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NV. S6. Hersfeld, den 29. November. 1^62*

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Ausschreiben des Ministeriums des Innern, vom 27. November 1862, betreffend die Wiedereinberufung der vertagten Stände­versammlung.

Nachdem Seine Königliche Hoheit der Kurfürst die Wiedereinberufung der am 19. d. M. vertagten Stän­deversammlung auf den 4. k. M. allergnädigst verord­net Habens so wird solches zur Nachachtung für Alle, die es ängeht, hierdurch bekannt gemacht.

Kassel, am 27. November 1862.

Kurfürstliches Ministerium des Innern: von Stiernberg.

vt. Bauman n.

Docks That für Deutschland.

Von K. W. von Derueck.

(Aus dem Jllustrirlen Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Da kam das Gottesgericht wollen wir es an­ders nennen? Noch war in Deutschland von dem Schick­sale, welches diegroße Armee" betroffen hatte, nur das bekannt, was Napoleons Bulletins für gut hielren, mitzutheilen; noch waren die Bündnisse und Verträge der deutschen Fürsten mit ihm in voller'Kraft und selbst die Politik Preußens, dessen Volk am tiefsten von jener Schmach betroffen, auch am glühendsten die Franzosen haßte, zu keinem Bruche mit Frankreich entschlossen; da riß die That eines preußischen Generals, im vollen Be­wußtsein der schweren Verantwortlichkeit und mit Ge- f? r seines Kopfes ohne Ermächtigung, aus eigenem Entschlüsse unternommen, Preußen und Deutschland in die glorreiche Bahn, welche die Befreiung vom fremden ^oche zur Folge hatte. Diese kühne That, von höchster Bedeutung für Deutschland, ja für ganz Europa, war Aorks Convention von Tauroggen, geschlossen am 30. December 1812.

. d'tahe vor dem fünfzigjährigen Gedächtnißtage des wichtigen Ereignisses lohnt es sich wohl, den Zusammen­

hang desselben, sowie den charakterfesten Mann, welcher jene That vollbracht hat, unsern Lesern vorzuführen.

Preußen mußte dem französischen Kaiser, wie schon erwähnt, 21,000 Mann, also die Hälfte seiner Armee, zum Kriege gegen Rußland stellen. Es wurden dazu nicht ganze Truppentheile, sondern aus den Regimentern einzelne Bataillone und Schwadronen bestimmt, welche dann combinirte Regimenter bildeten. Die Officiere loosten, da eine allgemeine Abneigung in der Armee herrschte, mit den verhaßten Franzosen gegen alte Ver­bündete zu fechten. Viele preußische Officiere waren deshalb auch schon in russische Dienste getreten. Zum Oberbefehlshaber des preußischen Hütfscorps wurde auf den ausdrücklichen Wunsch Napoleons ver Generallieu- tenant von Grawert ernannt, welcher kein Franzosenfeind war und^raher ein gefügiges Werkzeug zu sein verhieß, um so mehr, als er alt und schwach war:ein sehr kleinlicher. Verstand und Charakter", wie sich ein be­rühmter Militär (Clausewitz) über ihn ausvrückt. Scharn- Horst,Preußens Waffenschmied", der zwar, um Napo­leons Verdacht zu entgehen, von der öffentlichen Leitung des Kriegsdepartements zurückgetr eten war, aber dennoch den König mit seinem Rathe unterstützte, stellte seinem Monarchen vor, daß man bei Grawerts Nachgiebigkeit dort einen Mann von Charakter und Entschlossenheit brauche und daß Niemand sich mehr dazu eigene, als der Generalmajor von Aork. Sckarnhorst kannte seine Leute, er wußte, daß Mrk einer der ausgezeichnetsten Männer der Armee ivar, sehr schwierig zu behandeln allerdings, wie selbst Lcharnhorst erfahren hatte, aber in einer selbständigen Stellung ein Mann im vollen Sinne des Worts, wie er bereits als Generalgouverneur von Preußen bekundet hatte. ^ort wurde" also dem Grawerischen Corps als zweiter Befehlshaber beigegeben.

Aork stand zur Zeit des russischen Krieges in sei­nem 53sten Jahre: er hatte in seiner Jugend, wegen Insubordination cafsirt, den preußischen Dienst verlassen müssen und mehre Jahre in den holländisch-indischen Colonien gedient; von dort zurückgekehrt, war er erst unter Friedrich Wilhelm II. wieder angestellt worden und hatte sich in allen Kriegen ausgezeichnet, so daß er bei der Reorganisation der Armmee nach dem Frieden von Tilsit Generalmajor und Brigadier, t810 General-