Hcrsfcl-cr Anzckger.
Nr. «s.
Hersfeld/ den 13, August.
18O>
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
r^^«'«""""«"^^ ..................—■ »— .»' ■ in —1 »■ l ■— in inm.«Q
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Staatsprokurator Emil Schüler in Kassel zum General-L-taatsprocurator zu bestellen,
den Vorstand des Kriezs-Ministeriums, Oberstlieutenant von Osterhausen zum Hauptdirektor der Prinz Georg'schen Stiftung, und
den ersten lutherischen Pfarrer Heinrich S e e b o h in zu Rintein zugleich zum Rektor der Stadtschule daselbst zu bestellen, ferner
den zu der erledigten Konrektorstelle au der Stadtschule zu Hofgeismar präsentsten Candidaten der Theologie Friedrich Theodor Emil Weiß daselbst zu bestätigen, sowie
dem ordentlichen Professor der Philosophie Dr. Eduard Zeller zu Marburg und
dem außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät Dr. Adolph Edert zu Marburg die
- allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste zu ertheilen,
den Fabrikamts- Assessor Friedrich Wille zu Schwarzenfels zum Hülten-Jnspectol bei dem dasigen Fabrikamte,
den Bergamts-Candidaten und Hüttengehülfen Eduard S chwenken zu Bieder zum Assessor bei dem Bergamte daselbst,
den Steuer-RevisoratsgehülfenWilhelm S a n d r o ck zum SteuerMevisor,
und zwar die zwei Letzteren provisorisch zu ernennen.
U a d e t ch a.
(Fortsetzung.)
— Ha! Das geheiligte Wort, aus Ihrem Munde klingt es wie Hohn und Spott! Sie, ein Raubthier, das nur Begierden kennt, sollten lieber aus ewig verstummen, als ein Gefühl bezeichnen, das nur dem Menschen ziemt.
— Wissen Sie, daß ich noch Mittel habe, ein Wahnsinnige zu züchtigen?
— Versuche es, armer Thor, der Du hier auf Deinem Sterbebette liegst!
— Ich werde wieder aufstehen, dann wehe Ihnen I
— Oh, dafür ist gesorgt, Du stehst nicht wieder aus
— und wäre es, so lege ich selbst Hand an Dich!
— Ha, Furie, Du rasest I rief der Fürst, und erhob sich, um nach dem Glockenzuge zu greifen, den Anna aber schon entfernt hatte.
— Gieb Dir keine Mühe, Mann, rief sie höhnisch, ich sagte Dir schon vorhin, daß Du in meiner Gewalt bist. Hier wird Niemand kommen, außer auf mein Geheiß.
Der Fürst schäumte vor Wuth und rief mit lauter Stimme:
•— Papillon! Andres I StefanoffI
Da ergriff Anna eines der Kissen, von dem er sich eben erhoben hatte, und drückte ihn gewaltsam damit auf das Lager zurück, so daß seine Stimme nach und nach erstickte.
Lange Zeit blieb Anna in dieser schauerlichen Stellung, bis ihr Opfer dumpf zu röcheln begann. Besorgt, daß es ersticke, erhob sie das Kissen, und fand den Fürsten eingeschlafen. Nun schlich sie leise in das Vorzimmer, beurlaubte alle Diener unter dem Vorwande. daß der Fürst durchaus nichts als Ruhe bedürfe. Gegen Abend kam der Arzt und war erstaunt, seinen Patienten in so festem Schlafe zu finden.
— Er muß einen heftigen Anfall gehabt haben, sagte dieser, der ihn in gänzliche Ermattung und in diesen Schlummer warf. Sorgen Sie, Madame, fuhr er fort, daß dieser Schlummer nicht unterbrochen werde.. Der Fürst befindet sich in einer Krisis — wenn er schläft, bis er von selbst erwacht, ist er gerettet.
— Was höre ick? murmelte Anna, als der Arzt fort war; er sollte wieder zum Leben erstehen? Das soll, das darf nicht sein! Er wird ins Leben zurückkehren, fuhr sie fort, und jeder Frevelthat nach wie vor sein Siegel aufbrücken. Nein, er soll sterben, rief sie nach - einer Pause, indem sie in der Nähe des Lagers still stand und auf das ruhige Athmen des Schläfers horchte. Sterben soll er — durch meine Hand. Ich bin es den Manen meines Gustavs schuldig. Ich will nicht Jahre des Kummers und der Verachtung ertragen haben, um