von den Dorischen Truppen, deren Stärke ihn von Gefangenen auf vier Bataillone, zwei Escadrons und eine Batterie angegeben wurde. Er war derselben also nicht gewachsen, entwickelte aber seine'ilberlegene Cavallerie und schickte einen Parlamen- tair zum General Kleist, um ihn zu einer Unterredung einzuladen, da ihm der Weg verlegt sei und unnützes Blutvergießen vermieden werden solle.

Kleist antwortete, daß er sich auf keine Unterredung einlassen könne, weil er nicht der Commandirende sei. General $orf, der noch zurück, werde jedoch am Abend eintreffen; bis dahin möge man die Sache auf sich be­ruhen lassen.

Diebitsch erfuhr dadurch zu seiner großen Freude, daß er nicht die Arrieregarde, sondern die Hauptmacht des preußischen Corps von Macdonald getrennt habe, und obgleich er zu schwach war, diese, wenn sie es ernst­lich meinte, aufzuhalten, hoffte er doch jetzt eine Ver­ständigung mit Iork herbeizuführen.

Aork hatte schon auf dem Marsche die Meldung bekommen, daß seine eigene Arrieregarde und der Train vom Feinde beunruhigt würden, er verstärkte dieselbe und setzte mit der Colonne seinen Marsch fort, als er sich nun mit Kleist vereinigte, fand er .den Feind auch vor sich und hielt es denn für angemessener, die Unter, redling mit Diebitsch anzunehmen. Beide sprachen sich am Abende des 25. December.

Diebitsch war edel genug, seine Streitkräfte nicht stärker anzugeben, als sie waren; er legte auch kein Ge­wicht daraus, ob und welchen Schaden er dem preußi­schen Corps zufügen könne; der Hauptinhalt deS Ge­

sprächs betraf die politische Lage der Dinge. Er er­klärte, daß die russischen Generale vom Kaiser angewie­sen wären, die Preußen nicht wie eigentliche Feinde zu behandeln, und schlug dem General Dork einen Neutra­litätsvertrag vor. Aork band sich noch nicht durch-«»!» .v/ bestimmte Antwort: der kühne Schritt erschien HnVaÄ^ Soldaten noch nicht gerechtfertigt. Es wurde nur ver­abredet, daß ohne eigentlichen Waffenstillstand die Feind­seligkeiten einstweilen eingestellt werden sollten, Aork eine Necognvscirung Behufs einer Umgehung Diebitschs unternehmen und dieser sich ihm wieder entgegenstellen solle. Dork bat, ihm künftig einen der ehemals preußi­sche» Osficiere zur Unterhandlung zu schicken, und Die- bttsch beauftragte damit den Oberstlieutenant von Clause- witz. Gleich darauf ließ der preußische Feldherr den Major und Flügeladjutanten Grafen Henckel von Don, nersmark nach Berlin abgehen, um dem Könige Bericht über die Lage des Corps abzustatten, und ihn zugleich auf kommende Ereignisse vorzubereitcn.

An den drei folgenden Tagen setzte Iork dennoch seinen Marsch nach Tauroggen fort, wo ihm Macdonald den Sammelpunct angegeben hatte. Diebitsch mußte dadurch mißtrauisch werden, obgleich Iorks Erklärung, daß er die Sache noch ein paar Tage verschieben wolle und daher noch nicht stehen bleiben könne, gerechtfer­tigt war.

Iork wartete von Tag zu Tag auf seinen Adjutan­ten Seydlitz, durch welchen er die Befehle oder wenig­stens die Gesinnungen des Königs zu erfahren hoffte; als Soldat glaubte er außerdem, wenigstens um den Schein zu retten, einen Versuch machen zu müssen, sich mit Macdonald zu vereinigen. Macdonald hatte ihn jedoch bei Tauroggen nicht abgewartet, auch nicht einmal zu seiner Aufnahme die verfügbare Kavallerie (sechzehn Escadrons mit zwei Batterien) dort stehen lassen, son­dern war hinter die Memel gegangen.

Dock wollte nun am 29, Ruhetag machen und am 30 aus Tilsit -niarschiren, als einerseits seit Adjutant von Berlin eintraf, anderseits Diebitsch, um die Sache, die er fast schon für verloren gab, zur Entscheidung zubrin-- gen, Clausewitz mit zwei wichtigen Schreiben an Dork schickte, wodurch endlich der große Entschluß in der Seele des Feldherrn zur Reife gedieh.