K er s fei der Anzeiger.
Ste. SS. HerSfeld, den 26. November. IGGL.
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Horks That snr Deutschland.
Von K. ®. Mit Derurrk.
(AuS dem Jllustrirten Familien-Journal.)
In unseren Tagen, wo der aufrichtige Wunsch Deutschlands Einigkeit und Macht wiederhergestellt zu sehen, die Brust jedes wahren Vaterlandsfreundes beseelt, — mögen die Mittel und Wege, auf denen jenes Ziel gesucht wird, auch noch so verschieden sein — ist es gut und dem Zwecke förderlich, jener großen Zeit zu gedenken, in welcher Deutschland einig war in der begeisterten Erhebung gegen das Joch der Fremdherrschaft. Wenden wir unsern Blick um ein halbes Jahrhundert zurück — welch ein Bild bietet sich uns dar, geeignet, deutsche^ Herzen zornig schlagen zu lassen und die Nöthe der Scham auf deutsche Wangen zu rufen: ein Bild tiefster Schmach und Erniedrigung!
Das deutsche Reich, dessen Ohnmacht seit dem unglückseligsten aller Kriege, dem dreißigjährigen, zum Gespött Europas geworden war, hatte sich aufgelöst; von seinen reichsunmittelbaren Ständen (mehr als zweihundert sonst, welche Sitz und Stimme hatten) waren schon die geistlichen vor einiger Zeit mediatisirt; nun waren all die „kleinen Herren", Reichsgrafen und Reichsritter, Reichsstädte und Reichsdörfer nachgefolgt, „von Napoleons Ungnaden" mediatisirt, und ein „Rheinbund" der nun gebliebenen deutschen Souveräne — mit Ausnahme Don Preußen und Oesterreich — war errichtet worden, unter dem Protectorat des Franzosenkaisers, dem sie fortan dienstbar sein mußten. Preußen war 1806 niedergeworfen, hatte die Hälfte seines Landes cingebüßt, französische Truppen in seine Festungen aufnehmen und sein eigenes Heer auf 42 000 Mann reduciren müssen. Oesterreich war in seinem vierten Kriege gegen Frankreich erlegen und hatte nun den Kampf aufgegeben; ja, das alte Kaiserhaus hatte seine Tochter dem corsischen Advocatensohne, der jetzt die Geschicke Europas beherrschte, vermält. Aus den abgetretenen preußischen, nebst den kurhessifchen, braunschweigischen und hannooerschen Landen war für Napoleons Bruder, Jcroine, den Vater des heute so viel genannten Prinzen Napoleon, ein neues Königreich Wtstphalen gebildet worden, in welchem die
entpörendste Wirthschaft unter Mitwirkung feiler, entarteter Söhne Deutschlands herrschte, auch deutsche Frauen am unsittlichen Hofe zu Kassel ihren Ruhm in der Schande suchten.
Immer weiter in Deutschland hatte die französische Ländergier gegriffen; die ganze Nordseeküste mit den alten Städten Bremen und Hamburg, ferner Oldenburg dessen Herzog vertrieben worden, Lübeck, im Mittelalter das Haupt der Hansa, und im Herzen Deutschlands die Stadt Erfurt waren französisch! In ganz Deutschland französische Spione, zu denen sich leider auch Deutsche hergaben, eine sklavische Furcht vor dem Unterdrücker und, noch schlimmer, eine sklavische Kricherci, Alles überbietend, was einst Rom und Frankreich geleistet! Eine wahre Vergötterung des Mannes, welcher das deutsche Volk mit Füßen trat, dessen Heere und noch mehr dessen Feldherren und Osficiere die namenlosesten Drangsale und . Erpressungen über dasselbe gebracht hatten. Es ist ein Nachtbild, das wir zeichnen, aber doch nur zu treu — die Zeitgeschichte hat alle Thatsachen aufbewahrt, um unsere Umrisse mit brennenden Farben auszufüllen. Möge Deutschland jene Zeit der Schmach nie vergessen!
Napoleon stand auf der Höhe seiner Macht. Nur das stolze England war den Fängen des -französischen Adlers unzugänglich, die Meerbeherrscherin hatte zweimal die französische Flotte vernichtet, und ohne die „englischen Eichenherzen" hätte auch Spaniens Widerstand gegen den ihm aufgedrungenen Herrscher, Napoleons Bruder Joseph, längst erliegen müssen. Italien gehörte ihm, ein großer Theil davon, auch Nonr und der Kirchenstaat, waren dem französischen Kaiserrreiche einver- letbt, ein anderer als Königreich Italien Napoleons persönliches Besitzthum, Unteritalien seinem Schwager Mürat zugetheilt. Dänemark, von England feindlich behandelt, hielt fest an Frankreich. In Schweden war einer von Napoleons Marschällen zum Erben der Krone erwählt worden.
Wahrlich, ein Riesenbau der Macht und Größe s Wer konnte ahnen, daß er so schnell zusammenstürzen werde? Wer mochte für Deutschlands Befreiung aus dem fränkischen Joche noch eine Hoffnung wagen? Und doch gab es Männer, weiche daran nicht verzweifelten; obgleich verfolgt und gehetzt, gaben sie das Vertrauen