Hcrs selber Anzeiger.
Nr. sr. Hersfeld/ den 3. December. 18SL. ^-->.
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Docks That für Deutschland.
Von K. V. von Derucck.
(AuS dem Jllustrirten Familien-Journal.)
(Fortsetzung.)
„Scharf, wie gezacktes Eisen", hat ihn eine andere Charakteristik genannt. Jedenfalls war er der rechte Mann für die Stellung, zu welcher er im Jahre 1812 berufen wurde.
Das preußische Corps unter Grawert bestand aus 20 Bataillonen, 24 Escadrons und 60 Geschützen. Die Infanterie commandirte General von Kleist (später Kleist von Nollendorf), die Kavallerie General von Mas- senbach. Dasselbe concentrirte sich am 9. Juni bei 2a» biau, mit Ausnahme des combinirten Ulanen- und eines Husarenregiments, welche zur großen Armee Napoleons gezogen wurden, während das preußische Corps dem zehnten Corps der Armee unter Macdonald, Herzog von Tarent, zugetheilt war. Die Vorposten rückten an den Riemen. Am 15. ging von Berthier, dem Major-General Napoleons, die Benachrichtigung ein, daß die Campagne anfangen würde und die Armee in Bewegung gesetzt werden müsse. Drei Tage später hielt der Kaiser über einen Theil des preußischen Corps Revue. Die feilste Schmeichelei hatte ihm auf seiner Reise durch Deutschland gehuldigt, Am 24. Juni war bekanntlich der Niemenübergang der französischen Armee. Auch das 10. Corps überschritt den Fluß; es wurde eine Avantgarde formirt, deren Kommando Kork erhielt. Bei der Infanterie wurde geladen, bei der Kavallerie waren die Säbel geschliffen. Der Krieg war eröffnet.
Wir folgen dem zehnten Corps, ohne dessen Feldzug ausführlich erzählen zu wollen. Dasselbe bestand aus den preußischen Truppen und der siebenten Armee- division (Grandjean), zusammengesetzt aus Bayern, West- phalen und Polen. Während die Hauptarmee gegen Moskau vorrückte und der rechte Flügel, Sachsen und Oesterreicher, sich nach Volhynien ansbreitete, marschirte das zehnte Corps gegen die Düna und bildete so den linken Flügel der Heeresmassen, welche Rußland nach Napoleons Ausspruch zertrümmern sollten. „In fünf
Jahren werde ich Herr der Welt sein!" hatte er im November 1811 zu Herrn de Pradt gesagt I
Das zehnte Corps war bestimmt, Riga zu nehmen; es rückte in Kurland ein, die Preußen erschienet vor der Festung, und hatten hier während der sechs Monate, welche ihr Feldzug dauerte, lebhafte Gefechte mit den Russen zu bestehen. Wir haben schon erwähnt, tofe^ allgemein der Widerwille unter ihnen war, an der Seite der Franzosen zu kämpfen; dennoch fochten sie, ihrer Fahnenehre eingedenk, mit der rühmlichsten Tapferkeit und mit siegreichen Erfolgen. Die siebende Division stand unterdessen müßig an der Düna. General Grawert war endlich bis Mitte August so krank und geistesschwach geworden, daß er das Kommando niederlegen mußte. Kork übernahm dasselbe am 13. Sehr bald trat zwischen ihm und dem französischen Oberbefehlshaber eine Spannung ein, die ihren Grund in den Auforderun- gen des Letzter» und der mangelhaften Verpflegung, welche von französischen Kommissaren geleitet wurde, theil- weise aber auch in Korks Schroffheit Harte.
Freilich hatten die Preußen bisher fast Alles gethan, was auf diesem Kriegsschauplätze geleistet worden war, und barmn mochte Kork die Operationen Macdonalds wohl einer bittern Kritik unterwerfen.
Noch war der verhaltene Groll nicht zum Ausbruch gekommen, als die Nachrichten von Napoleons Siege bei Borodino und seinem Einzüge in Moskau vor Riga an- kamen. Knrz darauf ließ der Gouverneur der Stadt, General Essen, Kork dringend um eine persönliche Zusammenkunft auf den Vorposten bitten; dieser nahm sie an, und schickte seinen Adjutanten, Major von Seydlitz, voraus, um seine Ankunft anzuzeigen. Offenbar wollte Essen den preußischen General prüfen; er sondirte zuerst den Adjutanten, indem er von den schmerzlichen Gefühlen sprach, Truppen des intimsten Freundes seines Kaisers als Feinde zu sehen, ihm anch versicherte, daß die deutschen Fürsten vor Begierde brennten, das Joch Napoleons abzuwerfen und nur eines Anführers bedürften, dessen große, erhabene Bestimmung allein dem Freunde Alexanders gebühre, und mit der Andeutung schloß, daß keine günstigere Gelegenheit dazu sein dürste, als dieser Augenblick, wo der größte Theil der französischen Armee bei Borodino vernichtet worden sei. Von dem Falle