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Mr. S».

Hersfeld, den 19, November.

LASS.

DerHersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlaz hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Die feindlichen Brüder.

Original-Novelle aus dem letzten italienischen Feldzuge.

(Aus dem Berliner Volksgarten.)

(Fortsetzung.)

»Ist in Mailand I" erwiderte Schwarz ruhig,so gewiß als ich hier bin.«

Also fort, fort von hier, bannt ich ihn finde! rief Louis,

Das werden Sie jedenfalls,« sagte Schwarz und zog aus seinem Mantel eine Brieftasche, aus der er ein Blatt riß, worauf er schnell einige Worte schrieb.Hier, sagte er, haben Sie die Adresse eines guten unb zuver­lässigen Freundes, bei bem Sie vor jeder Verfolgung sicher sind, und der Sie nach Kräften unterstützen wird. Doch jetzt begeben Sie sich zur Ruhe, denn Sie sind müde.«

Nein, nein," antwortete hastig Quera,jede Mi­nute ist Verlust, geben Sie nur."

Nasch nahm er den Zettel, legte Geld für den Wein auf den Tisch und sagte dann zu Schwarz:Leben Sie wohl! Ich danke Ihnen für Ihre Mittheilungen, es ist vielleicht der letzte Dienst, den Sie mir erweisen, denn auf jeden Fall verlasse ich dieses Land. Leben Sie wohl!« Er schüttelte ihm nochmals die Hand und stürzte zur Thür hinaus. Schwarz trank den Rest des Weines aus, dann sagte er bedächtig zu sich selbst:

Nur zu, wahnsinniger Narr! Du hast Andere verdorben, verdirb nun selbst und laufe in das Messer, das Du gegen Andere zückst. Mir aber hast Du schon einmal, ohne daß Du es wußtest, geholfen, und sollst es nun wieder.»

Fünfzehntes Kapitel.

Zwei Tage nach meiner Rückkehr in die Schanzen von Trecase,« so begann Friedr. Ewald in der Orangerie seine Erzählung,erhielt ich den Befehl, mit meiner Batterie aufzubrechen und zu der gegen Magenta vor- rMenben Armee zu stoßen. Auf dem Marsche hatten wir mit Hunger, Durst und einer drückenden Hitze zu kämpfen, und kaum waren wir an unserm Bestimmungs- orte angelangt, so begann auch schon die so bekannte mörderische Schlacht bei Magenta. Ich wurde mit mer-

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ner Batterie einem Cavallerie-Regimente zugetheilt, und wir erhielten Befehl vorzurücken. Auf einer gewissen Distanz blieb das Regiment stehen, ich aber mußte voran, um den Sturm auf ein großes Quarre vorzube- reiten, das aus mehreren Bataillonen des Glam-Gallas'- schen Armeecorps bestehend, vor uns eine feste Stellung hatte und uns in unsern weitem Dispositionen sehr hem­mend im Wege stand. Ich war schon eine ziemliche Weile im Feuer und erwartete die Sturmsignale der Cavallerie, als ich, mich umsehend, benierkte, daß das Regiment Contreordre erhalten und links abgeschwenkt hatte. Was war zu thun? Bemerkte das Quarre, daß ich allein sei, so war ich mit sammt meinen Ge­schützen verloren. Ich richtete also schnell einige Worte an meine braven Kanoniere, ließ noch einige Lagen ge­benaufprotzen, und im Carriere sprengte ich trotz des dichtesten Kugelregens, den das Quarre auf uns eröff­nete, bis auf vierhundert Schritte vor. Abgeprotzt! und nun gibt's Kartätschenfeuer der Feind ist über­rascht meine Schrote werfen ganze Reihen nieder Alles geräth in Verwirrung und in wenig Minuten ist kein Quarre mehr da, sondern nur ein regelloser Hause flieht vor dem Eisenhagel, der ihm nachgesandt wurde der Platz war geräumt. Ich hatte ein neues Manöver ausgeführt: mit Artillerie zu stürmen."

Der Ausgang der Schlache. war entschieden: Ich war so glücklich, daß dieser Vorfall zur Kenntniß des Kaisers gelangte. Er ließ mich rufen, ich mußte Alles noch einmal erzählen und wurve nicht nur augenblicklich zum Officier ernannt, sondern »auch noch mit diesem Kreuze decorirt."

Bravo! mein lieber Friedrich," rief Gebhard freu­dig und klopfte vertraulich dem Officier auf die Achsel. Die schöne Marie aber, die mit leuchtendem, unverwand­tem Blicke der Erzählung zugehorcht, hatte das Köpf­chen nun sinken lassen und spielte mit ihrem Batisttuche.

Friedrich wandle sich an sie:Nicht wahr, Fräu­lein, es war recht unpassend von nur, hier an einem der Heiterkeit geweihtem Orte, solch' blutige Schlacht­bilder aufzurollen? Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie traurig gestimmt, aber Sie hatten mich ja selbst ausge- sordert, Ihnen Alles mitzutheilen.

Wie sollte G traurig fern!." antwortete Marie