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kjches Wesen zu sein schien. Er sagte daher im milde­sten Tone:

— Tritt heraus, Freund Jukoff! Oder bist du zu schwach? Soll ich dich stützen?

— Herr Gott! Welche Stimme! rief dieser. Bin ich schon gestorben, und öffnet sich mir der Himmel? Ist dies nicht die Stimme meines Herrn und Gebieters, des Grafen Dimitry?

— Ich bin es, Armer, Gemißhandelter, sagte Dt- mitry, und stützte den Wankenden, den der Wächter auf den Wink seines Herrn die Stufen hinangeleitete. Ich komme und bringe dir die Grüße Deiner Nadescha; sie lebt und erwartet Dich.

— Was sagst du, Herr? rief Jukoff. Mein Kind lebt und ist gerettet? Ich soll sie Wiedersehen? Und ich Unglücklicher wählte den Hungertod, um desto eher mit ihr vereint zu werden. O, wenn Gott ihr Leben geret­tet hat, so will ich wieder hoffen, er wird in seiner gro­ßen Barmherzigkeit auch mich aus diesem Elende be­freien. Ja, Preis und Dank sei ihm! Ich hoffe wieder.

— Armer Freund, sprach Dimitry, ich bin ja hier, um dich der Freiheit, dem Leben wiederzugeben. Komm, folge mir, wir müssen in zehn Tagen in Prelucki sein. Dort wird Nadescha mein Weib.

Jukoff hatte Mühe, sich in sein Glück zu finden, denn diese Bergwerke sind gewöhnlich das Grab ihrer Bearbeiter, und mit dem Eintritt in ihre Höhlen dürfen sie sich für todt betrachten, da man noch kein Beispiel von Befreiung eines Verurtheilten seit der langen Herr­schaft Iwan Alexiowitscks kannte.

— Ist es denn wahr? rief Jukoff zu wiederholten Malen. Ist es kein Traum? Und der Fürst —?

— Er liegt krank darnieder, antwortete Dimitry, in­dem er Jukoff an den Ausgang der Höhle geleitete; man zweifelt an seinem Aufkommen. Aber selbst dann, wenn er noch geheilt werden sollte, habe ich nichts mehr von ihm zu fürchten, da ich im Rechte bin. Ich erfülle buch­stäblich seinen letzten Willen, und fürchte seine unmensch­lichen Intriguen von diesem Augenblicke an nicht mehr. Wir verlassen dieses Land und gehen nach Neapel; von dort aus will ich ihm meine Vermälung mit Nadescha anzeigen. Nichts mehr von ihm! Doch nun zu Euch, sagte Dimitry, sich andenFactor und Wächter wendend: Seid Ihr Menschen? rief er in edler Aufwallung. Was hatte der arme kranke Mann verbrochen, daß Ihr ihm selbst die Wohlthat entzog, sein hartes Schicksal mit an­deren Leidensgenossen zu therlen?

— Er wollte nicht arbeiten, Herr, erwiederte der Wächter, er war halsstarrig und Solche sind wir zu bestrafen genöthigt.

— Konntet Ihr nicht an den blassen Wangen, an den eingefallenen Zügen sehen, daß es Krankheit und Schwäche war? rief Dimitry streng.

— Wir haben keine Ordre, Herr, für solche Fälle, nahm der Factor das Wort; wir folgten hierin nur der Vorschrift.^

— Von jetzt an, sagte Dimitry, wird man meiner Vorschrift folgen, deren Mißachtung ich unerbittlich ahn­den will. Man pflege die Kranken, gebe ihnen gesunde Nahrung und eine trockene, warme Wohnung. Einen Arzt werde ich aus der nächsten Provincialstadt senden. Nicht eher will ich diesen Ort des Jammers verlassen, als bis ich ein passendes Local zu einem Hospital ge­funden habe. Diese grauenhafte Grube soll man im Augenblicke verschütten; ich will auch die Mittel neuer Grausamkeit zerstören. Den rohen, harten Wächter werde ich stets mit unnachsichtiger Strenge bestrafen, der men­schenfreundliche Beamte aber hat immer Belohnung von mir zu erwarten. Führt jetzt meinen Freund, fuhr er fort, in ein warmes Zimmer, gebt ihm trockene Kleider und Alles, was zur Herstellung seiner Kräfte erforderlich ist. Auch sollt Ihr ein stärkendes Mahl für alle Ge­fangenen bereiten lassen; ich will die Armen wenigstens ein Mal, bevor ich scheide, glücklich sehen.

Viele geschäftige Hände waren nun bemüht, Di- mitrys Befehle auszuführen, und der rege Eifer, mit welchem Alle wirkten, bewies ihm, daß diese Schergen ebensowohl zu Werkzeugen der Milde und der Mensch' lichkeit umzuschaffen seien, wie sie bisher der schränken- losesten Grausamkeit gedient.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

— Nach französischen Blättern mürbe neulich auf einer Station der großen französischen Südbahn ein Vampyr verhaftet, ein Greis von 73 Jahren, der mit einer Jungfrau allein in einem Coupe zweiter Elaste gefahren war, diese durch ein chemisches Mittel betäubt, dann an ihrem Halse eine kleine Wunde geöffnet und daran mit seinem zahnlosen Munde gesaugt hatte. Als der Zug hielt, entfernte sich der Alte, während das Mädchen erst langsam mit einem brennenden und stechen­den Schmerze am Halse erwachte- Sie erzählte den Beamten den möglichen Zusammenhang. Der Vampyr wurde verfolgt und ergriffen. Er scheint des Glaubens gewesen zu sein, daß wenn er Jungfrauenblut trinke, er sich verjüngen könne.

Rottweil. Die zwei neuen Fabrikgebäude der Pulvermühle, welche nach der Explosion am 10. Mai d. I. wieder aufgerichtet wurden, sind am 17. Juli Nachmittags abermals in die Luft geflogen. Kein Menschenleben kam Hiebei in Schaden. Die Fabrik war erst seit 10 Tagen wieder im Gange.

Erfurt. Am 22. hat sich an den Scheibenständen des Schützenhauses der beklagenswerthe Fall zugetragen, daß der Vereinsdiener Krüger (im 64. Lebensjahre steh­end) erschossen worden ist. Er besorgte die Signale