^t?* T4. Hersfeld, den 13. September. 1962»
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
die dem Artillerie-Regiment aggregirten Second- lieuienants von Heppe und von Äpell zu wirklichen Artillerie-Offizieren zu ernennen und im Regiment einrangiren zu lassen.
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Die feindlichen Wrüdes.
Original-Novelle aus dem letzten italienischen Feldzuge.
(Aus dem Berliner Volksgarten.)
(Fortsetzung.)
Das Thor ging auf, und ein alter Herr in einem schwarzen Hauskleide trat heraus, der, als er den auf der Erbe liegenden Soldaten erblickte, erschrocken zu- rückprallte.
„Pepol Pepo! schnell herbei!" rief er einem im Hofe beschäftigten Diener zu und trat nun zu dem Ohnmächtigen hin, um ihn aufzurichten.
In dem Gesichte dieses alten Mannes sprach sich tiefer Schmerz aus; als er unter dem sich zufällig öffnenden Mantel die Movtur eines französischen Artilleristen erblickte, trat eine Thräne in sein Auge, und tief aufseufzend sagte er: ,-21$ das war auch die Uniform meines lieben Eduard!"
Indessen war der Diener herzugekommen, der Soldat wurde aufgerichtet, und mit sorgfältigster Behutsamkeit trugen sie ih in's Haus.
Schnell wurde nach einem Arzte geschickt, der den Bewußtlosen bald wieder zu sich brächte.
AlS dieser die Augen aufschlug, blickte er verwundert um sichelnd wollte sprechen.
„Sein tote ruhig, mein Freund!" sagte mit Wohlwollen der Arzt; „Sie müssen sich jeder Aufregung enthalten. Es wird uns gelingen, Ihnen die fehlenden Kräfte bald wieder zu geben, und dann können Sie diesem Herrn Ihren Dank aussprechen," und dabei zeigte er aus den alten Mann, der hinzugetreten war, um die Hände des Verwundeten theiluahmsvoll zu drücken.
In diesem Augenblicke begann der Körper des Ar
tilleristen zu zittern, Todtenblässe überzog sein Gesicht, und von einer neuen Ohnmacht übermannt, sank er in die Kissen zurück. —
Nach zwei Tagen hatte sich der Fieberanfall gehoben.
In dem Zimmer des Kranken herrschte trauliche Stille. Er war eben aus einem erquickenden to$lafe erwacht, der sein Gehirn von den fieberhaften Paroxis- men gänzlich befreit hatte. Die heitere Morgensonne lächelte durch die Falten der Gardinen herein — ruhig war noch die Straße, nur von dem Dache des Nachbarhauses hörte man das eintönige Klappern eines Storches.
Der Erwachte richtete sich auf.
Die Hände zusammenfaltend überließ er sich dem Nachdenken, und versuchte Herauszugrübeln, wie er an dielen freundlichen Aufenthaltsort, der auf so unendlich wohlthuende Weise von den Lokalitäten des Spitals verschieden war, gekommen sei.
Doch seine Erinnerungen reichten nur bis zu dem Augenblicke, wo er erschöpft durch den Gang aus dem Spitale, an der Thüre eines ihm ganz fremden Hauses, zusammengesunken war. — Der Ton einer läutenden Glocke war das Letzte, was durch die Fibern.seines Gedächtnisses zog.
Da öffnete sich leise die Thüre und das ehrwürdige graue Haupt des alten Hausherrn schaute vorsichtig herein, und als er_ben Kranken wachend erblickte, trat er gänzlich in die Stube, und schritt mit einem so freundlichen Ausdrücke in dem gutmüthigen Gesichte auf das Bett zu, daß der junge Mann unwillkührlich die Arme ausstreckte, und mit dem Ausrufe: „Ach, mein Herr, wie vermag ich Ihnen zu danken!" dem Nähernden sich entgegen neigte.
Doch dieser hob väterlich verweisend den Zeigefinger empor: „Ruhig, ruhig! Nicht viel gesprochen, mein junger Freund! Bleiben Sie nur. Ich werde mich gleich zu Ihnen setzen, und während Sie eine_ Tasse Milch trinken, Ihnen zu erklären suchen, wo Sie sind; denn ich errathe, daß dies der Gegenstand Ihres Sinnens bei meinem Eintreten war."
Hierauf rückte er einen Stuhl zum Bette, und indem er seine Augen mit Theilnahme auf das blasse Antlitz des Verwundeten richtete, begann er zu erzählen ohne