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Hersfelder Anzeiger.

W* «! . Hersfeld, den 20. August. L8SS.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten tommt, der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Wachtmeister im 1.(Leib-) Husaren-Regimente, Johann Friedrich Bergmann aus Sandershausen, zum Stadtreceptor in Fulda provisorisch zu ernennen.

Da haft Du Schuld.

Als ich noch unverheirathet war, wohnte ich in Ber­lin bei einem Uhrmacher G, das war ein merkwürdiger Mann. Von Geburt Elsasser, hatte er unter der fran­zösischen Republik und unter dem Kaiserreich alle Feld­züge mitgemacht. Erst mit vierzig Jahren hatte er Got­tes Wort kennen lernen, erst zu dieser Zeit auch das Verlangen gespürt, lesen und schreiben zu lernen, denn er war, gleich vielen Kindern der Revolution, ohne allen Unterricht aufgewachsen. Seine Unterhaltung war für mich höchst anziehend und lehrreich, seine Ansichten und Urtheile waren oft überraschend, für manche (vielleicht auch für einige meiner Leser) schienen sie unverständlich, ja unverständig, ja wohl gar unsinnig. So erinnere ich mich, daß im Nebenhause ein Student im Rausch und Zorn seine Wirthin mit einem Hiebe getödtet und sich darauf, Plötzlich nüchtern geworden, selbst der Wache über­liefert hatte. Es war ein liebenswürdiger, schöner junger Mann, den alle bedauerten, nur mein Uhrmacher sagte mit einem eigenthümlichen Nicken des Kopfes:Das mag ein rechtes Glück für ihn sein!" Und als wir verwundert fragten, wie er das meinte? sagte er:Bisher hat er sich für einen guten Menschen gehalten, jetzt wird er ei­nen Schreck bekommen, und die Augen werden ihm auf­gehen, daß er ein Sünder ist."

Dieser liebe Uhrmacher lebte in stiller, friedlicher Ehe mit seiner Frau. Ich hörte, daß beide in Kurzem ihre silberne Hochzeit feiern würden, und sagte:Es muß doch ein schönes Gefühl sein, wenn man so auf 25 Jahre einer glüklichen Ehe zurück blicken kann." Da lächelte er vor sich hin, schüttelte mit dem Kopf und antwortete nicht. Das fiel mir auf, ich fragte, was er damit meine? und er erwiederte: Sie sprachen da von 25 glüklichen Jahren; wenn Sie in den ersten 12 Jahren unserer

Ehe bei uns gewohnt hätten, würden sie anders gespro­chen haben I Und als ich fragte: Haben Sie denn damals nicht so glücklich gelebt? erwiederte er: Glük- lich? wie Hund und Katze haben wir gelebt. Das überraschte.mich, ich hätte gern gewust, wie es -denn ge­kommen, daß sie jetzt so ganz anders, so in Frieden und Freuden mit einander lebten, und bat ihn, ob er mir das wohl sagen wolte, und was er mir darauf mitheilte. erzähle ich jetzt, ich glaube Wort für Wort, denn es machte einen tiefen unauslöschlichen Eindruck auf mich, daß mir seine Worte unvergeßlich geblieben sind. Er erzählte:

Während der ersten 12 Jahre unserer Ehe lebte ich mit meiner Frau in fast täglichem Unfrieden, selten verging ein Tag, ohne daß wir nicht einen Streit gehabt hätten, und mir wurde das Leben oft recht schwer. Ei­nen Tag war der Zank besonders heftig und bitter, ich konnts nicht mehr ertragen, warf mein Arbeitszeug hin und lief zum Hause hinaus, vors Thor in ein Gebüsch hinein, da setzte ich mich hin und fühlte mich so recht unglücklich, und wie ich so da saß und sann, da dacht ich: Du könntest doch ganz glücklich sein, wenn nur deine Frau anders wäre. Wir haben gute Nahrung, wir sind gesund, unsere Kinder machen uns Freude, es fehlt uns nichts, und wir sind doch so unglücklich. Wenn nur meine Frau den bösen Fehler nicht hätte! Es ist sonst eine brave Frau, wirklich fleißig, wir haben uns auch beide lieb; warum können wir uns denn gar nicht ver­tragen?Und wie ich so darüber nachdachte, was denn wohl Schuld haben möchte, daß wir uns immer so zank­ten, und wenn ich so über unsere letzten Zänkereien nach­dachte, woher sie denn wohl entstanden waren, da fiel mir ein, daß eins immer der Grund davon gewesen wäre. Wenn nämlich irgend ein Aerger in der Wirthschaft oder sonst wo vorkam, wenn einmal ein Kunde fortblieb, wenn ein Lehrling etwas perdorben hatte, wenn eine Tasse zer­schlagen wurde oder die Milch ins Feuer gelaufen war, dann sagte meine Frau immer:Da hast Du Schuld!" Das wollte ich nicht zugeben, ich behauptete, meine Frau hätte Schuld, und wollte ihr das beweisen. Das war jedesmal der Anfang, und dann gings immer weiter, bis wir uns oft die härtesten Dinge sagten. ^Da dacht ich bei mir: Du hast immer deiner Frau Schuld ge-