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Hers selber Anzeiger.

Nr. S8.

HerSfeld, den 6. December.

1863t

Der „Hersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlaz hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Docks That snv Deutschland.

Von K. V. von Dcrueck.

(AuS dem Jllustrirten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Iork richtete also am 26. ein Schreiben an den Marschall, in aller dienstlichen Form und mit der Ach­tung, die er seinem Vorgesetzten schuldig war, abgefaßt, in welchem er erklärte, daß er jenen Ungebührlichkeiten nicht länger zusehen könne, sowohl wegen der Erhaltung der Truppen, als der Pflichten, die er gegen seinen Kö­nig habe. Diese letzte Stelle erschien dem Franzosen, der bei seinen Bundesgenossen nur Pflichten gegen den Kaiser anerkannte, eine unerhörte Anmaßung und er ant­wortete Kork mit den bittersten Vorwirrfen und persön­lichsten Beschuldigungen über bösen Willen sowie täglich sich aussprechenden Haß gegen Napoleon und Alles, was französisch sei. „Wenn die preußischen Pferde crepiren", schloß das Schreiben, „so ist es nicht ans Hunger, son­dern aus Dickleibigkeit." Gewiß eine eigenthümliche und kühne Behauptung.

Was Macdonald, welcher „der liebenswürdigste Mann in ganz Frankreich" sein sollte, bei seinem sonst unleug­bar edlen Charakrer zu so leidenschaftlichen Ausfällen gegen Iork veranlaßt, ist nicht aufgeklärt worden. Ob fremde Einflüsse absichtlich schon länger durch hinterlistige Aufhetzereien Mißtrauen und Zwietracht zwischen Beiden genährt, ob Moreaus Adjutant, Rapatel, wie erzählt worden, auch an Macdonald eine Aufforderung zum Ab­fall von Napoleon gebracht und dabei Korks unvorsichtig erwähnt, so daß der Marschall Verdacht fassen mußte, oder ob es, wahrscheinlicher, die Absicht war, den unbe­quemen Mann durch Beleidigungen zur Niederlegung seines Kommandos zu bewegen — wer kann es wissen? Der Chef des Generalstabes Oberst Terrier, überbrachte das Schreiben 5h Person, und Kork, der schon im Bette lag, mußte deshalb geweckt werden. Er bewährte seinen Charakter. Was auch in ihm vorgehen mochte, als er den Brief las, kein äußeres Zeichen verrieth es. „Der Inhalt ist zu wichtig, als daß ich ihn augenblicklich be­antworten könnte," sagte er ruhig zu dem französischen

Obersten. „Der Marschall wird meine Antwov^mor^ V gen, noch vor Mittag erhalten." — „Aber was ?&$eit^; / 'Sie thun?» rief der heißblütige Franzose, seine niß vom Inhalte des Schreibens und auch wohl von dessen Absicht verrathend.— Mich wieder zu Bett legen, sobald Sie mich verlassen haben," antwortete Kork, und der Bote des Marschalls, von dieser Kälte erstarrt ver­abschiedete sich.

Kork meldete den Vorfall augenblicklich durch Esta­fette an den König und fertigte, drei Tage später, einen Officier vom Generatstabe mit specielleren Berichten nach Berlin, sowie einen andern an den preußischen Gesand­ten in Napoleons Hauptquartier zu Wilna ab. Von beiden Seiten erhielt er beschwichtigende Antworten.

Der König ließ ihm die gnädigste Anerkennung zu Theil werden, erwartete aber in seinem ersten Schreiben, daß Kork in dem gegenwärtigen wichtigen Augenblicke seine schmerzlichen Empfindungen unterdrücke, im zweiten, daß Aork, nachdem er, der König, bei Napoleon die drin­gendsten Vorstellungen gemacht, weder im Kommando des preußischen Corps eine Veränderung zu verlangen, noch dasselbe zu zerstückeln, darin einen Sporn sehen werde sein Vertrauen und das des Kaisers, .seines Alliirten' ganz so, wie bisher zu verdienen.

Das Schreiben des Marschalls hatte Kork am an­dern Tage ernst und fest beantwortet die ihm gemach­ten Anschuldigungen znrückzewicsen und in Bezug auf seine Beschwerden eine unparteiische Commission, über den Angriff auf seine persönliche Ehre, „daß er Reden gehalten, um den Geist des Corps zu verderben", strenge Untersuchung verlangt, damit festgestellt werde, wer ihn verleumdet habe.

Auf diesen Brief erfolgte keine Antwort, wohl aber ein kränkender Tagesbefehl nach dem andern. Außerdem wurde Kork durch Macdonalds Spion Kienbaum bewacht, der mehren Einwohnern Kurlands eine Belohnung von WO Thalern bot, wenn sie ausmitteln könnten, ob dem General russische Bulletins zugetragen würden.

In Riga hatte unterdessen General Paulucci den Befehl übernommen. Die allgemeine Lage der Dinge — es war Anfangs December und das französische Heer an der Beresina vollständig aufgelöst — veranlaßte-ihn,