Hersfelder A»zeigcr.
Rp. ^S. Hersfeld, den 25. Oktober. LSSS.
Der „Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben Lei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Staatsprokurator Ludwig Mö li von Fulda in gleicher Eigenschaft zu dem Obergericht in Kassel zu versetzen,
die erledigte Pfarrei Contra, nebst dem Metro- pölitanate der Klasse gleichen Namens dem Pfarrer Julius Ludwig Christian Schminke zu Jestädt zu übertragen,
den Probater Johann Friedrich Ochsenius bei der Direktion der Landeskredit-Kasse zum Probatur- vorstande bei derselben zu bestellen, und
dem Kreissekretar Hermann Weibezahu zu Fritzlar die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste zu ertheilen,
den Rittmeister >Gwßmann, Provinz-Kommandant der Landgendarnicrie, mit dem Charakter als Major und mit Pension ausscheiden zu lassen,
den Assistenz-Arzt Klemme vom Schützen-Bataillon zur Garde duMrps zu versetzen,
den Dr. med. Carl Theodor Stripp el aus Wolfhagen zum provisorischen Assistenz. Arzt im Schützen-Bataillon, und
den Candidaten der Wundarzneikunde Wilhelm Klingelhöfer aus Marburg zum provisorischen Unterarzt im 1. Infanterie-Regiment (Kurfürst) zu ernennen,
ben Revisoratsgehülfen Philipp Georg Heinrich Neumeyer zu Kassel zum Expeditionsgehülfen in der Güter-Expedition bei der Main-Weser-Bahn auf Widerruf zu ernennen.
Die feindlichen Brüder. Original-Novelle aus dem letzten italienischen Feldzuge.
(Aus dem Berliner Vollsgarten.)
(Fortsetzung.)
„Nun, da habt Ihr weit vom Ziele geschossen," lachte Schwarz auf. „Ich kann da am Besten Auskunft geben, denn ich stand in jenem Augenblicke am Ufer
der Sesia, an der Seite des muthvollen, verwegenen Mannes, der die Lieferung angezündet, und —--"
„Was sagst Du?« rief aufspringend Wiener und packte Schwarz am Arme. „Was sagst Du? Angezün- det wurden die Wagen, und von wem?"
„Es ist ein junger, muthiger Agent, der gegenwärtig in Mailand lebt.«
„Sein Name! Sein Name! drängte Wiener.
„Er hat den Namen seiner Mutter angenommen und nennt sich Quera, sein wahrer Name aber ist Louis Ewald."
Wiener ließ Schwarz am Arme los und sank, wi- vom Blitz getroffen, zusammen. Doch nur einen Augenblick ließ er sich von der Bewegung beherrschen, dann sich wieder aufrichtend sagte er zu den beiden Officieren:
. „Ihr müßt mich entschuldigen, Kameraden, daß mich der Name jeneS Muthigen so ergriffen, denn er ist einer meiner Verwandten.»
In diesem Augenblicke setzte der Kellner die dampfende Punschbowle auf den Tisch. Den Sturm in seiner Brust gewaltsam bezwingend, schenkte Wiener ruhig die Gläser voll, und bald hatte bei den beiden Officieren das heiße Getränk vollendet, was der Wein begonnen.
Geschickt führte der Artillerist das Gespräch wieder auf weitere Gegenstände und ließ, als ob nichts vorgefallen wäre, seiner Laune die Zügel schießen. Bald ver- rieth ihm das stotternde Sprechen der Beiden, daß sie die Sicherheit ihrer Sinne zu verlassen begann.
Der wüste Lärm in den Gemächern herrschte fort.
Schwarz und Meran hatten sich, fortwährend lachend und immer heftiger werdend, in einen Wettkampf vertieft, wer von ihnen mehr Punsch zu trinken im Stande wäre. Schnell und unbemerkt stand Wiener auf, bezahlte in einem Vorzimmer seine Rechnung und trat rasch auf die Straße hinaus.
Ein jäher Blitz blendete ihn in diesem Augenblicke Verwundert blickte er zum Himmel empor, der schwarz und drohend verabhing.
„Die Pflicht ist erfüllt, nun hält mich Mailand nur noch so lange, bis Gcbhard kommt!" sagte zu sich selbst der junge Mann in der Kleidung eines österreichischen Artillerielieutenants, und wendete sich gegen den Corso di Porta Renza.