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Mr. VS. Hersfeld, den 3. September. IVRT.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.7 Preis , desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postans- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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(Fortsetzung.)

In Zeit von einer halben Stunde war die Trauung vollzogen und die Neuvermälten waren auf dem Wege zu ihrer Niederlassung, wohin ihnen Marie mit dem ge­retteten Vermögen, welches ihre Schwester ihr in den Tagen des Glanzes geschenkt, in kurzer Zeit nachfolgte.

Dimitry erhielt erst in Neapel die Nachricht von seines Oheims Tode, sowie auch die Kunde von dem Ver­brechen, der Verurtheilung und der Rettung der Tän­zerin. Er bewunderte Wasilis edle That; auch seine Mutter Agavia ließ seinem dankbaren Herzen alle Ge­rechtigkeit widerfahren, obwohl sie für ihres Lrohnes Zu­kunft, die sie mit diesem Schritte vernichtet glaubte, zitterte.

Nadescha und ihr Genial hatten keinen Sinn mehr für die Schönheiten der Natur und der Kunst, die sie im fremden Lande umgaben, denn es lag jetzt das Ge­schick von Tausenden leidender Brüder in ihrer Hand, das sie Beide so rasch wie möglich umzugestalten wünsch­ten. Sie gingen daher ungesäumt nach Venedig, und reisten von da aus aus das schnellste nach ihrem eigenen Vaterlande.

In Petersburg erwirkte sich Dimitry die Geneh­migung des Kaisers, die Leibeigenschaft auf seinen Gü­tern ausheben zu dürfen, dann fuhr er mit frohem Her­zen, an der Seite seiner jungen Frau, die sich bei ihrem etwas leidenden Zustande ungemein reizend in den Trauer- kleidern ausuahm, der Herrschaft Prelucki zu, wo er den Sommer über zu verweilen vachte. Dort gab Dimitry seinen Bauern die Freiheit und wandelte jeden Sklaven in einen glücklichen, fleißichen Pächter um. Er theilte die unvermeßlichen Ländereien mit Beihülfe tüchtiger Beamten in kleine Parcellen, verpachtete sie an seine Bauern, und erließ ihnen, damit sie sich von dem frü­hern Drucke erholten, den vollen Pachtzins für die näch­sten fünf Jahre.

Die Verurtheilten in den Bergwerken gab er ihren Familien wieder, denn es fand sich daß sie meistens nur um geringer Verbrechen willen zu diesem Grabe leben­diger Leichen verdammt worden waren.

Er engagirte tüchtige Ingenieurs, die das Gold, Silber und Platina durch freie Arbeiter, welche reichlich bezahlt wurden, zu Tage förderten.

Unter diesem segensreichen Wirken war der Sommer herangekommen, und eines schönen Tages, als Dimitry schon seit dem frühen Morgen beschäftigt war, einen Plan zu einer Schule für die Söhne seiner Pächter zu entwerfen, trat der Arzt mit feierlicher Miene in das Studierzimmer des Grafen, um ihm zu der Geburt eines jungen Erben, den er so eben gesund und blühend in den Arm der Mutter gelegt, Glück zu wünschen.

Dimitry umhalsete jubelnd seinen Freund, den Doc- tor, und folgte ihm in das dunkel verhangene Zimmer der Wöchnerin, wo er das zarte neugeborene Wesen, zum großen Entsetzen der Amme, stürmisch ans Herz drückte, mit ihm herum tanzte und dem gütigen Schöp­fer seines unendlichen Glücks dankbar gelobte, es zu einem wahren Menschen heranbilden zu wollen.

XXIII.

Sobald Nadescha^wieder außerhalb des Bettes sein konnte und der junge Sprößling getauft war, trat Agavia eine lange projectirte Reise an, und Vater Jnkoff war ihr Begleiter. Ihr Herz trieb sie, ihren Sohn, ihren Wasiti zu sehen, ihm in seiner Verbannung den Trost einer liebenden Mutter und zugleich die Mittel, die sie durch Nadeschas Freigebigkeit erspart hatte, zu bringen, um damit ihm und seiner an die Behaglichkeit des Le­bens gewöhnten Frau, den öden Aufenthalt erträglicher zu machen.

Nach einer mühevollen Reise trafen Beide in der Strafcolonie ein. Sie bestand aus einem öden Dorfe, in welchem zwei Reihen ärmlicher Lehmhütten eine Straße bildeten. Obwohl diese Hütten regelmäßig mit kleinen Anpflanzungen umgeben waren, so hatte "doch das Ganze ein düsteres, freudeloses Ansehen.

Agavias Wagen hielt vor d»r etwas ansehnlichern Hütte des Beamten dieses Ortes, wo Jukoff sich nach Wasilis Wohnung erkundigte. Der Beamte zeigte auf ein niedliches, weiß angestrichenes, mit grünen Jalousien versehenes Häuschen, welches seitwärts, nahe an einem Hügel stand.

Von dem lieblichen Anblicke dieser Wohnung, die