Mx. G1. Hersfeld, den 30. Juli. LHGA.
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(Fortsetzung.)
— Wir kommen gerade zum Diner, fuhr der Faktor wie oben fort, wozu ich eine halbe Stunde Rast erlaube, die einige meiner Nummern, wie Du siehst, Herr, zu ihrer Siesta benutzen. He l rief er, und klatschte in die Hände, Antipi, wo steckst Du! Und auf diesen Ruf sprang ein halb blödsinniger Knabe oom Boden auf, und stellte sich vor seinen Herrn.
— Kannst Du mir sagen, Antipi, fragte dieser, wo sich die Nummern aufhalten, welche uns der letzte Transport gebracht hat?
— Meinst Du die Nummern 90 bis 103? Sie liegen hier im Saale, sagte der Knabe.
— So suche Sie zusammen und stelle sie hier auf.
Der Knabe nahm einen Kantschu von der Wand, und ging damit auf die unglücklichen Schläfer zu, schlug jeden derselben so lange auf Gesicht und Hände, bis er vor Schmerz erwachte und aufsprang. Dieses Mittel, die Schlafenden zu erwecken, hatte man als das wirksamste befunden, und die Unglücklichen dachten so we- nig an Widerstand, daß ein blödsinniges Kind genügte, dieses Amt zu versehen.
In wenigen WmiUn standen wohl ein Dutzend der crassesten Männergestalten vor Dimitry, aber er war nicht vermögend, seinen Freund unter ihnen zu erkennen.
— Ich glaube nicht, daß er zwischen diesen Unglücklichen ist, sagte Dimitry; Der, den ich suche, kann unmöglich so verwildert aussehen: er kann noch nicht lange hier sein.
Wir werden es sogleich erfahren, sagte der Factor, und rief einem der Gefangenen zu:
— Du, Nummer Fünfundachtzig I Kennst Du Einen mit Namen Jukoff?
Die Männer stierten den Factor mit erloschenen Blicken an, und senkten dann den Kopf auf die Brust. Der Angerufene jedoch, hier wohl der Intelligenteste, der, wie die Anderen, seinen Namen, odervielmehr seine Nummer auf der Brust trug, trat einen Schritt vor und sagte mit kaum menschlicher Stimme:
— Das ist Nummer Siebenundneunzig, und wegen Ungehorsam in der Wolfsgrube.
— Aha, lächelte der Factor, er kann sich noch nicht an unsere Hausregeln gewöhnen. Folge mir, Herr, sagte er zu Dimitry, ich will Wladimir aussuchen, er ist der Wächter über die Privatclosets.
Mit Herzklopfen schritt Dimitry hinter seinem Führer her, der sich bald links, bald rechts in diesem Labyrinth wendete, aus meinem Ersterer allein nimmer den Ausgang gefunden hätte. Endlich gelangten sie in eine Seitenhöhle, in deren Vertiefung eine Thür befindlich war. Hier trafen sie den Wächter Wladimir der eben beschäftigt war, an einer langen Stange, deren Spitze in einen Haken auslief, ein Stück Brod und einen Häring zu befestigen; als ihm dies gelungen war, öffnete er eine Thür, von welcher einige Stufen abwärts führten.
— He! Nummer Siebenundneunzig! rief er in den dunkeln, schauerlichen Raum, in welchem das Wasser mehre Fuß hoch stand, und wo es von Ratten und Mäusen zu wimmeln schien. He, Nummer Siebenundnennzig! Gieb Acht! Ich bringe dir dein Mittagsbrod!
— Trage es nur hinweg, ich bedarf keiner Speise mehr, antwortete eine heisere Stimme, welche Dimitry sogleich an dem Accent für die des Jukoff erkannte. Meine Zeit, setzte er hinzu, ist, hoffe ich, abgelaufen, bald werde ich bei meinem Kinde fein.
— Nimm eö nur, rief der Wächter, selbst wenn Du bald zur Hölle fahren solltest, denn der Hunger ist auch dort ein schlimmer Gast.
— Halt! rief Dimitry, und trat an die Thür der sogenannten Wolfsgrube. Gegenüber der Thür, an die triefende Wand gelehnt, stand eine männliche Gestalt bis über die Knie im Wasser und, wegen der Niedrigkeit der Decke, mit vorgebeugter Brust. Das Gesicht war seltsam entstellt und kaum kenntlich; denn der lange schwarze Bart, der Jukoff so wohl kleidete, war auf der rechten Seite bis zur Mitte des Kinns weggeschoreu, während er auf der linken verwirrt niederfiel und die halbnackte Brust beschattete.
Dimitry hatte ihn vorhin an der Stimme erkannt, und deshalb war er gewiß, sich nicht in der Person zu irren, obwohl das, was er vor sich sah, kaum ein mensch-