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Rp> NS. HerSfeld, den 10. September. L88S.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Polizei-Director, Negierungsrath Karl Ludwig Suukel zu Marburg zum Regierungs- Commissar in Schmalkalden zu ernennen,
den zu der erledigten Pfarrei Buchenau, Jnspec- tur Fulda, präsentirtenPfarrverweser Adolph Bode zu Dörnigheim zu bestätigen,
den Kaplan Franz Krämer zuGeismarzumRec- tor und Lehrer an der lateinischen Knabenschule zu Fritzlar zu bestellen, und
dem Gymnasial-Director Dr. Eduard Wesener zu Fulda die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste zu ertheilen, den disponiblen Landmesser Nikolaus Hildebrand zu Bischhausen zum Landmesser des Kreises Kirchhain zu ernennen.
Die feindlichen Brüder.
Original-Novelle aus dem letzten italienischen Feldzuge.
Aus dem Berliner Volksgarten.)
Erstes Kapitel.
Ein großes Bild rollt sich vor unsern Augen auf. Wir stehen am Ufer, der Sesia. Vor uns liegt Ver- celli, die alte Beste mit den grauen, halbverfallenen Mauern. Weit dehnt sich die Fläche über Piemont und Sardinien aus; im Hintergründe tauchen aus dunklen Baumgruppen die spitzen Thürme Villata's empor.
Dies die Staffage des Bildes. — Beleben wir es.
Es ist der 29. Mai des Jahres 1859.
Am Bahnhöfe zu Vercelli sehen wir eine Anzahl vollkommen gleich gebauter Munitionswagen. Eine ziemliche Menge Soldaten sind beschäftigt, dieselben mit Munition zu beladen, die aus mehreren Waggons herbeigetragen wird und für die französisch-sardinischc Armee bestimmt ist.
Die Glocken Vercelli's verkünden die eilfte Stunde. Die Massen der auf dem Bahnhöfe beschäftigten Soldaten ordnen sich und marschiren gegen die L>tadt
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ab. Die noch gebliebenen Leute sind französische Artilleristen, welche in ihrer Beschäftigung fortfahren und theils noch die Verpackungen besorgen, theils Verschiedenes in dem für die Munition bestimmten Magazine ordnen.
In dem Gewühle ganz unbemerkt bleibend, hatte sich bei dem letzten Glockenschlage der eilsten Stunde ein Mann aus dem Knäuel gedrängt, dessen Züge bleich und verstört waren, und der nun so schnell als möglich sich zu entfernen suchte. Sein Äuge blickte nach dem Flusse hin, als suchte er dort Jemanden. Nur von Zeit zu Zeit wandte er den Blick nach dem Bahnhöfe zurück. — Eine düstere Gluth blitzte durch sein schwarzes Auge, sein Blick rollte, als wollte er sich dieses Bild für immer einprä- gen, über die Munitionswagen hin, und ein dämonisches Lächeln umzuckte die dünnen Lippen, die krampfhaft auf einander gepreßt waren.
Doch dauerte dies nur einen Augenblick, und gleich setzte er wieder seinen raschen Gang fort. Schon nahte er dem Ufer, als man an demselben die Gestalt eines bejahrten Mannes erblickte, der mit banger Erwartung dem Erscheinen des jungen Mannes entgegen zu sehen schien. Ungeduldig biß er auf die Cigarre und stieß wirbelnde Rauchwolken aus, doch jetzt — jetzt ist er da! Der Andere wirft die brennende Cigarre gerade vor sich in die Höhe, daß sie zischend in's Wasser fällt, und athemlos antwortet der Angekommene auf dieses Zeichen: „Jal"
Hierauf eilen Beide auf ehre kleine Anhöhe, die sich vom Ufer aus erhebt und von wo aus man Vercelli und den ganzen Bahnhof übersieht. — Dort angelangt, zieht Der junge finstere Mann eine Uhr aus der Tasche.
„Wie viel noch, Quera?" fragte der Alte:
„Noch sieben Minuten, Schwarz!" lautet die Antwort des Gefragten.
Von nun an ward keine Sylbe mehr gesprochen, sondern lautlos starrten Beide mit dem Ausdrucke gräßlichen Erwartens nach dem Bahnhöfe hin, als sollte dort etwas Fürchterliches geschehen.
Der Zeiger wies die siebente Minute über eilf.
Ruhig lag die Gegend rings umher.
Ein weißer Wasservogel zog über die Sesia in, war-