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Str. 66* Hersfeld, den 16. August. L8GS.
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(Fortsetzung.)
— Es ist nicht möglich, Weib! rief der Fürst erschüttert. Du willst mich abermals quälen, wie Du es schon seit Wochen ungestraft gethan.
— Und doch, versetzte Anna, und reichte ihm den Becher, den er soeben geleert. Wenn Du mir nicht glaubst, so glaube Deinen Augen. Was Du auf dem Büoen des Bechers siehst, ist Gift—Gift, das Du getrunken.
Mit einem Angstschrei fiel der Fürst in seine Kis« sen zurück.
— Heiliger Michael! rief er, sie spricht die Wahrheit, ich bin vergiftet, vergiftet von dieser rasenden Furie! Ach, ich fühle schon das Nagen, das mein Inneres zerreißt. Hülfe! Mörder! Gift!
Die Wirkung des Giftes war entsetzlich und rasch. Die Augen des Unglücklichen traten aus ihren Höhlen hervor, die Lippen schäumten, und ein convulsivisches Zucken durchfuhr in kurzen Zwischenräumen seinen Körper.
Anna wendete sich ab und trat ans Fenster, um den Todeskampf nicht mit anzusehen.
— Warte, Schlange! knirschte der Sterbende, nahm vom Tisch ein Stück Papier nebst Bleifeder, barg es unter die Decke und schrieb heimlich einige Worte darauf nieder. Es war die letzte That seines Lebens.
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Der Tod des Fürsten überraschte Niemand; man hatte ihn längst gewünscht und erwartet. Es wurden daher alle herkömmlichen Ceremonien in der größten Stille vorgenommen, der Arzt und der Pope geholt, und der Leichnam bis zu deren Ankunft unberührt gelassen.
Der Arzt wollte nicht an den Tod seines Patienten glauben, den er in einer so heilsamen Krisis verlassen hatte. Er lüftete die bedeckende Hülle und schrak zurück vor dem entstellten Leichnam.
Ein gräßlicher Verdacht stieg in ihm auf. Mit forschendem Auge spähte er hn Zimmer umher und gewahrte endlich den Becher, aus welchem der Fürst den
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Tod getrunken. Anna, die seinem Blick gefolgt war, bebte in sich zusammen.
— Wer verpflegte den Kranken in seiner letzten Stunde? fragte der Dokror.
Alle sahen auf die Tänzerin, deren Gesicht mit Leichenblässe bedeckt war. Sie bekämpfte ihren Schrek- ken, waffnete sich mit kühner Stirn und trat 'zu dem Arzt ans Bett.
— Ich war bei ihm, sagte sie mit scheinbarer Ruhe; was begehren Sie zu wissen?
— Ich wage es kaum zu äußern, sagte er, aber hier ist ein Mord geschehen. Der Todte ist vergiftet.
— Hüten Sie sich wohl, erwiederte Anna, und sie fühlte, wie ihre Kniee wankten hüten Sie sich wohl, dergleichen zu äußern ohne die untrüglichsten Beweise.
— Di» Thatsache ist erwiesen/ -rief der Arzt; ich bin nur noch ungewiß, wer der Mörder ist. Hier, sehen Sie selbst, Madame, in diesem Becher war Gift. Er reichte denselben der Tänzerin.
Anna ergriff ihn mit zitternder Hand, und indem ihr Blick unsicher darüber hinglitt, suchte sie, wie von ungefähr, die Spuren des Giftes zu verwischen.
Ich kann darüber kein Urtheil abgeben, sagte sie, und gab den Becher zurück; ich bin nicht Kennerin.
— Ich werde den Leichnam Iwans untersuchen, sagte der Arzt, welcher Anna scharf beobachtete; doch dazu bedarf ich meiner Instrumente, die ich im Wagen gelassen habe. Unter dem Vorwande, diese zu cholen, ging er hinaus und befahl den Thürstehern, die Wache ycr- beizuholen, und seines Winkes gewärtig zu sein. Darauf trat er wieder in das Zimmer, mit dem Besteck in der Hand. Er nahte damit dem Lager dxs Fürsten und hob die Decke empor — und hier fand er seinen Verdacht vollkommen bestätigt.
— Tretet Alle heran, rief er den Dienern zu, und sehet, was auf dem Papiere geschrieben steht.
Die Leiche hielt einen Zettel in der Hand, auf welchem mit großer Schrift geschrieben stand:
— Die Tänzerin hat mich vergiftet.
Schrecken malte sich auf Aller Angesicht, denn mehre der Diener konnten lesen und flüsterten diese Worte den anderen zu. Auch Anna Simonowna trat mechanischcherzu starrte nach der Schrift, und —war vernichtet, (F. s.)