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Mr. 8O. Hersfeld, den 4. Oktober. 1862*

DerHersfeldcr Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

SAZ

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

zu Secoudlieutenauts zu ernennen die Portepee- Fähnriche:

Collmann und Breithaupt vom Artillerie- Regiment, und demselben zu aggregiren, von Apelll vom Leibgarde-Regiment im Jäger- Bataillon,

Er cd6, vom 2. Jnfanterie-Reg. in demselben, von Buttlar von der Garde du Corps in derselben,!

Lambert vom3.Infanterie-Regiment in dem­selben,

Klei n h a n s vym 1. Infanterie-Regiment, Kur­fürst, in demselben,

................ III II...........

Die feindlichen Brüder.

Original-Novelle aus dem letzten italienischen Feldzuge.

(Aus dem Berliner Volksgarten.)

(Fortsetzung.)

Siebendes Kapitel.

Die Herren von Boffalora scheinen uns heute wie­der einen recht vergnügten Abend machen zu wollen," sagte der Unteroffizier Friedrich Ewald zu seinen Ka­nonieren, als in das Erdwerk der Batterie schnell auf einander folgend mehrere Kugeln sich hineingegraben hatten.

Er trat zu einem der Geschütze, und sich darüber hinbeugend, sah er eine We,ile scharfen Blickes nach dem feindlichen Dorfe hinüber. Indem er nun dem Rohre die nöthige Richtung nach einem der hervorragendsten Häuser gab, wendete er sich lachend zu den bedienenden Leuten und sagte: Bringt mir doch ein nettes Granät- .chen her, ich will denen da drüben für die Nacht eine Beleuchtung verschaffen.

Schnell sprang einer der Kanoniere davoK, und bald darauf sah man ihn wieder zurückkehren, das«'Pro-. fektil auf dem Arme tragend, das Leu Brand im ^luge hinüber nach Boffalora tragen sollte.

Das Geschütz wurde geladen. Unbekümmert um die Kugeln, die um ihn herumpfeifend in die Erde schlu­gen, over brausend über seinen Kopfe Hinstogen, sprang der Unterofsteier auf, den Theil der Schanze, um besser die Wirkung seines Schusses beobachten zu können. Mit der rechten Hand das Auge vor dem Glänze des glü­henden westlichen Himmels schützend, blickte er scharf nach Boffalora hinüber.

Feuer!" ertönte das Kommando, und mit einem klingenden Schlage entlud sich der Feuerschlund. Alles war von den Geschützen weg auf die Bankette getreten, um zu sehen, ob des Kommandanten Zusage sich erfül­len werde.

Die Sonne war hinabgesunken. Lange Schatten lagerten sich auf die Erde, nur hoch oben ani^ blauen Gewölbe schwammen noch einige Wölkchen, in Seligkeit erglühend, von der Wonne des letzten Scheidekusses, den das stammende @eftinr auf die kleinen Wanderer warf, die mit ihm die Himmelsbahn durchzogen.

So waren einige Minuten verflossen, als aus dem Dache des Hauses, auf welches das Geschütz gerichtet worden war, eine dunkle Wolke sich drängte doch im Augenblicke wurde sie größer qualmend stieß der Rauch hervor immer dichter immer schneller und jetzt jetzt schlug lodernd die Flamme cnipor.

Der Artillerist schwang sich von seinem Stand­punkte herab und meinte: Nun haben wir Ruhe. Sie sind jetzt mit dem Löschen beschäftigt und werden uns erst bis morgen früh wieder mit ihren Kugeln beehren. Hierauf ertheilte er noch einige Befehle für die Nacht und ging sodann zu dem Bivouakfeuer, das die Bedek- kungsmannschaft der Batterie, welche aus einer Abthei- eung Zuaven bestand, hinter dem für sie errichteten Erd­aufwurfe unterhielt.

Als der Artillerist hinzutrat, war eben ein lebhaf­tes Treiben, denn die ablösende Abtheilung war ange­kommen. Die Posten wurden von der neuen Mannschaft bezogen. Die bisherige marschirte ab,-und nach einer Viertelstunde, während welcher Ewald sinnend beim Feuer gesessen hatte, trat wieder die frühere Ruhe ein.

Der Kommandant der Ablösung war ein Elsasser, ein Mann von mittlerer Größe, mit einem dichten schwar­zen Barte, aus dessen von Wetter und Sonnenhitze