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ehrwürdiger Priester, derselbe, der Nadescha getauft, an einem schön geschmückten Altare des Brautpaares.
Eine lautlose Stille herrschte unter den zahlreichen Gästen, als der Priester mit lauter Stimme den Namen der Braut verkündete; und als er nach den Worten: Nadescha Petrowna, willst Du diesem Manne angehören? auf ihr freudiges „Ja" ihr einen kostbaren Ring an den Finger steckte, da fiel ein Sängerchor mit einer Jubelhymne ein — und der Segen des Priesters verband zwei glückliche Herzen.
Nach beendigter Ceremonie begab sich der ganze Zug in den Speisesaal, in welchem ein festliches Mahl bereiter war.
Nadescha saß zwischen ihrem Gatten und ihrem Vater, dessen Anwesenheit ihr immer noch wie ein schöner Traum vorkanr. Sie erschien in ihrer neuen Würde so anmuthig, so bescheiden, daß selbst die hoffährtigsten Damen mit Entzücken die junge Gräfin umarmten und es ihr verziehen, daß sie Alle verdunkelt und ihnen den Preis entrissen hatte.
Jukoffs Bescheidenheit fühlte sich zwischen diesen hohen Gästen sehr gedrückt, und dies bemerkend, kürzte Dimitry die Zeit des Essens und gab selbst das Beispiel einer ungezwungenen Fröhlichkeit, indem er die Tafel aufhob und mit seiner jungen Frau in den Ballsaal zurückkehrte.
Als er seine Gäste heiter und mit sich selbst beschäftigt sah, folgte er mit Nadescha dem alten Jukoff, der sich auf ein entlegenes Zimmer zurückgezogen hatte.
Bei ihrem Eintritte knieten Beide, ehe Jukoff es hindern konnte, vor ihm nieder. Nadescha umfaßte mit Freudenthränen die Knie ihres wiedergefundenen Vaters dessen Vaterrechte sie mit kindlicher Liebe stets anzuerken- nen gelobt, obwohl er ihr die Huldigung eines Sklaven erweisen wollte. Auch Dimitry sagte mit bewegter Stimme;
— Wir sind und bleiben deine Kinder, Vater Jukoff, und bitten hier auf unseren Knieen um deinen Segen. Nadescha hat sich während der Ceremonie Gewalt angethan, um so lange deine Umarmung entbehren zu können.
— Was machst du, Herr, aus mir? rief Jukoff gerührt. Du bists, der Segen spendetl Eine dankbare Thräne benetzte seine bleiche Wange. Segnend legte er seine Hände auf das geweihte Paar und sagte zu seiner Tochter: Gott hat schon auf Erden Dein kindliches Vertrauen und Deine Tugend belohnt, mein theures Kind, indem er Dir diesen Mann zum Herrn und Gatten gab. Bleibe wie Du bist, gut und treu, so nur kannst Du ihm seinen Edelmuth vergelten, mit dem er sich des zertretenen Wurms erbarmte. O Nadescha! Du weißt noch nicht,, aus welchem Elend er mich errettet hak.
— Stille, Vater, sprach Dimitry, betrübe'nicht das weiche Herz meiner Nadescha durch Erzählung Deiner Leiden. Es wird noch eine gelegenere Zeit kommen, in der sie erfahren soll, was Du erduldet hast. Ich meine die Zeit, in der ich jenen Act der Gerechilgkeit werde
vollziehen können, der so vielen tausend Elenden die Freiheit geben soll. Ja, ich fühle es, rief er mit schönein Feuer, und sein geistvolles Auge erglänzte in hohem Strale, ich habe eine hohe Sendung — es bleibt mir viel gut zu machen, was mein Verwandter an der Menschheit verbrochen hat. Wenn einst diese Zeit, die vielleicht nicht mehr fern ist, gekommen sein wird, dann, Nadescha, sollst Du an meiner Hand diese Höhlen des Unglücks besuchen, in welchen ich deinen Vater gefunden. Du sollst dann der Engel dieser Gemißhandelten sein, der sie zur Freiheit und zum Leben zurückführt.
Nadescha schmiegte sich an die edle Brust ihres Gatten.
— ODu — wie soll ich Dich nennen I rief sie, und küßte ihm beide Hände, indem sie ehrfurchtsvoll und bewundernd zu ihm aufsah. Allein Geliebter! Mein Angebeteter!
Wir verlassen nun die Glücklichen, um zu sehen, wie und wo Dimitry den alten Jukoff ausgefunden.
XIX.
Roch giebt es im Innern von Rußland wenig Eisenbahnen, ja zur Zeit unserer Geschichte noch gar keine; dennoch reist man dort mit unglaublicher Schnelle, wenn man die Vorsicht gebraucht, sich von den Gouvernements- Beamten eine Podoroshna, das heißt einen Schein zu lösen, nach dessen Vorzeigung jedes Postamt sogleich die nöthige Airzahl Pferde vorzuspannen hat. Mit diesem wichtigen Stückchen Papier reiste Dimitry von Petersburg nach Tara in möglichst kurzer Zeit.
Bei seiner Ankunft in den Bergwerken seines Onkels ließ er den Oberfaktor vor sich kommen, und forderte von ihm den kürzlich eingetroffenen Verurtheilten. Obwohl als Erbe des Fürsten anerkannt, wurden ihm doch von dem Beamten allerlei Schwierigkeiten eutge- gengestellt; denn das ist das gewöhnliche Verfahren, zur Bestechung aufzufordern, und der schlaue Diener hatte es sogleich an der Ungeduld seines jungen Herrn gemerft, daß hier Etwas zn verdienen sei. Hierin irrte er sich auch nicht, denn Dimitry kannte ebenfalls feine Leute und sagte zu dem Beamten in entschiedenem Tone:
— Ich zahle dir tausend Silberrubel, wenn Du mir ohne Umstände den Jukoff auslieferst, obwohl ich Dich zwingen kann, es ohne dieses Anerbieten zu thun. Setze ihn dann meinetwegen auf die Todtenliste, oder fetze ihn als Freigelassenen in deinen Jahresbericht, mir gleichviel, nur rasch, denn der Arme soll keine Minute länger leiden, und es möchte dir nicht zum zweiten Male diese Summe geboten werden.
— Folge mir denn in die Grube, Herr, sagte der Factor; ich erhielt kürzlich einen Transport Gefangener, darunter ist vielleicht der, den du suchst. Hier kennen wir die Namen der Verurtheilten nicht, wir unterscheiden sie nur durch Nummern.
Dimitry folgte dem Beamten in eine der Berghöh- leu, zu welcher ein schmaler, schlüpferiger Gang in eine beträchtliche Tiefe führte. Die weite Höhle war so